Das Punkrap-Trio Antilopen Gang hat seinen Fans am Mittwoch in Stuttgart die Chance gegeben, die Ehre der Stadt zu retten. Bilder, Setlist und Kritik vom Konzert im ausverkauften Wizemann.
Wer Komplimente mag, ist bei Danger Dan falsch. „Alle halten euch für Lappen, Stuttgart!“, behauptet er, als ihn Koljah und Panik Panzer, der Rest der Antilopen Gang, gerade mal auf der Bühne des ausverkauften Wizemann allein gelassen haben. Auf Berlin könnten sich alle einigen. Vielleicht auch auf Leipzig: „Doch keiner, der nicht selbst aus Stuttgart kommt, sagt: Ich finde Stuttgart cool.“
Aber Danger Dan wäre nicht Danger Dan, wenn er den 1300 Menschen im Publikum nicht die Chance geben würde, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Und er verspricht, dass er, wenn mindesten 15 Crowdsurfer beim nächsten Lied vorne an der Bühne ankommen, all den Lästerern sagen werde, dass die in Stuttgart keine Lappen sind. Dann spielt die Band die Rabatznummer „American Fitness am Hermannplatz“.
Hip-Hop aus dem Geiste des Punkrock
Tatsächlich steht dieses erstaunliche Trio, das live von einer Musikerin und drei Musikern begleitet wird, schon seit 16 Jahren für eine widerspenstig-bösartige, aber trotzdem ungemein witzige Auseinandersetzung mit den erschütternden gesellschaftlichen Realitäten in diesem Land und für die Wiedergeburt des Hip-Hop aus dem Geiste des Punkrock. Das aktuelle Antilopen-Gang-Doppelalbum „Alles muss repariert werden“ ist in eine Hip-Hop- und eine Punkplatte aufgeteilt – und auch beim Konzert am Mittwochabend wechseln sich die Stile immer wieder ab oder verschmelzen miteinander: von „Beate Zschäpe hört U2“ über „Der goldene Presslufthammer“ bis zu „Sympathie für meine Hater“, das den Zugabenteil eröffnet, bei dem die drei mit einem Mini-Bus durch den Zuschauerraum tuckern.
Konzert als Gruppentherapie
Fast zwei Stunden lang rappen und singen sie Lieder, die von Anarchie und Alltag erzählen. „Das ist kein Konzert, sondern eine Gruppentherapie“, sagt Panik Panzer. „Das ist ein Mittwochabend, aber wir machen einen Samstagabend daraus“, verspricht Danger Dan. Der ist zwar seit seinem Soloalbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ das prominenteste Mitglied der Antilopen Gang, doch auch Koljah und Panik Panzer bekommen bei der Show Platz für Soloeinlagen eingeräumt („Weg von hier“ und „Der Romantische Mann“ ).
Und in den Songs, die im Wizemann auf dem Programm stehen, geht es nicht nur ums Umverteilen von Konsumgütern („Army Parka“) und um den Irrglauben, dass Wünschen irgendwann einmal wirklich geholfen hat und irgendwann wieder helfen wird („Wünsch dir nix“), sondern auch sonst bekommt Stuttgart immer wieder eins ausgewischt. Etwa, wenn Koljah sich in „Verliebt“ über Max Herre lustig macht („Ich fing an zu flüstern: Ich bin Max, aus dem Schoß der Kolchose/War klar, dass das klappt, du gingst mir sofort in die Hose“) oder Danger Dan in „Direkter Vergleich“ rappt „Metallica, Macklemore, Mozart, Fanta 4/Da lasse ich mir lieber die Ohren amputier’n.“
Zumindest dass die Stuttgarterinnen und Stuttgarter definitiv keine Lappen sind, hat das Publikum am Mittwoch im Wizemann der Antilopen Gang bewiesen – spätestens als Crowdsurfer Nummer 20 in den Bühnengraben gehoben wurde.
Antilopen Gang: Setlist in Stuttgart
- Nichts für immer
- Patientenkollektiv
- Auf sie mit Gebrüll
- Army Parka
- Direkter Vergleich
- Muttertag
- Oberbürgermeister
- Kein Problem
- Enkeltrick
- Gestern war nicht besser
- Mir kann nichts passieren
- Wünsch dir nix
- Das Leben ist schön
- American Fitness am Hermannplatz
- Der romantische Mann
- Weg von hier
- Traumtänzer und Schönmaler
- Beate Zschäpe hört U2
- Verliebt
- Der goldene Presslufthammer Zugaben
- Sympathie für meine Hater
- Wenn das hier vorbei ist
- Für wenige
- Pizza
- Anti Alles Aktion