Helloween, das deutsche Urgestein des Power-Metal, hat am Samstagabend die vierzigjährige Bandgeschichte in der ausverkauften Schleyer-Halle Revue passieren lassen.
Kürbisköpfe auf Zeitreise Helloween, das deutsche Urgestein des Power-Metal, hat am Samstagabend die vierzigjährige Bandgeschichte in der ausverkauften Schleyer-Halle Revue passieren lassen. Kathrin Horster „Welcome, you Pumpkinheads of Germany!“ knarzt ein gesichtsloser Mönch aus seiner Kutte von der LED-Leinwand, die sich am Samstagabend über die komplette Bühnenbreite in der Schleyerhalle spannt. Über vierzig Jahre seien diese Pumpkinheads, wie die Fans der deutschen Power-Metalband Helloween liebevoll genannt werden, ihren Idolen treu geblieben, raunt die künstlich generierte Mönchsfigur. Ein Grund zu feiern!
Das sehen die Fans in der ausverkauften Halle genauso. Als Andi Deris abfragen will, aus welchen Städten die Leute nach Stuttgart angereist sind, wird klar, dass viele einen weiten Weg auf sich genommen haben, um die letzte Station der 40 Years Anniversary-Tour mitzuerleben.
Helloween besinnen sich zurück auf unbeschwerte Zeiten
1985 in Hamburg gegründet, hat Helloween eine von Erfolgen, aber auch harten Schlägen gezeichnete Karriere hingelegt. Wie einflussreich die Band mit ihrem wuchtig dramatischen Sound über die Dekaden geblieben ist, zeigt sich an der Begeisterung des Publikums, das geduldig die lange Umbauzeit nach dem Auftritt der finnischen Metaller von Beast in Black in fast penibel geordneten Reihen abgewartet hat, ehe Helloween mit bombastischen Videoeinspielern um Viertel vor neun ihre Show eröffnen.
AI – künstliche Intelligenz – sei etwas Schönes, sagt Sänger Michael Kiske, man könne damit tolle Fantasy- und Science-Fiction-Welten erschaffen. Zuvor hatten seine Kollegen zum Song „This is Tokyo“ mit einer gruseligen High-Tech-Skyline im Rücken auf ihre Gitarren eingedroschen. Wenn es um Songtexte und Konzertkritiken geht, hört für Kiske der Spaß mit AI aber auf. Abgesehen von der beeindruckenden Licht- und Videoshow ist der Auftritt von Helloween rührend altmodisch, eine Rückbesinnung auf die nicht immer unbeschwerte Vergangenheit, inklusive herbem Rechtsstreit mit der ersten Plattenfirma Noise Records, dem Suizid des Drummers Ingo Schwichtenberg 1995 und einem Erfolgsknick mit dem Album „Chameleon“.
Heute reißt der melodiöse, von Daniel Löbles Schlagzeugspiel knüppelhart unterfütterte Metal die Massen wieder mit, auch wenn die Leute in der Schleyer-Halle trotz starker Stücke wie „Universe“ erstaunlich ruhig bleiben. Vor allem im ersten Block vor der Bühne recken sich rhythmisch in die Luft stoßende Fäuste Sänger Andi Deris entgegen. Ein intensiver Dialog zwischen Band und Publikum entsteht während eines minutenlangen Drum-Solos von Daniel Löble, als der sogar ein paar Walzer-Takte hämmert. Intime Momente zaubern Kiske und Deris, als sich die restlichen Bandmitglieder für einige Minuten von der Bühne stehlen.
„Wir haben ein paar starke Raucher in der Band,“ erklärt Deris, „die haben uns gebeten, dreißig Minuten lang Simon-und-Garfunkel-Songs zu spielen“. Stattdessen gibt es ein bisschen Elvis Presley auf der Akustikgitarre und „Yesterday“ von den Beatles. Die Menge singt selig mit. Kai Hansen an seiner knallroten Gitarre und Daniel Löble an den Drums mischen die Menge noch einmal mit „Heavy Metal is the Law“ auf. Markus Grosskopf steuert eine erstaunlich groovige Basslinie zum sonst prototypischen Metalsound bei, ein witziger Moment.
Zum Stück „Halloween“ ziehen ein paar Geistersilhouetten über eine Nachtszene mit riesigem Honigmond auf der Leinwand vorüber. Andi Deris und Michael Kiske singen zweistimmig, in extrem hoher Lage mit dickem Vibrato, eine Gitarre jammert zur Unterstützung. Kai Hansen gniedelt minutenlang mit Gitarrenkollege Michael Weikath um die Wette, während Daniel Löble den extrem schnellen Herzschlag des Songs knüppelt. Nach starken zweieinhalb Stunden ist der Helloween-Spuk vorbei.
Die Setlist vom Helloween-Konzert in Stuttgart
- Intro: Let me entertain you (Robbie Williams)
- March of Time
- King for 1000 Years
- Future World
- This is Tokyo
- We Burn
- Twilight of the Gods
- Ride the Sky
- Into the Sun
- Hey Lord!
- Universe
- Hell was made in Heaven
- Drum Solo
- I want out
- In the Middle of a Heartbeat
- A Tale that wasn’t right
- Heavy Metal is the Law
- Halloween
- Invitation
- Eagle fly free
- Power Dr. Stein
- Keeper of the Seven Keys