Auf ein Bier mit Sabaton: die schwedische Power-Metal-Band hat in der Schleyerhalle Schlachten auferstehen lassen und sich als ausgesprochen trinkfest erwiesen.
Bomben fallen zur Erde, grünes Gas quillt über den Boden, die Kamera fährt durch Schützengräben, Fackeln leuchten im Dunkeln. Die Bühne der Hanns-Martin-Schleyer-Halle ist am Montagabend eine Burg. Tempelritter gehen dort um, Heerscharen streiten sich, Schlachten werden geschlagen. Und doch sagt eine Stimme: „This is not a Battlefield. It is a Heavy Metal Show!“
Zu Gast sind Sabaton, die Band, die sich darauf spezialisiert hat, Kriege, Kämpfe, Militärhistorie als spektakuläre Metal-Shows zu inszenieren. Die Halle ist mit rund 12 000 Besuchern nahezu ausverkauft. „People of Stuttgart, prepare yourself!“, raunt die Stimme. „Bewohner Stuttgarts, macht euch auf etwas gefasst!“ Später wird Joakim Brodén, Sänger von Sabaton, zufrieden hinausblicken auf das Heer, das sich vor der Bühne versammelt hat: „My Stuttgart Legion!“
Bombastisches Pathos und bärbeißiger Humor
Ist das Verherrlichung von Krieg, Gewalt? Der Vorwurf steht natürlich längst im Raum. Sabaton entgegnen ihm, sie wollten nur erzählen, von Dingen, die sich zutrugen. Dem ließe sich entgegenhalten, dass eine objektive Darstellung historischer Begebenheiten auf bombastisches Pathos eher verzichten würde. Bei Sabatons Show ist allerdings kaum zu übersehen, dass die Band auch mit reichlich bärbeißigem Humor zu Gange ist.
Das Bilderrepertoire von Krieg, Verwüstung, von Männern, die den Tod nicht scheuen, in allen Jahrhunderten der Menschheitsgeschichte, wird von ihr bewusst ausgeschlachtet. Denn so sehr Sabaton auf Überwältigung setzen, Chöre, hallende Gitarrenwände, Gitarrensoli wie Blitzeinschläge und martialischen Gesang vor ihren Fans aufrichten – die Musik trägt das Konzert nur im Zusammenspiel mit dem Szenario. Sabaton spielen einen hochpolierten, sehr laut abgemischten Power-Metal, dessen Versatzstücke auf die Dauer doch etwas einförmig wirkten. Aber sie zeigen enormes Gespür für Showeffekte.
Spektakuläre Pyroeinsätze
Zwanzig Jahre, erzählt Joakim Brodén, seien vergangen, seit Sabaton zum ersten Mal in Stuttgart spielten. Damals, sagt er, sei die Band verspottet worden, habe keiner ihr zugetraut, groß herauszukommen. Nun ist sie da, mit einem eigens gegründeten Orchester im Rücken, mit Chor, mit spektakulären Pyroeinsätzen, mit Flammen, die bei jedem Song emporschießen, gleißenden Funken, die mit einem Riesenknall zur Decke springen. Drachen schnauben, Hexen kichern im Dunkeln, zwei Schlagzeuger hämmern zwischen Elektrobeats auf große Trommeln ein, während Hannes van Dahl, Sabatons eigentlicher Drummer, weit oben über in Stein gemeißelten Fäusten sitzt.
Donnernder Weihnachtsgruß
„Legends“ heißt das jüngste Album. Vor allem die erste Hälfte des Konzertes schöpft aus ihm, erzählt Geschichten von Dschingis Khan, Caesar, Napoleon. Diese drei treten auf, von Schauspielern dargestellt, zanken sich ein wenig um ihren Rang in der Geschichte – „Glaub bloß nicht, dass du die einzige Legende bist, hier heute Abend!“ – „Blute mal lieber nicht die Bühne voll!“ - „Tiny Frenchman! Waterloo war deine größte Schlacht!“ Sabaton kommen aus Schweden, aber ABBA covern sie dankbarer Weise nicht.
Später allerdings, als Sabaton längst einen donnernden Weihnachtsgruß in die Schleyer-Halle geschickt und begonnen haben, ihre eigene Geschichte abzuarbeiten mit Titeln wie „Primo Victoria“, beginnt der Gitarrist Thorbjörn Englund plötzlich, „La Bamba“ zu spielen, die Stimmung wird geradezu fröhlich.
Legenden aus Bier
Und Sabaton zeigen sich auch in Stuttgart äußerst trinkfest. Sie werden begleitet von einem Crewmitglied, dem die ehrenvolle Aufgabe zukommt, sie zu versorgen, als „Alkohol Technician“ – ein Becher nach dem anderen wird geleert, in einem Zuge, von den Musikern. „Noch ein Bier! Noch ein Bier!“ ist der Schlachtruf der zumeist männlichen Zuschauerarmee in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. „Sometimes“, sagt Thorbjörn Englund und zwinkert vermutlich, „Legends are not written in Blood, but in Beer.“