Zwischen leisen Tönen und Wut: Der Berliner Rapper Apsilon zeigt im ausverkauften Wizemann, weshalb er eines der wichtigsten deutschen Rapalben des Jahres veröffentlicht hat.
Apsilon beginnt sein Konzert vor rund 550 Fans mit einem seiner stärksten Lieder. Bei „Koffer“ steht er auf einem Podest auf der Bühne und rappt darüber, wie es sich anfühlt, sich unerwünscht im eigenen Land zu fühlen: „Wenn wieder die Sonne fehlt / Fragen wir uns: ‚Sollen wir gehen?’ / In einen Koffer passt kein Leben / in einen Koffer passt nicht meine Welt“.
Apsilon, der bürgerlich Arda heißt, hat erst vor drei Jahren begonnen, Musik zu veröffentlichen. Er war noch Medizinstudent an der Berliner Charité, als er mit den Songs „Sport“ und „Ich leb“ auf der Bildfläche des deutschen Raps erschienen ist. Seinen Liedern ist die Sozialisation durch Berliner Straßenrap anzuhören. Und doch gehört er einer neuen Generation von Rappern an, die ohne die üblichen Klischees auskommt. In seinen Texten gibt es keine Drogenverherrlichung, keine Misogynie, keine zur Schau gestellte Männlichkeit. Ganz im Gegenteil: Apsilon, 1997 in Berlin-Moabit geboren, zeigt sich verletzlich. Er singt über Selbstzweifel, Emotionen und soziale Ungerechtigkeit.
Eines seiner wichtigsten Themen ist Rassismus. Häufig geht es um seine eigene Migrationsgeschichte. Ardas Großeltern sind in den 70ern als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. „Opa für drei Groschen am Tag malochert / Jeden Monat bis zur Ohnmacht für den Tagelohn, ah / Kohlenstaub geschluckt für euren Nachkriegswohlstand“, rappt er im Wizemann seinen Song „Köfte“, der im Jahr nach dem Anschlag in Hanau rauskam. Seine Lieder sind oft wütend und trotzig, ohne dabei aggressiv zu sein.
Das Energielevel ist an diesem Sonntagabend hoch – auf der Bühne wie auch im Publikum. Apsilon wirkt sympathisch, einmal vergisst er, welches Lied als nächstes kommt und erkundigt sich bei seinem Bruder Arman. Der ist für die Beats zuständig und ebenfalls auf der Bühne. Für die ruhigeren Töne sorgen Lieder wie „Grau“ und „So leicht“. Und vor allem „Baba“, mit dem er dank eines Auftritts in Böhmermanns ZDF Magazin Royale einem größeren Publikum bekannt geworden ist. Er richtet sich im Lied an seinen Vater, der sich gescheut habe, Schwäche zu zeigen und so die eigene Last auf die Schultern des Sohnes übertragen habe – eine liebevolle Anklage. Er spielt alle Lieder seines Debütalbums „Haut wie Pelz“. Als Zugabe gibt es drei Wiederholungen, und selbst danach will das Publikum den Berliner Rapper kaum gehen lassen.