Stefanie Kloß von Silbermond rockt beim SWR-Sommerfestvial den Schlossplatz Foto: Rothe

Das Sommerfestival hat begonnen: Die Begeisterung der 5000 kannte kaum Grenzen.

Stuttgart - Wer nicht gut drauf ist, dem kann ein Konzert von Silbermond Abhilfe verschaffen: Beim Auftakt des dreitägigen SWR-Sommerfestivals am Mittwoch auf dem Schlossplatz kannte die Begeisterung der 5000 jungen Fans kaum Grenzen. Sie erlebten eine krachige, aber mit viel Gefühl inszenierte Show.

Bilder vom Konzert

Eines ist klar: Silbermond sind erwachsen geworden, und das klingt live so ausgereift wie hervorragend. Satter Deutschrock und schwelgerischer Gitarrenpop gehen mit den widerspenstigen Phrasierungen von Sängerin Stefanie Kloß eine dynamische Verbindung ein, aus der nicht mehr nur einfach Gitarrengeschrammel, sondern richtig gute Rockmusik entsteht. Die können gar nicht anders. Und sie sind unglaublich ansteckend. Das kommt an bei den Fans, die gekommen sind, um den zweifachen Echo-Gewinner 2010 zu erleben.

Trotz dunkler Wolken - es bleibt bei ein paar Tropfen

Nachdem die Band schon mehrmals auf der Freilichtbühne auf dem Killesberg, im LKA, im Römerkastell oder in der Porsche-Arena auftraten, haben sie sich jetzt ins Herz von Stuttgart vorgearbeitet - auf den Schlossplatz. Kurz vor Konzertbeginn passiert eine schwarze Gewitterfront das schwül-heiße Areal auf dem Schlossplatz. Die rund 5000 Fans haben jedoch Glück, der große Regen bleibt aus. So bewegen sie sich ausgelassen im Takt und singen begeistert den Refrain des Liedes "Nichts mehr" vom aktuellen Album "Nichts passiert".

Silbermond rockt den ganzen Abend über, was das Zeug hält, und lässt dabei vom Punkrock über Deutschpop bis hin zu Dancehall kaum ein Genre aus. Die Band aus Bautzen ist gut drauf und zelebriert ihre Herzschmerzohrwürmer mit einer schier endlosen Spielfreude. Wenn Sängerin Stefanie Kloß dazu mit ihrem natürlichen Lausbubencharme von ewiger Jugend und Zeiten des Optimismus singt, schmelzen nicht nur die Fanherzen, es wird auch so richtig abgerockt: mit dreckigen Gitarrenriffs, knalligen Schlagzeugbeats und einer Frontfrau, die im Laufe des Abends zunehmend über sich hinauswächst.

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Wie überhaupt das 110-minütige Konzert immer mehr zur Party wird: Andreas (Nowi) Nowak gibt einen solch powermäßigen Schlagzeuger ab, dass er es sich sogar leisten kann, sein Publikum mit einer eher mittelmäßigen Gesangseinlage zu nerven. Bassist Johannes Stolle zündet ein Solo nach dem anderen und posiert beim Spielen wie ein Großer. Und Gitarrist Thomas Stolle heizt die Stimmung mit seinen Soli dermaßen an, dass nach kurzer Zeit alles auf und ab hüpft. Derweil holt sich Stefanie Kloß eine ganze Reihe tanzwütiger Fans zum Mittanzen und Ausflippen auf die Bühne, lässt sich über den Köpfen des Publikums durch die begeisterte Menge tragen oder mischt sich unters Publikum, um den Hit "Symphonie" - nur begleitet vom Gitarristen - zum Besten zu geben.

Frontfrau Stefanie Kloß überzeugt

Die schwarz gekleidete Frontfrau mit dem Honigkuchenpferd-Lächeln überzeugt mit markanter, leicht belegter Stimme. Ihre politisch korrekten Botschaften harmonieren bestens mit dem lauten Dröhnen der Musik. Zu Beginn ihrer Karriere erstickten Konzerte der Deutschpopband noch öfter mal in einem grausigen Klangbrei, doch spätestens mit dem perfekt produzierten Album "Verschwende deine Zeit" haben die Sachsen ihre Low-Fi-Schlampigkeit hinter sich gelassen.

Mit melancholischen Songs wie "Ich bereue nichts", "Irgendwas bleibt" und "Das Beste" und hymnischen Krachern wie "Zeit für Optimisten", mit zeitgemäßen Bekenntnissen aus Beziehungskisten und rockigen Mithüpf-Nummern treffen sie das Gemüt ihrer Fans.

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"Tanz aus der Reihe" heißt einer ihrer neuen Songs - und genauso gebärdet sich Frontfrau Stefanie Kloß auf der Bühne. Sie animiert ihre Fans zum Mitmachen, zelebriert das Live-Erlebnis geradezu und singt in der x-ten Zugabe "Du und ich - wir sind auf der guten Seite". Und kein Mensch auf dem Schlossplatz hätte in diesem Moment daran einen Zweifel. Wer nicht gut drauf ist, dem kann ein Konzert von Silbermond tatsächlich Abhilfe schaffen, denn bei allem Grusel, den manche Textzeile verursachen kann, sind sie eines gewiss nicht: aufgesetzt.

Mag sich die Band auch musikalisch mit ihrem neuesten Album "Nichts passiert" nicht wirklich weiterentwickelt haben in ihrer Mischung aus rockigen Stücken und Herzschmerz-Songs: Ihr Auftritt auf dem Stuttgarter Schlossplatz sorgt nicht nur für gute Laune, die Sachsen können vor allem mit schlichten Worten eine große Wirkung erzielen. Und das ist in diesen rauen Zeiten weit mehr, als manch exaltierter Star vermag.

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