Frank Spilker hat am Freitagabend mit seiner Band Die Sterne in Stuttgart dem Diskurs das Tanzen beigebracht: Bilder, Setlist und Kritik vom Konzert im ausverkauften ClubCann.
„Aber wenn es Liebe ist, will ich mal nichts gesagt haben“, singt Frank Spilker, zählt all die dummen Dinge auf, die Menschen tun, weil sie verliebt, verlogen, böse oder einfach wahnsinnig sind. Vom Zehn-Meter-Brett zu springen, Drogen wegzuballern, in Ländern einzumarschieren oder in Panzer einzusteigen, liegen bei dem Song, der dem aktuellen Album und der Tour der Hamburger Band Die Sterne den Namen gegeben hat, ganz nah beieinander. Denn zwischen dem Privaten und dem Politischen gibt es keinen Unterschied in den Liedern Spilkers, der schon seit 1991 mit den Sternen dem Diskurspop das Tanzen beibringt.
Doch es ist ein widerspenstiger Groove, den Die Sterne am Freitagabend durch den ausverkauften ClubCann in Stuttgart hüpfen lassen. Immer wieder verpasst das Publikum beim Refrain von „Wenn es Liebe ist“ beim Mitsingen den richtigen Einsatz, Spilker gibt sich selbst die Schuld, räumt ein, dass der Song tückisch ist: „Die Toten Hosen hätten das anders gemacht“, sagt er.
Thomas Mann, Funk und Easy Listening
Auch sonst gibt es sich gut gelaunt, behauptet etwa, er habe schon vor 10 Jahren die KI darum gebeten, ihm Thomas Manns „Zauberberg“ in einem Satz zusammenzufassen. Die Antwort habe damals gelautet. „Langeweile ist ein Pulverfass, am Ende wirst du Fan von irgendwas.“ Natürlich ist das nur eine etwas verquere Einleitung zu der kuriosen Da-Da-Elektropop-Nummer „Fan von irgendwas“, bei der Die-Sterne-Keyboarderin Dyan Valdés begleitet von einer Computerstimme Aktivitäten aufzählt, während Spilker einen funky Gitarrenriff beisteuert.
Die Sterne sind die Tanzkapelle für denkende Menschen: Wenn sie auftreten, trifft Diskurspop auf Funk und Easy Listening. Zum Beispiel im hypnotisch lamentierenden „Gleich hinter Krefeld“, in dem die Band letztlich nicht nur Krefeld, Bielefeld und Bitterfeld, sondern auch Blumfeld hinter sich zurücklässt: „Länger als üblich/ Üblicher, länger/ Tapferer Tagedieb/ Nächtebezwinger“, textet Spilker in dieser Schnappschuss-Sammlung deutscher Tristesse, die am Freitagabend dran ist, nachdem die Band das Album „Wenn es Liebe ist“ komplett durchgespielt hat – vom rappeligen „Ändern wir je den Akkord?“ über die perfide Pop-Dekonstruktion „Es war nur ein Traum“ bis zum Metasong „Ich habe nichts gemacht (außer weiter)“, in dem es heißt: „Die Musik, die es gab, war nicht wirklich immer gut/Ich wollte bessere machen, bevor es jemand anders tut.“
Finale mit „Fickt das System“
Und das gelingt Spilker mit den Sternen immer wieder: Vor den Zugaben spielen sie zum Beispiel noch die großartige Hymne „Was hat dich bloß so ruiniert“, die sich am Ende wieder bei einem Akkordwechsel in „House of the Rising Sun“ verwandelt. In den Zugaben beginnt Niedergeschlagenheit zum Discobeat zuckend zu tanzen („Depressionen aus der Hölle“). Und es gibt einen kurzen Abstecher zum Indeep-Hit „Last Night a DJ Saved My Life“, wenn Die Serne im Finale den störrischen Klassiker „Fickt das System“ auspacken, den sie tatsächlich schon seit 35 Jahren im Programm haben.
Die Sterne: Setlist in Stuttgart
- Universal Tellerwäscher
- Die Interessanten
- Immer noch sprachlos
- Fan von Irgendwas
- Ich nehme das Amt nicht an
- Ändern wir je den Akkord?
- Ich habe nichts gemacht (außer weiter)
- GNZRZND
- Open Water
- Es war nur ein Traum
- Wenn es Liebe ist
- Easy auf Rezept
- Gleich hinter Krefeld
- Was ist hier los
- Wahr ist was wahr ist
- Was hat dich bloß so ruiniert
- Zugaben:
- Hallo Euphoria
- Depressionen aus der Hölle
- Du musst gar nix
- Fickt das System
Die Sterne: Tourdaten
Die Sterne sind im März, April und Juni weiter auf Tour. Die nächsten Termine sind in Salzburg (29. März), Wien (30. März), München (1. April) und Leipzig (2. April). Alle Termine, Infos und Tickets gibt es hier.