Tim Bendzko sucht in Stuttgart den direkten Draht zum Publikum. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Zwischen Akustik-Set und Mitsingmomenten: Tim Bendzko stellt auf seiner „Alles, nur nicht zurück“-Tour sein neues Album vor und macht den Stuttgarter Hegelsaal zum Wohnzimmer.

Der Hegelsaal ist voll besetzt. Im Publikum sitzen junge Frauen neben älteren Paaren, weiter hinten Gruppen, die später jede Zeile mitsingen werden. Auf der Bühne steht zunächst nur ein E-Piano.

 

Zwei Lichtkegel gehen an, Tim Bendzko tritt gemeinsam mit Klaus Sahm auf die Bühne. Keine Projektionen, keine Band, kein großes Opening. Der Einstieg bleibt reduziert. „Schön, dass es dich gibt“, „Am seidenen Faden“ und „Lass los“ klingen eher wie ein vorgeschaltetes Akustik-Set als wie der Beginn einer zweistündigen Pop-Show. Bendzko singt klar und kontrolliert, Sahm begleitet ihn zurückhaltend am Piano. Der Hegelsaal hört in diesem ersten Teil fast bewegungslos zu.

Ein Kuchen für Klaus

Dann spricht Bendzko über Freund und Pianist Klaus Sahm, der kurzfristig eingesprungen ist und an diesem Abend Geburtstag hat. Kurz darauf kommt die komplette Band auf die Bühne, bringt Kuchen und Luftschlangen mit. Danach folgt eine kurze Unterbrechung.

Als die Musiker zurückkommen, verändert sich der Abend sofort. Schlagzeug, Bass, Gitarre, E-Piano sowie eine Sängerin und ein Sänger stehen jetzt mit auf der Bühne. Die Bühne leuchtet in warmen Orange-Tönen.

Mit „Anders“ und „Alles, nur nicht zurück“ beginnt der eigentliche Hauptteil des Konzerts. Die gleichnamige Tour wurde von 2025 auf 2026 verschoben, weil das Album erst fertig werden sollte, bevor Bendzko damit auf Tour geht. Statt Arenen spielt er die neuen Songs nun überwiegend in Konzerthäusern wie der Alten Oper Frankfurt, der Laeiszhalle Hamburg oder dem Hegelsaal Stuttgart. Bestuhlt, aber ausdrücklich nicht als stilles Sitzkonzert gedacht. Spätestens bei „Kopf hoch“ stehen die ersten Besucher auf und klatschen im Takt.

Leiser Start: Tim Bendzko und Klaus Sahm Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Nach den ersten Songs spricht er über die vergangenen Jahre. Die zuvor gespielten Lieder seien eine Zusammenfassung der letzten Zeit gewesen, sagt er. Er habe lange nach etwas gesucht, ohne genau zu wissen wonach. Inzwischen wisse er, worum es ihm gehe: „Ich will mich verbunden fühlen.“ Dann folgt der Satz: „Aber wie soll ich mich zu anderen verbunden fühlen, wenn ich zu mir selbst nicht verbunden bin?“

Immer wieder an diesem Abend nimmt Bendzko sein Publikum mit in seinen Kopf. Seine Ansagen wirken weniger wie klassische Konzertmoderationen als wie laut ausgesprochene Gedanken. Kurz darauf sing er „Nur noch kurz die Welt retten“, Bendzkos Durchbruchssong von 2011, den er auf dieser Tour in einem neuen Arrangement spielt. Im Hegelsaal stehen jetzt fast alle.

„Keine Maschine“ hält den Hegelsaal danach weiter oben. Auch „Kein Problem“ wird zum Mitmachsong. Bei „Unter die Haut“, im Original ein Duett mit Cassandra Steen, übernimmt die Sängerin der Band den zweiten Part. Wieder stehen viele auf. Kurz danach folgt „Sag einfach ja“, vor der Bühne wird getanzt.

Wie im eigenen Wohnzimmer

Später bekommt Bendzko eine Akustikgitarre. Stühle werden auf die Bühne gebracht, die Musiker setzen sich im Halbkreis zusammen. Im Hegelsaal gehen Handylampen an.

„Wenn Worte meine Sprache wären“ muss Bendzko kaum noch selbst singen. Das Publikum übernimmt große Teile des Refrains.

Nie wirkt Bendzko distanziert

Was von diesem Abend hängen bleibt, ist vor allem die Stimmung auf der Bühne: die ständigen Gesten zwischen den Musikern, die Interaktion mit dem Publikum, ein Konzert, das nie distanziert wirkt. Fast scheint es, als hätte Bendzko es mit seiner „Alles, nur nicht zurück“-Tour tatsächlich geschafft, ein wenig von der Verbundenheit, nach der er so sehr strebt, nach Stuttgart in die Liederhalle zu bringen.

Setlist Hegelsaal Stuttgart (laut Vor-Ort-Notizen)

• Schön, dass es dich gibt

• Am seidenen Faden

• Lass los

• Anders

• Alles, nur nicht zurück

• Kopf hoch

• Nur noch kurz die Welt retten

• Keine Maschine

• Kein Problem

• Zwei Gramm

• Unter Steinen

• Das letzte Mal

• Immer

• Irgendwas mit Liebe

• Unter die Haut

• Sag einfach ja

• Angekommen

• Wenn Worte meine Sprache wären

• Ich laufe

• Leichtsinn

• Wach auf

• Alles in Bewegung

• KOMM SCHON!

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