Olli Schulz feierte am Freitag auf der Freilichtbühne Killesberg sein Tourfinale, erzählte Anekdoten und spielte romantisch schönen Indie-Pop. Es ging zwar gesittet zu, er bat uns trotzdem darum, der Konzertbesprechung diese Überschrift zu geben.
Stuttgart - Die Freilichtbühne ist wirksam in Szene gesetzt. Der von Bäumen gesäumte Bühnenhintergrund erstrahlt Rot, Lila oder Blau. Olli Schulz kommt mit vierköpfiger Band auf die Bühne und startet rasch. Es ist das letzte Konzert seiner viermonatigen Tour. Erschöpft sei er, sagt der Singer-Songwriter. Und in manchen Momenten merkt man es ihm an, dann ist er fahrig, kommt beim Reden durcheinander. Für einen Olli Schulz erscheint alles etwas schleppend. Wer zuletzt „Fest & Flauschig“ gehört hat, den Podcast, den er mit Jan Böhmermann auf Spotify betreibt, konnte sich bereits in die derzeitige Gemütswelt des medialen Tausendsassas, oder „Wandlers zwischen den Welten“, wie er sich selbst hier nennt, hineindenken.
Scheiß Leben, gut erzählt
Sein Publikum, das sich über die nicht ganz vollen Reihen der Arena verteilt hat, lässt er dennoch voll auf seine Kosten kommen. Ganz nach dem Motto seines zuletzt erschienenen Albums „Scheiß Leben, gut erzählt“ (2018) ist die Show eine Mischung aus spitzen humoristischen Anekdoten aus dem Leben des Olli Schulz und romantisch schönem Indie-Pop. Sein erstes Konzert in Stuttgart war damals in der Röhre, später folgte das Longhorn. Und manchmal sagt der melancholische Künstler dann Dinge wie, „Das Leben ist ein Witz, was man auch so betrachten sollte“.
Olli Schulz wünscht sich eine Überschrift
Aus seinem musikalischen Repertoire hat er etwa „Schrecklich schöne Welt“, „Ich dachte, du bist es“, oder „Sie ist gerade in so ner Phase“ dabei. Aus meditativen Zwecken fordert er sein Publikum auf, gemeinsam „kiiiii“ zu singen. Es entsteht ein hoher Gleichklang, der über die Arena schallt. „Wenn das jetzt jemand hört, fragt er sich sicher, was machen die denn da? ‚Sexparty mit Olli Schulz auf dem Killesberg‘, steht dann morgen in der Zeitung“, das würde er sich wünschen. Und so soll es sein.
Ab der zweiten Hälfte des gut zweistündigen Konzerts wird die Musik schließlich tanzbar. Die Konzertgäste gehen mit. Und ein mögliches Fazit des Abends wäre, ganz im Sprech des Künstlers: „Am Anfang etwas mau und am Ende waren alle nackt“.