Matthias Bartolomey (links) und Klemens Bittmann kennen bei ihren Kompositionen keine Genre-Grenzen. Am 3. Oktober treten sie als Duo Bartolomey Bittmann im Theaterhaus auf. Foto: Stephan Doleschal

Die Konzertreihe "Klassik? Klassik!" im Theaterhaus hat es sich zum Ziel gesetzt, Künstler vorzustellen, die jenseits der gängigen Klassikinterpretationen neue Wege gehen. Mit dem Duo Bartolomey Bittmann hat man zwei gefunden, die hierfür wie gemacht zu sein scheinen. Am 3. Oktober beehren sie Stuttgart.

Zwei Österreicher sind’s, die im Rahmen von „Klassik? Klassik!“ im Theaterhaus auftreten werden. Matthias Bartolomey, der Wiener, wuchs in einer Familie voller Musiker auf. Sein Vater Franz lehrte ihn, Cello zu spielen. Die Weichen waren also früh gestellt. Da überrascht es nicht, dass Matthias Bartolomey später an der Universität für Musik und darstellende Kunst in der österreichischen Hauptstadt studierte und mit Auszeichnung abschloss.

Schon zu Studienzeiten spielte er bei den Wiener Philharmonikern und im Orchester der Wiener Staatsoper. Zwei Jahre nach der Ausbildung, also anno 2012, gründete er mit Klemens Bittmann das Duo Bartolomey Bittmann.

Kommen wir damit also zu Herrn Bittmann. Der kommt aus Graz und wurde ebenfalls in eine musikaffine Familie hineingeboren. Das Violinspiel studierte er ebenda und in Paris. Wenn er nicht gerade mit Bartolomey spielt, arrangiert er schon auch mal die Streicher für Andreas Bourani oder Conchita Wurst. Das lässt erahnen, dass es sich bei ihm um keinen verbissenen Klassikverteidiger handelt, der angesichts von Popkultur die Nase rümpft. Zudem ist er Lehrbeauftragter an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. Da kommt also so einiges zusammen.

Bartolomey Bittmann: Fürs Musikmachen geboren

Matthias Bartolomey und Klemens Bittmann sind also zwei Künstler, die fürs Musikmachen geboren wurden. Oder zumindest zeitlebens kaum etwas anderes getan haben. Doch sie sind keineswegs reine Klassik-Nerds, die sich in elitären Höhen verloren haben. Vielmehr nutzen sie ihre Ausbildung, um Stücke zu komponieren, die auch musikalisch weniger geschulte Hörer mitreißen.

Schon erstaunlich, was man aus lediglich einer Violine und einem Cello respektive einer Mandola so herauskitzeln kann. Und was für Klänge und Rhythmen sich erzeugen lassen. Wolfgang Muthspiel, österreichischer Jazzgitarrist, sagt über die beiden: „Selten hat man Streicher gehört, die sich so lustvoll dem Groove hingeben.“

Und in der Tat: Bereits die ersten Platten „Meridian“ und „Neubau“ bewiesen, dass hier zwei herausragende Musiker am Werke sind, die die Dinge ein bisschen anders angehen als die meisten ihres Fachs.

Das gilt auch fürs aktuelle Album „Dynamo“, das nun die dritte gemeinsame Platte der beiden ist. Schon der Eröffnungssong "Elefant" schlägt einen in seinen Bann. Auch interessant: Die Titel kommen bei Bartolomey und Bittmann durchaus mal zufällig zustande. In der Gegend von Bittmanns Wohnung gibt es ein Restaurant namens "Elefant & Castle". Weil die beiden dort hin und wieder speisen, heißt die Komposition nun also "Elefant".

Dabei erzeugt sie beim Hören nicht unbedingt das Bild eines schweren Rüsseltiers vor dem inneren Auge, sondern eher das einer flinken Gazelle, so virtuos und rasant wie die beiden über ihre Saiten fegen.

Mit Cello und Violine

Der titelgebende Song "Dynamo" hingegen macht seinem Namen alle Ehre. Da entsteht richtig Energie, wenn Bartolomey die tiefen Töne aus seinem Cello presst und Bittmanns Violine immer wieder kleine Blitze durch dieses Grollen und Donnern schießt. "Föhn" wiederum kommt leichtfüßig, ja fast schon windig daher. Und "Westen" beginnt wie der Soundtrack eines Horrorthrillers, der einen zwischendurch in Sicherheit wiegt, um das Publikum am Ende doch wieder mit einer düsteren Pointe aus dem Kino zu entlassen.

Generell sind die Kompositionen der beiden Herren recht abwechslungsreich, mal balladesk, mal rockig.

Nicht willkürlich jedoch wurde der Songtitel „Haim“ vergeben. Der erinnert mit Schreien an Maria Haim, die „Neinstimme von Altaussee“, wie sie der Autor Wolfgang Martin Roth nannte. Haim hatte sich anno 1938 als einziger Mensch im österreichischen Altaussee bei einer Abstimmung gegen den Anschluss an Nazideutschland ausgesprochen. Wegen ihrer Weigerung wurde keine Führereiche im Ort gepflanzt. Ein subtiles, schönes Statement des Duos. Das Lied „Viadukt“ indes ist dem verstorbenen Jazzgeiger Didier Lockwood gewidmet, der Bittmann in Paris unterrichtet hat.

Alles rein akustisch

Alles in allem klingt die Scheibe jedenfalls so, dass man sich gut vorstellen kann, auch bei einem Livekonzert nicht enttäuscht zu werden. Denn Bartolomey und Bittmann folgen einem eisernen Prinzip: Beim Spielen und beim Aufnehmen ist alles rein akustisch. Neben ihren Instrumenten und Stimmen gibt es keinerlei Elektro-Sound.

Einerseits ist da also der experimentelle Ansatz, andererseits doch ein gewisser Instrumentierungspurismus. In die Reihe "Klassik? Klassik!" passen die beiden unkonventionellen Musiker wie die Faust aufs Auge.

Bartolomey Bittmann: 3. Oktober, 19.45 Uhr, Theaterhaus, Tickets 07 11 / 4 02 ­07 20, oder online.

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