Julius Forster von Hotel Rimini am Samstag beim Auftritt in Stuttgart Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Hotel Rimini sind so etwas wie die Antwort der Gen Y auf Element of Crime. Nur besser. Und das Konzert von Julius Forster und seiner Band im Stuttgarter Merlin kann das beweisen.

Auf einem feingewebten Teppich aus sperrig-schönen Harmonien, den ein Kontrabass, ein Cello und eine Violine vor ihm ausgebreitet haben, wartet Julius Forster allein am Gleis auf einen Zug: „Ich kehre ein im Bordbistro/Leere zwei Wein, schau auf den Rhein/Denk an daheim und glaube so/Schön es auch ist, hier Gast zu sein/Hier wieder leben, danke nein!“

 

Julius Forster hat in Stuttgart studiert

Das Lied dazu trägt den wunderbaren Titel „Die Zeit schlägt mich tot, aber ich schlag zurück“. Es ist eine der ersten Nummern, die Forsters Band Hotel Rimini am Samstag im ausverkauften Merlin spielt. „Den Song hab ich übrigens in Stuttgart geschrieben“, verrät Forster vergisst aber zu erwähnen, dass mit dem Ort, an dem er auf keinen Fall wieder leben möchte, nicht Stuttgart gemeint ist.

Musiziere lieber ungewöhnlich: Hotel Rimini am Samstagabend im Merlin in Stuttgart Foto: Lichtgut

Hotel Rimini kommen aus Leipzig, Julius Forster hat aber in Stuttgart an der Schauspielschule studiert. Und wenn es etwas gibt, das er mit Stuttgart verbindet, dann ist es der Liebeskummer, den er damals dort intensiv erlebt hat – und mit dem sich auch viele seiner Songs vollgesogen haben. Zwei grandiose Alben hat die Band bisher veröffentlicht – „Allein unter Möbeln“ und „Gefährdete Arten“ – und es fällt schwer, bei dieser sanft-sehnsüchtigen Melange aus Chansonpop, Indierock und Kammermusik, dieser Lust an filigran-kunstvoll verschnörkelten Arrangements nicht an die Band Element of Crime zu denken.

Die Songs, die Hotel Rimini am Samstagabend in gut eineinhalb Stunden spielen, sind geprägt von einem Gespür für Alltagspoesie, von einem zärtlichen Blick auf die Details des Lebens, die oft übersehen werden. Wenn Forster von der Ruhelosigkeit des Stillstands, von Heim- und Fernweh erzählt und sich in seinen Liedern immer wieder in Züge oder auf die Autobahn verirrt und dabei manchmal seine Texte auch lakonisch-zart raunzt, erinnert das immer wieder an die Lyrik Sven Regners, der wenn er nicht gerade Bestseller schreibt, immer noch Sänger und Songwriter von Element of Crime ist.

Sind Hotel Rimini die Antwort der Gen Y auf Element of Crime?

Trotzdem tut man Hotel Rimini unrecht, sie darauf zu reduzieren, dass sie wie die Gen-Y-Version einer anderen Band klingen. Dazu sind die Songs viel zu eigenwillig. Das beginnt damit, dass ein Streichertrio den Kern der Band bildet und dass auch mal ein Banjo oder ein Flügelhorn (im Song „Granola“, der ebenfalls in Stuttgart entstanden ist) zum Einsatz kommen. Aber auch daran, dass Hotel Rimini sich zwischendurch trauen, musikalisch mit dem Postrock zu flirten und sich beim Diskurspop das Spiel mit den Verweisen abschauen. Sie zitieren Tocotronic („Aber hier leben, nein danke“) genauso wie Hannes Wader („Heute hier, morgen dort“) – und im Zugabenteil erretten sie mit einer zartbitteren Interpretation sogar noch Herman van Veens „Weißt du wie es war“ vor dem Vergessenwerden in unsteten Zeiten.