Helge Burggrabe (links) und Christof Fankhauser nahmen die Zuschauer in der Ehninger Kirche Foto: /Stefanie Schlecht

Seit drei Jahrzehnten steht Flötist Helge Burggrabe auf den Bühnen der Welt. Gemeinsam mit seinem Musikerkollegen Christof Fankhauser feierte er sein Jubiläum in der voll besetzten Ehninger Kirche mit einem Konzert.

Als Helge Burggrabe im Schüleralter mit der B-Jugend des Aidlinger Fußballvereins des Öfteren in Ehningen spielte, hat er fast immer verloren. Zum Glück entschied er sich für eine gänzlich andere Karriere: Er wurde Musiker und Komponist. Eine Berufswahl, die ihm jetzt ermöglichte, in Ehninen erfolgreich zu spielen. Anlass für dieses vom Publikum gefeierte Konzert in der Martinskriche war sein 30-jähriges Bühnenjubiläum.

 

Burggrabes Auftritts-Portfolio kann sich sehenlassen. Er spielte in der Region bereits im Schloss Deufringen, in der Liederhalle Stuttgart und auf anderen renommierten Bühnen. Nach Ehningen brachte er nicht nur eine beachtliche Sammlung unterschiedlicher Blockflöten mit, sondern auch seinen langjährigen Musikpartner Christof Fankhauser, einen gebürtigen Schweizer. Daher hatten sie dieses Jubiläumskonzert bereits vorher im Schweizer Heimatort von Fankhauser – Hutwil – realisiert. Burggrabe spielte von der Sopran- bis zur Bassblockflöte alle denkbaren Varianten durch. Sein Partner begleitete ihn auf dem E-Piano, an der Gitarre und mit einer Melodika.

Emotionale Klänge voller Wärme

Die beiden Musiker boten dem Publikum nicht nur musikalische Impressionen, sondern sie zeigten auch Fotos von Konzerten, Plakaten und ein Video von Erfolgsstationen aus den letzten drei Jahrzehnten. Ihre Musik hat stets einen improvisierenden, manchmal kontemplativen Charakter. Sie spricht vor allem die Emotionalität an und verfügt häufig über einen programmatischen Charakter. Wie etwa das Stück „Wüstensonne“, das viel Wärme ausstrahlt, orientalische Klangfarben enthält und dem Fankhauser auf der Trommel exotische Rhythmen verleiht.

„30 Jahre Musikerleben wollen wir nicht mit 30 Kompositionen feiern, das wäre zu lang und so spielen wir beiden Musiker zusammen 15 Stücke, das ergibt auch 30“, sagt Fankhauser. Nicht mitgerechnet die beiden Zugaben. Unnachahmlich sind auch die mäandernden Klänge in dem Stück „Kathedrale“, die die Weite des Raums und die meditative Ruhe beschwören. Eine große Rolle spielt das Album „Rose“, das in ganz verschiedenen Assoziationsketten poetisch klingende Bilder beschreibt. Besonders originell war dabei auch ein Auftritt in der Modeschule in Rosenfeld,wo die Rose als Inspirationsquelle für die dort entworfenen Kostüme genommen wurde.

Musik will erzählen

Ferner berichteten beide auch von einem ganz besonderen Projekt, das in der belgischen Hauptstadt Brüssel seine Premiere feierte. Die Komposition „Community“ integrierte rund 50 Jugendliche aus Brüssel-Molenbeek; sie haben in einer bewegenden Aufführung im Königlich-Flämischen Stadttheater das Musikwerk auf die Bühne gebracht. Das gezeigte Video sprach aber nicht nur für das soziale Engagement, sondern auch für die emotional kommunikative Komposition der Musiker. Großen Eindruck hinterließen auch die Ausschnitte aus der Komposition „Kinderplanet“, das mehr als 50 mal aufgeführt wurde: Es enthält eindrucksvolle Stücke wie die „Sonnenflechterin“ oder die „Angsthasen.“ Sie überzeugten durch klangliche Farbigkeit und subtile tänzerische Rhythmen. „Musik will erzählen und Bilder hervorrufen“, sagt Burggrabe.

Vielseitige Projekte

Die beiden Musiker engagieren sich musikalisch auch für mehr Menschlichkeit. So hatte kürzlich Burggrabes Komposition “Human“ in der Berliner Philharmonie Premiere. Schauspielerin Julia Jentsch zitierte dazu politische Texte. Am Sonntag hatte auch eine weitere Komposition von Burggrabe im Berner Münster Premiere: die Musik-Text-Collage „Cato“ die dem Leben der Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek gewidmet ist. Van Beek wurde 1943 von den Nazis enthauptet. Original-Texte aus Briefen wurden ergänzt durch ausdrucksstarke Vokalmusik. Cato Bontjes van Beek wuchs in dem norddeutschen Künstlerdorf Fischerhude auf, dem heutigen Wohnort von Burggrabe.