Philipp Poisel beim Konzert in Stuttgart. Die zweite Stimme hat die Sängerin Alin Coen gesungen. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Er ist ein Meister der Gefühle, die er in Songtexte und Musik verpackt. Der aus Ludwigsburg stammende Liedermacher begeisterte am Sonntagabend das Stuttgarter Publikum und legte eine nicht enden wollende Zugabe hin. Konzertkritik und Setlist.

Am Ende tanzt er selbst als gäb’s kein Morgen mehr. Es ist der schnellste und lauteste Song an diesem Sonntagabend. Philipp Poisel legt Breakdance-Moves hin, hüpft, tobt, sogar ein wenig Stroboskop darf nicht fehlen. Damit hat er seine Fans im Hegelsaal nun restlos begeistert und von ihren Stühlen gerissen.

 

Der Abend ist sonst von ruhigen und leisen Tönen geprägt sowie voller Gefühle. Niemand hat etwas anderes erwartet von diesem Song-Poeten. Auf lauten Pomp verzichtet Poisel komplett. Die Bühnendekoration besteht ausschließlich aus einem leuchtenden Quadrat, das das Wort „Neon“ grafisch darstellt, dem Logo seines aktuellen Albums „Neon Acoustic Orchestra“. Sonst dient nur noch das Licht als Dekoration. Es leuchtet je nachdem, was er gerade singt, lila, gelb, golden, weiß oder sonnenuntergangsfarben, wie in „Halt mich“. Es selbst sitzt auf einem Barhocker, neben ihm seine zweite Stimme, die wunderbare Alin Coen, die ihn schon beim „Projekt Seerosenteich“ begleitet hatte. Philipp Poisel braucht keinen künstlichen Pomp, keine schrillen Kostüme, alle sind in schlichtes Weiß gekleidet.

Songs ohne Kitsch

Ein elfköpfiges Orchester mit Violine, Cello, Posaune, Klavier, Saxofon, Schlagzeug, um nur einige zu nennen begleitet ihn, und es scheint, als hätten die Songs schon immer von einem Orchester gespielt werden sollen, das ihnen noch mehr Intensität verleiht. So wie bei „Wie soll das ein Mensch ertragen“. Tiefe Töne des Schlagzeugs simulieren Herzschlag und bei „Ohne es einmal zu wagen / Dir in die Augen zu sehen“, dominieren die Streicher und veranschaulichen musikalisch den Schmerz, der in diesen Zeilen steckt. Auch bei diesem Konzert steht die Liebe bei Philipp Poisel wieder im Vordergrund. In seinen Songs geht um glückliche und unglückliche oder hoffnungsvolle Liebe, um melancholische oder glückselig Momente, an denen die Liebe schuld ist.

Poisels Kunst dabei ist, dass er ohne Kitsch und Zuckerguss auskommt. So singt er an diesem Abend trotz Orchester auch immer wieder nahezu ohne musikalische Unterstützung, wie bei „Erkläre mir die Liebe“; nur von einer Gitarre begleitet.

Leise Songs zum Schluss

Und sein Publikum liebt ihn, für diese stille musikalische Größe. Am besten zeigen sie ihm das mit ihrer Textsicherheit, wenn sie das Singen übernehmen. In „Ich will nur“ spielt der 41-Jährige gemeinsam mit seinem Pianisten, als das Publikum einsetzt.

Immer wieder bekommt er Standing Ovations für die er sich mehrfach bedankt. „Der beste Grund in Stuttgart zu sein seid ihr“, ruft der Musiker. Als er nach über zwei Stunden seine erste Zugabe gibt „Als gäb’s kein Morgen mehr“, es ist sichtlich ein Song, auf den die Fans gewartet hatten, dichtet er die Zeile „Damals im Zirkus“ um und singt „Damals in Stuttgart“. Als das Orchester immer lauter wird, singen auch die Fans immer lauter mit und der Song scheint immer wieder von vorne anzufangen. Mit wieder leisen, sehr leisen Tönen geht der Abend im ausverkauften Hegelsaal zu Ende. „Alles an dir glänzt“ und „Liebe meines Lebens“, „Ich und du“, singen rund 2000 Zuschauerinnen und Zuschauer nochmal mit und Philipp Poisel verlässt leise und unaufgeregt die Bühne. Ganz in seinem Stil.

•Wunder

•10 Gründe

•Wie viele Sommer

•Das Glück der anderen Leute

•Alt und Grau

•Benzin

•Halt mich

•Wie soll ein Mensch das ertragen

•Bis nach Toulouse

•Erkläre mir die Liebe

•Im Garten von Gettis

•Sag mir was von uns bleibt

•Keiner kann sagen

•Immer wenn einer

•Zu weit

•Mit jedem deiner Fehler

•Durch die Nacht

•Ich will nur

•Als gäb’s kein Morgen mehr

•Alles an dir glänzt

•Liebe meines Lebens

•Ich und du