Kit Armstrong ist ein Pianist der Licht- und Schattenspiele. Foto: /Marco Borggreve

Der US-Amerikaner Kit Armstrong spielt in der Meisterpianisten-Reihe im Stuttgarter Beethovensaal neben William Byrd und Bach auch Mozart und Chopin.

Stuttgart - Während Kit Armstrong nach dem offiziellen Teil des Klavierabends im Beethovensaal die zweite Zugabe ankündigt, Frédéric Chopins Fantaisie-Impromptu, sagt er: „Damit auch etwas Pianistisches auf dem Programm steht.“ Interessant: Als wäre sein Konzert zuvor nicht „pianistisch“ gewesen. Vielleicht meinte er eigentlich „etwas sehr Virtuoses“, Pianistisches jener Art also, das den Saal zum Toben bringt.

 

Das Klappte dann auch. Als dritte Zugabe wählte er Wolfgang Amadé Mozart: den langsamen Satz aus der Sonate KV 330. Er spielte ihn richtig gut: fein herausgefühlt die Licht- und Schattenspiele. Die kleine dissonante Variante wird zum Klangereignis. Wirkungsvoller kann man dieses Andante nicht spielen. Kit Armstrong pflegt einen extrem subjektiven Stil. Bei Mozart passt das. Im Falle der Werke des Barock und der Spätrenaissance, in die er zuvor zwei Chopin-Balladen eingebettet hatte, blieb der Eindruck zwiespältig.

Tempi, Stimmungen und Farben wechseln

Bachs D-Dur-Partita etwa spielt er als Folge romantischer Charakterstücke, voller krasser Kontraste zwischen rabiatem Ausbruch, totaler Verinnerlichung, rasend-nervösen Tonkaskaden, verträumtem Zerfließen. Er gestaltet die einzelnen Sätze kleinteilig, wechselt ständig Tempi, Stimmungen, Farben, permanent schwankend in der Dynamik.

Das wirkt alles schön und einfühlsam, aber es entzieht der Barockmusik doch ihre Lebensenergie, ihren Drive, der sich nun mal eben aus einer gewissen Ordnung, viel Atem und klaren Gedanken nährt. Der mondlichtverträumte, nachtdunkle Zugriff des Romantikers verfremdet sie bis zur Unkenntlichkeit – mögen Barockfans da denken.

Das erinnert an den „Hummelflug“

Das betrifft auch die Werke der englischen Renaissancekomponisten, ursprünglich fürs zarte Virginal geschrieben, jetzt riesig vergrößert auf dem Bechstein-Flügel: William Byrds „The Woods so wild“ etwa oder John Bulls Fantasia d-Moll. Bachs final gespielte chromatische Fantasie nimmt Armstrong dagegen derart quecksilbrig, dass sie ein wenig an den „Hummelflug“ erinnert. Aber klar: In Chopins erster und vierter Balladen fand der Romantiker seine Erfüllung.