Im Römerkastell in Bad Cannstatt begeistert der Berliner Musiker das Publikum – und präsentiert sein neues Lied mit dem Titel „Die Welt steht auf Pause“.
Stuttgart - Adel Tawil hat ein neues Lied geschrieben, er singt es zum allerersten Mal vor Publikum, am Dienstagabend, im Römerkastell in Bad Cannstatt. „Die Welt steht auf Pause“ – so heißt es. Könnte Corona gemeint sein, die Pandemie, der Lockdown? „Wir sind viel zu lang schon viel zu weit entfernt“, singt Adel Tawil. Dann der Refrain: „Deine Lippen kommen näher, und die Welt steht auf Pause.“ Was den Erdenlauf stocken lässt, das ist die Nähe, wiedergefunden oder nur erträumt, denn im Römerkastell sitzt man noch immer auf Abstand, trägt man noch immer die Maske.
Adel Tawil wurde eingeladen vom Radiosender Antenne 1, zum zweiten einer Reihe so genannter Privatkonzerte. Das erste fand statt am 14. Juli, zu Gast war der Songwriter Joris, er trat auf vor 200 Zuhörern auf der Filstalbrücke. Bei Adel Tawil ist das Publikum größer, 250 Menschen erleben, wie der Berliner Musiker mit ägyptischen und tunesischen Wurzeln sich in die Begeisterung, in die Präsenz zurücksingt. Rund 80 Minuten dauert sein Konzert – schon als Tawil die Bühne betritt wirkt er gelöst und euphorisch, von Song zu Song steigert sich das.
Hymne auf die Multikulturalität
Begleitet wird er von einer siebenköpfigen Band, die seinen optimistischen deutschen Power-Pop gekonnt in Szene setzt – da gibt es Background-Gesang und Gitarrensoli; bei „Vom selben Stern“, dem Top-Hit, den Adel Tawil vor 14 Jahren im Duo mit Annette Humpe hatte, mischt sich stimmungsvoll die Mundharmonika ein, und bei „Eine Welt, eine Heimat“, Tawils Hymne auf die Multikulturalität, singen viele Sprachen mit.
Elf Jahre sind vergangen, seitdem Adel Tawil und Annette Humpe Ich+Ich, ihr gemeinsames Projekt, in eine große Pause schickten, drei Solo-Alben hat Tawil seither veröffentlicht. Im Juni 2019 erschien „Alles lebt“; die Tour zum Album führte den Sänger noch im Januar 2020 in die Porsche-Arena, ehe sie von der Pandemie beendet wurde. Auch 2021 nun wurden weitere Konzerte bereits ins kommende Jahr verschoben – eine traurige und tröstende Mitteilung, die Tawil seinen Fans macht: Ihr Konzert ist ein ganz exklusives Ereignis.
Der Sänger mit der sanften Stimme
Spenden für die Opfer der Flutkatastrophe im Rheinland werden an diesem Abend gesammelt und jeder, der dabei ist, hat den Eintritt zum Privatkonzert gewonnen. Isabella und Jasmin aus Kirchheim/Teck, neun und elf Jahre alt und große Fans, sind die glücklichsten unter ihnen: Sie durften den Star noch vor seinem Auftritt persönlich treffen. Adel Tawil würde sie später gerne auf die Bühne holen – aber er weiß, dass dies die Corona-Vorschriften nicht gestatten.
Der Sänger mit der sanften Stimme und der positiven Ausstrahlung ist keiner, der gegen solche Bestimmungen rebellieren würde – oder vielleicht doch, ein klein wenig, denn eine zweite Zugabe gestattet er sich schließlich. Er ist glücklich, wieder da zu sein - „Wir brauchen euch so wir ihr uns“, das ruft er seinen Fans zu. „So ist es!“ Vor einem Publikum zu singen, das ist für Adel Tawil fast dasselbe wie Fahrradfahren: „Man verlernt es nicht!“ Bald schon gehen die Hände vor der Bühne in die Höhe, viele Stimmen singen mit. Und Adel Tawil, in bunter Jacke, mit strahlendem Gesicht, tanzt über die Bühne.