Das Gitarren-Duo entlockt den Instrumenten Tonfolgen, die glauben lassen, dass hier mehr als zehn Finger am Werke sind. Kritik vom Konzert in der Liederhalle.
Kaum ein Getränk ist so vielfältig wie Kaffee. Ob als Espresso oder Flat White, als Cold Brew oder Cappuccino, die Zahl der Variationen ist immens. Mit Blick auf die ganze Welt gilt das noch mehr. Kaffee gibt es in Vietnam mit Ei, in Kuba mit karamellisiertem Zuckerschaum. Da ist es schon irgendwie passend, dass sich Jan Pascal und Alexander Kilian den Namen Café del Mundo gegeben haben, Kaffee der Welt. Das Repertoire der beiden Gitarren-Virtuosen ist so vielfältig wie das Getränk – mindestens.
Bei Lang Lang im Vorprogramm
Von ACDC bis zu Hans Zimmer, Flamenco natürlich, viel Flamenco, Ennio Morricone oder Ludovico Einaudi, am Mittwochabend haben die beiden Männer ihr Repertoire im Beethoven-Saal in der Liederhalle zum Besten gebracht. Es ist ein Stück weit Guitar is coming home gewesen: Alexander Kilian hat einst in Stuttgart das Gitarrenspiel perfektioniert, als Student selbst viele Konzerte in der Halle erlebt. Und dann, vor 13 Jahren hatten die beiden Männer aus Würzburg und Bad Mergentheim ihren ersten Auftritt auf einer großen Bühne, in Stuttgart, bei den Jazz Open, im Vorprogramm von Lang Lang.
Seitdem gab es rund 1500 Konzerte, durchaus die harte Tour. Vor noch gar nicht so langer Zeit hießen die Auftrittsorte Gauting, Nagold oder Bürgerzentrum Oberschleißheim. Inzwischen haben die beiden Freunde die nächste Stufe erreicht. Wer sie spielen hört, weiß warum. Es lässt sich erahnen, dass auch der Beethoven-Saal mit seinen 2100 Plätzen noch nicht das Ende sein muss. Man fragt sich manchmal unwillkürlich, ob die beiden wirklich auch nur zehn Finger haben, und wie es möglich ist, den Instrumenten diese Tonfolgen in diesem Tempo zu entlocken.
In der Liederhalle hatte Café del Mundo die Neue Philharmonie Frankfurt mit auf der Bühne, ein Orchester mit Harfe und Horn, Triangel und Trompete, rund zwei Dutzend Musiker. Das war eine Kombination mit Licht und Schatten. Beim Titelsong aus dem Film Forest Gump haben die Gitarren durch das Orchester Halt bekommen, bei anderen Stücken geriet die Untermalung zu dick. Die Höhepunkte eines überaus kurzweiligen Abends waren denn auch dann, wenn Jan Pascal und Alexander Kilian alleine zu hören waren. Bei „With or without you“ von U2 zum Beispiel. Da scheint es gerade so, als würden die beiden Gitarren miteinander reden, ganz ohne Gesang. Oder wenn die beiden einfach gittaresk miteinander blödeln. Ein Genuss.
Anekdoten zwischen den Liedern
Apropos Blödeln: Es gehört zum Konzept – und wird von den Fans mit freudigem Lachen honoriert – dass zwischen den Liedern ein paar Anekdoten zum Besten gegeben werden, über die Dusche in der Honeymoon-Suite im Hotel oder die Erfindung des „vegetarischen Techno“. Und es ist ein Höhepunkt, wenn praktisch die ganze Halle zu „Viva la vida“ von Coldplay steht, und singt. Ohohohooooho.
Sie hätten, sagt Jan Pascal, eigentlich noch nie miteinander gestritten. Ob das stimmt, wissen nur die beiden Musiker selbst. Dass es stimmt, und dass das Duo noch viele weitere Konzerte geben wird, das hofft ein nicht ganz voll besetzter Beethovensaal.