Da heißt es durchhalten: Lange Schlangen vor den Toiletten Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky

Bis zu 45 Minuten lang mussten Konzertbesucher beim Auftritt der Toten Hosen am Samstag auf dem Wasen an den Toiletten Schlange stehen. Das hat Konsequenzen für künftige Open Airs.

Stuttgart - Auf dem Wasen standen am Samstag 300 mobile Toiletten und Urinale, dazu kamen laut dem Veranstalter Musiccircus acht WC-Container mit vier bis sechs Kabinen. Zusammen mit den festen Toilettenanlagen der Veranstaltungsfläche des Tote-Hosen-Konzerts am Neckar hätte das reichen sollen – hat es aber nicht. „Wir müssen da nachbessern“, sagt Hans-Peter Haag, der Geschäftsführer des Musiccircus, im Blick auf künftige Open-Air-Konzerte auf dem Wasen.

Das Erlebnis hatten sich manche Besucher etwas entspannter vorgestellt, als sie es am Samstag bei den Toten Hosen erlebten. Denn zum Konzertgenuss gehört auch das Kaltgetränk aus dem Plastikbecher – und in der Folge der Gang zur Chemietoilette. Dieser war am Wochenende erschwert: Konzertbesucher berichten, dass sie zwischen Musik- und Biergenuss beim Toilettengang bis zu 45 Minuten warten mussten.

Bei ACDC hat die gleiche Anzahl Klohäuschen ausgereicht

„Wir haben uns da auf Erfahrungswerte gestützt“, sagt der Geschäftsführer Hans-Peter Haag. Die gleiche Zahl der Toilettenhäuschen hätte zum Beispiel bei ACDC ausgereicht. „Warum es dieses Mal knapp wurde, wissen wir nicht. Möglicherweise liegt das auch daran, dass bei den Hosen mehr Frauen im Publikum sind als bei ACDC“, meint Haag, denn Damen brauchen ein bisschen länger für den Toilettengang als Männer. Auch das Wetter muss für eine mögliche Erklärung herhalten: Es war nicht ganz so heiß wie an den Tagen davor, folglich hätten die Besucher eventuell nicht so viel Flüssigkeit ausgeschwitzt und deswegen die Klohäuschen häufiger aufsuchen müssen. Das Problem habe aus Sicht der Veranstalter aber nicht den ganzen Abend über bestanden: „Das war in der Zeit von 18 bis 20 Uhr so, sonst ging es.“

Für weitere ähnliche Veranstaltungen müsse man mehr Häuschen ordern. Die Stadt, die das Sicherheitskonzept und den Aufbau auf dem Gelände abgenommen hat, macht keine Vorgaben, wie viele Toiletten da sein müssen. „Da existieren genaue Vorschriften für Veranstaltungshallen, aber für Open-Air-Konzerte nicht“, sagt Stefan Praegert vom Ordnungsamt. Auch der Stadtverwaltung fand es plausibel, dass die bei anderen Veranstaltungen bewährte Anzahl der Toiletten ausreichen würde.

Die Bundespolizei muss den Bahnhof sperren

Insgesamt sei es sehr friedlich zugegangen, berichten Fans der Toten Hosen vom Samstagabend. Problematisch war jedoch die Heimreise. Der Strom der Konzertbesucher wurde bei der An- und Abreise über den Vorplatz des Bahnhofs gelenkt. Beamte der Bundes- und der Landespolizei sperrten entsprechend ab und lenkten die Hosen-Fans. Brenzlig wurde es gegen 23.18 Uhr, sagt Daniel Kroh, der Sprecher der Bundespolizei: „Da war der Ansturm so groß, dass wir den Bahnhof gesperrt haben.“ Augenzeugen berichten, dass vor allem im Durchgang von der Bahnhofshalle zu den Gleisen drangvolle Enge geherrscht habe. Einige S-Bahnen hätten in dieser Zeit nicht starten können, weil sie überfüllt waren. Im Gedränge habe eine Frau einen Kollaps erlitten, sie wurde vom Rettungsdienst versorgt. Außerdem sei gegen 23.40 Uhr an den Gleisen 6 und 7 ein Aufzug steckengeblieben. „Kollegen von uns konnten die acht Personen daraus befreien, das dauerte etwa 15 Minuten“, sagt Kroh. Zwei Personen im Aufzug hatten Kreislaufprobleme, brauchten aber keinen Arzt.

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