Der fetzige Auftritt wird mit stehendem Applaus gewürdigt. Foto: Georg Linsenmann

Die Brenz-Band erfreut und begeistert mit ihrem Konzert in der Pauluskirche in Zuffenhausen das Publikum.

Zuffenhausen - Jetzt ist sie 40 und doch noch kein bisschen leise! Aber die Brenz-Band ist eben ein Phänomen. Auch deshalb, weil ihr die Erfolgsgeschichte, die sie mit 1500 Konzerten über den halben Globus geführt hat, keineswegs in die Wiege gelegt war. Denn „die aus der Brenzstraße“, das war damals noch kein Gütesiegel, die aus der Ludwigsburger Brenz wurden eher scheu angesehen. Behinderte aus der „Schule für Bildungsschwache“, denen man im Grunde wenig zutraute. Schon gar nicht, dass sie öffentlich und erfolgreich Musik machen könnten! Und als ihr Lehrer Horst Tögel mit ihnen zu musizieren begann, war das noch eher ein Projekt zur Selbstbehauptung. „Und dann war da plötzlich Musik drin“, sagt der 77-Jährige in der Pauluskirche, wo die Brenz-Band auf Einladung des Bürgervereins zum dritten Mal vor reichlich Publikum aufgetreten ist.

Und wie Tögel durch das Konzert führt, mit feinen Geschichten aus 40 Jahren Brenz-Band und mit mindestens so feinem Understatement, das ist fast schon allein den Besuch wert. Auch, weil die Geschichten dokumentieren, wie die Combo mit fast einem Dutzend Akteuren fast überall warmherzig aufgenommen wurde. In China etwa, wo sie das Kinderlied „Der weiße Jasmin“ spielten und damit zufällig auf einen Protestgestus stießen: „Und Zack, hatten wir einen Frauenchor zum Mitsingen. In allen neun Konzerten“, berichtet Tögel, der mit Sackpfeifen und Knopfakkordeon selbstredend noch immer mittendrin beherzt mitagiert.

Gewaltig tönender Sound

Beherzt in jeder Hinsicht sind auch „seine“ Musikerinnen und Musiker. Wenn sie mit gewaltig tönendem Sound in die „Highland Cathedrale“ führen, dann klingt das zupackend, beherzt und emotional wie der Einmarsch zu einem irischen Dorffest. Und wie von allein hakt das Auditorium ein und schunkelt wie auf dem Volksfest, wenn die polnische Polka erklingt. Die Freude, die die Musiker ausstrahlen, ist mit Händen zu greifen – und umstandslos ansteckend. Klar, das klingt nicht durchweg nach Philharmonikern, aber doch sehr gekonnt und absolut souverän.

„Geprobt wird jetzt, hier auf der Bühne“, verkündet Tögel. Dann spielen sie per Smartphone ein noch nie gehörtes Lied einer „Behinderten-Band“ aus Ecuador ein – und es dauert nicht lange, bis „Salva“ Salvatore Pugliese mit dem Akkordeon die Melodie aufnimmt und das ganze Ensemble einstimmt. „Ein bisschen müssen wir noch üben, aber wir schaffen das.“ Eine Feststellung, die mit der Merkel-Raute unterlegt wird, denn die Brenzer haben auch Witz. Auch damit werden sie, wie in der Pauluskirche, das Publikum in Ecuador im Handumdrehen gewinnen. Denn dorthin sind sie eingeladen von den Kollegen, da wollen sie hin. Um das zu bewerkstelligen, geht der Spendenerlös erstmals nicht „an Menschen, die es mehr brauchen als wir“, sagt Tögel. „Erstmals wollen wir uns selber beschenken: mit dieser Reise.“

Begeistertes Publikum

Zunächst aber beschenken sie das wunderbar mitgehende Publikum vor Ort. Kein Wunder, denn mit Salva und Rudi Göttler (Schalmei) haben sie auch zwei richtige Rampentiger. Rudi tanzt durchs Publikum und Salva begeistert auch mit seinem Reibeisen-Bass. Schließlich lassen sie die Heiligen einmarschieren, bringen die Kirche mit „Marina, Marina“ zum schlagermäßigen Mitsingen, lassen die Freuden schöner Götterfunken erstrahlen - müssen dann aber doch „zum Städtele, zum Städtele hinaus“. Wobei sie plötzlich das Tempo verdoppeln und damit einen Kehraus hinfetzen, der mit Jubel und prasselndem, finalem Beifall, also mit einem weiteren, stehenden Applaus belohnt wird.

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