Entertainer Mario Barth füllte am Freitagabend die Schleyerhalle. Foto: LICHTGUT

10.000 Fans feiern am Freitagabend den „erfolgreichsten Entertainer der Welt“. Mario Barth dreht auf mit Sprüchen über Gleichberechtigung – und gibt pädagogische Ratschläge.

Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. Bevor der „King of Comedy“, der „erfolgreichste Entertainer der Welt“ aus der Kulisse der – kennste, kennste, kennste? – Oberbaumbrücke springt, müssen in einem Filmeinspieler am Freitagabend erst einmal die Superlative abgearbeitet werden: elf Mal Deutscher Comedypreis, drei Weltrekorde, einer davon mit 70.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion.

 
Entertainer Mario Barth in der Schleyerhalle. Foto: LICHTGUT

Dazu „die größten Stars der Welt in seiner TV-Show“, womit wohl nicht sein Steuerverschwendungs-Format „Mario Barth deckt auf“ gemeint ist. Dann heißt es für die 10.000 Fans in der ausverkauften Schleyerhalle endlich: „Begrüßen Sie den Mann, der das sagt, was viele leider nur denken.“

„Männer sind nichts – ohne die Frauen“

Später setzt Mario Barth noch einen drauf, indem er sagt, „man darf ja nicht mal mehr sagen, dass man das nicht mehr sagen darf.“ Schon vorher ist klar: „Ich gender nicht“, was es im Foyer auch als T-Shirt-Spruch gibt. Auf der Bühne aber trägt der Komiker in Giftgrün „Männer sind nichts“ auf der Brust, und auf dem Rücken „ohne die Frauen“, so der vollständige Titel seines neunten Programms. Um was es also geht? Dass Männer bei allem Gleichberechtigungsgerede immer noch diskriminiert werden, etwa in der Wick-Medinait-Werbung, in der Erwachsene wimmern „Schatz, ruf meine Mutti an“.

Gendern, Thermomix und Drohnenmamas

Aber natürlich dreht es sich mehr um die Freundin, die nun endlich auch einen Thermomix haben will, weil man für 1500 Euro sogar Kartoffelpüree und Milchreis damit machen kann. Und um Mario Barths inzwischen acht Patenkinder. Eines der Jüngeren besucht er auf dem Fußballplatz mit vier Toren ohne Torwart, weil es heutzutage eben nicht mehr um Gewinnen oder Verlieren geht und auch keine Bundesjugendspiele mehr gibt. Eines der Älteren darf mit 14 mit ihm in den Urlaub, ohne die Drohnenmama, die täglich anruft: „Isster, isster, isster?“ Und „trinkter auch genug“ und schläft er durch? Ja, aber nicht alleine.

Melancholische Lacher trotz Rückwärtsgewandtheit

Bei aller Rückwärtsgewandtheit gibt es also viel zu lachen über früher, als die Jugend noch Freunde statt Smartphones hatte, als man sich im Festnetz verabredete und keiner die Frage stellte, „wo bist du gerade“, weil er als Antwort nur „auf dem Flur, du Vollidiot“ gehört hätte. Aber auch Sex im Alter scheint Mario Barth zu beschäftigen – der Mann ist 52! Wenn er einmal im Monat dann doch nochmal Vollgas geben will, endet der Akt unter der Dusche halt in der Unfallklinik. Und wenn ihn die Freundin zum Urologen schickt, wird daraus eine ausufernde Geschichte über Spermaproben.

Sex-Anekdoten und pädagogische Ratschläge

Ja, ganz jugendfrei ist die Show nicht, wenngleich es für die Kinder im Publikum nicht nur Honeybären und Konfitüre aus dem Mario-Barth-Shop, sondern auch pädagogische Ratschläge mit auf den Heimweg gibt, die sie so von ihren Eltern wohl kaum bekommen würden.

Und weil in jedem noch so harten Kerl auch ein Romantiker steckt, macht die begeisterte Menge zum Abschied auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Herrn ein Handy-Lichtermeer. „Das ist Stuttgart“, ruft Mario Barth im Reel auf Instagram – aber bei „25 Jahre live“ am 9. Mai 2026 auf der Berliner Waldbühne sieht das bestimmt noch viel, ähm, geiler aus.