Fools Garden stand bei „Kultur in der Provinz“ als Trio auf der Bühne. Foto: Werner Kuhnle

Die Band Fools Garden hat am Samstag in Erdmannhausen (Kreis Ludwigsburg) gespielt. Dabei zeigten die Musiker, wie sie sich seit ihrem Hit aus dem Jahr 1995 weiterentwickelt haben.

Es war für alle eine ausgesprochene Win-win-Situation: für die Gemeinde Erdmannhausen, die unter dem Label „Kultur in der Provinz“ in der St.-Martinus-Kirche ein volles Haus vorfand, das sich am Samstagabend in eine stimmungsvolle Konzert-Location verwandelt hatte. Für das Publikum, das ein Hautnah-Konzert der Sonderklasse erleben durfte. Für den Erdmannhäuser Ian-Key-Bandleader Jo Kieferle, dem es gelungen war, die Band Fools Garden nach Erdmannhausen zu locken. Und nicht zuletzt für den Pop-Giganten selbst.

 

Fools Garden war nämlich sehr beeindruckt von dem „echt geilen Publikum, von dem ich mich gerade geflasht fühle“, wie es Frontmann Peter Freudenthaler ausdrückte. „Ihr könnt richtig gut zuhören, gebt tollen Applaus und bis jetzt hat immer noch keiner den Song ‚Lemon Tree’ lautstark eingefordert. Das ist wirklich etwas Besonderes.“

Dass Fools Garden nämlich weitaus mehr kann als ihren Hit „Lemon Tree“ aus dem Jahr 1995, das wussten die vielen Besucher vermutlich im Vorhinein. Welch hinreißendes Spektakel Peter Freudenthaler, Volker Hinkel (Gitarre und Keys) und Thorsten Kiefer (Gitarre) in Verbindung mit dem kongenialen Publikum aber ermöglichten, das war so nicht vorauszusehen. Doch der Reihe nach.

Die „Local Heroes“ eröffnen den Abend

Vorband des Abends war die ortsansässige Ian Key Band. Die „Local Heroes“ schufen mit ihren handgemachten Songs im Handumdrehen eine dichte Atmosphäre der Verbundenheit. Mit schwäbischem Understatement begrüßte Jo Kieferle die „netten Leute“ vor ihm, die „uns nach zehn Jahren immer noch anhören möchten“. Das fiel bei Weitem nicht schwer. Denn die vier von Ian Key – neben Kieferle sind dies Andrea Eichhorn (Gesang und Keyboard), Bassist Klaus Muth und Trajko Krstev (Drums) – zelebrieren eine ins Ohr gehende Mischung aus Pop, Folk und Rock, die vielfach zum Mitklatschen einlädt.

Dabei heult die von Kieferle entwickelte Hybrian – ein Instrument, das zu jeweils 100 Prozent als E-Gitarre und Akustikgitarre ertönen kann – gern mal richtig herzhaft auf. Oder sie zeigt weiche, sinnliche Akzente, je nach Charakter des Songs. Die powervollen Riffs und Soli machen gleichermaßen Freude wie etwa die gehaltvolle Stimme Eichhorns, die Kieferles markigen Gesang unterstreicht, dabei aber eigene Akzente setzt.

Statements zur Gesellschaft und der Welt

Mit wahrem Gänsehautfeeling startet die Band Fools Garden schließlich in ihr Konzert. Sphärisch muteten die beiden Soft-Songs „An endless Sea“ und „Fireflies“ an und zeigten auf Anhieb, in welche Richtung sich die Gruppe nach 33 Jahren entwickelt hat. Das Erfolgsalbum „Dish of the Day“ mit „Lemon Tree“ darauf feiert aktuell sein 30-Jahr-Jubiläum. Peter Freudenthaler, der sich zudem als Moderationstalent entpuppt und – gesundheitlich zwar angeschlagen – als nahbarer Typ zeigt, hat großen Anteil an der sich kometenhaft entwickelnden warmherzigen Atmosphäre, die den Raum beherrscht.

Bei ihrem Auftritt kommen die Bandmitglieder ohne Hampeleien oder gedrechselte Effekte aus. Sie spielen mit verinnerlichter Haltung Liebeslieder und Balladen und mit Esprit und Pfiff die schwungvollen Titel, die Thorsten Kiefer an der Gitarre schon mal zum Abheben verleiten: „Da ist es mit ihm durchgegangen.“ Fools Garden stehen an dem Abend lediglich zu dritt auf der Bühne, zusammen mit einem Akustik-Elektro-Set, das Volker Hinkel lustvoll und mit geradezu kindlicher Freude bespielt.

Hinkel wird von Freudenthaler augenzwinkernd als „musikalischer Lebensabschnittspartner“ betitelt: Die beiden kennen sich seit dem Studium vor 34 Jahren und inspirieren sich gegenseitig. Ein echter Rhythmus-Kracher ist etwa „Outta Love“, bei dem das Publikum kräftig mitgeht. Immer wieder aber fällt Peter Freudenthaler auch durch feinsinnige, berührende Statements auf, mit denen er sich Gedanken um Gesellschaft und die Welt macht. Das Publikum wiederum zeigt abschließend mit frenetischem Beifall, was es von dem Auftritt mitnimmt: pure Begeisterung und emotionale Berührung.