Weil beim Stuttgarter Konzert am 5. Dezember zu hohe Gebühren verlangt werden, verkauft die Band Deine Freunde kein Merchandise vor Ort.
Es ist eigentlich eine schöne Erinnerung: ein Band-T-Shirt. Vor allem für die Fans der Band Deine Freunde, die häufig zum ersten Mal ein Konzert besuchen dürften. Die Zielgruppe ist zwischen sechs und zwölf Jahre alt. Ein Kinder-T-Shirt mit den putzigen drei Köpfen drauf, kostet derzeit 25 Euro im Online-Shop der Band. Üblich ist es auch, dass es bei einem Konzert einen Stand gibt, an dem man Merchandise kaufen kann.
Beim Konzert an diesem Freitag, 5. Dezember, in der Porsche-Arena wird es jedoch keine T-Shirts geben. Warum das so ist, klingt für Außenstehende sehr kompliziert. „Wenn wir die Gebühren zahlen müssten, die vor Ort aufgerufen werden, dann müssten wir unsere Shirts für 35 Euro und Hoodies für 55 Euro verkaufen“, sagt Danny Engel, Manager der Band.
Geschäft in der Schleyerhalle und der Porsche-Arena in Stuttgart ist an einen Konzessionär vergeben
Laut ihm müsse die Band 25 Prozent vom Brutto-Umsatz an den Konzessionär bezahlen, dazu kommt noch die Mehrwertsteuer. In der Hallenkombo Schleyerhalle und Porsche-Arena, die von In.Stuttgart betrieben wird, hat man das Geschäft an die Firma Nizzu bereits seit 2015 ausgelagert. Das ist deutschlandweit gang und gäbe. Der sogenannte Konzessionär, ein externer Dienstleister, hat das Recht, Non-Food-Artikel in der Hallte zu verkaufen. Dies unterschreibt man mit dem Mietvertrag.
In Hamburg, ihrer Heimatstadt, haben Deine Freunde ebenfalls auf den Verkauf verzichtet, weil die Konditionen zu schlecht waren. Dort machen sie einen Büroverkauf vor Weihnachten, um die hiesigen Fans zu versorgen. Bei ihrer gesamten Tour aber konnte man sich mit Hallenbetreibern auf fixe Standgebühren einigen, die je nach Größe der Halle variieren. Stuttgarter Fans müssen ihre Fan-Shirts nun wohl im Internet bestellen.
In.Stuttgart teilt mit, dass es gängige Praxis in der Schleyerhalle wie Porsche-Arena ist, mit einem Konzessionär zusammenzuarbeiten. Zur selben Zeit findet in der Schleyerhalle ein Konzert von Luciano statt. Dessen Merchandise-Verkauf wird ebenfalls über Nizzu abgewickelt.
Die Band Parkway Drive hat Ende September ihr Merchandise in Stuttgart im Wizemann feilgeboten
Es ist nicht das erste Mal, dass Bands bei einem Konzert keine T-Shirts verkaufen. Die Band Parkway Drive hat Ende September ihr Merchandise im Wizemann feilgeboten. Schon 2019 sind Fettes Brot auf den Plattenladen Second Hand Records ausgewichen, die Orsons haben im selben Jahr auch anderweitig einen Pop-Up-Store aufgemacht, 2022 hat KIZ ihre Leibchen ein paar Meter weiter in der Carl-Benz-Arena verkauft.
Mittlerweile gibt es einen Zusammenschluss innerhalb des Netzwerks der Popkünstler*innen in Deutschland unter dem Titel „Wem gehört der Merch-Stand?“. Die Initiative möchte einen Überblick über die derzeitige Lage bekommen. Es geht um Merch-Konzessionen bei Konzertveranstaltungen. Dabei verlangen Venuebetreibende oder deren Konzessionäre einen prozentualen Anteil an den Einnahmen aus dem Verkauf von Merchandise-Artikeln (zum Beispiel T-Shirts und Tonträger).
Für viele Bands sind diese Einnahmen jedoch ein wesentlicher Teil ihres Einkommens. Es wird beschrieben, dass diese Konzessionsmodelle ursprünglich für internationale Bands gedacht waren, die lokale Dienstleister benötigen. Für viele in der DACH-Region tourende Bands, die eigenes Merch-Personal und eigene Konzepte einsetzen, bedeutet das aktuelle System jedoch hohe Abgaben und Einschränkungen.