Wird Lucie einmal fahren? Darüber wird nun entschieden. Foto: Zweckverband

Beim umstrittenen Thema Stadtbahn in Ludwigsburg kritisiert die Grüne Jugend jetzt öffentlich Grünen-Stadträte.

Was die Jugendorganisation der Grünen in Ludwigsburg der Stadträtin Christine Knoß vorwirft, ist starker Tobak: Knoß’ kritische Haltung zur geplanten Stadtbahn Lucie widerspreche den Grundprinzipien grüner Verkehrspolitik sowie dem gemeinsam beschlossenen Wahlprogramm der Grünen in Ludwigsburg.

 

„Wir sind ehrlich gesagt irritiert, wenn Grüne Mandatsträgerinnen das zentrale Mobilitätsprojekt der Stadt infrage stellen“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Die Lucie ist kein Nice-to-have, sondern ein entscheidender Baustein für eine klimafreundliche, zukunftsfähige und wirtschaftlich vernünftige Mobilität in Ludwigsburg und der Region.“ Zudem seien die Grünen in Ludwigsburg mit dem Versprechen angetreten, nachhaltige Mobilität konsequent voranzutreiben. Aus Sicht der Jugendorganisation gehört dazu eine leistungsfähige Schienenanbindung.

Knoß, die ursprünglich das Projekt Stadtbahn ebenfalls unterstützt hatte, sah seit der Vorstellung der neuen Trassenführung durch den Zweckverbands-Geschäftsführer Michael Ilk Probleme, die diese – vom Gemeinderat übrigens nicht genehmigte – Strecke verursachen würde. Gegenüber dieser Zeitung erklärte sie vor einiger Zeit: „Bislang haben alle und vermutlich auch der ganze Gemeinderat gedacht, bei der Reaktivierung der Markgröninger Bahn fährt eben die Stadtbahn auf dem alten Gleis. Denn bis zu Lotter fährt da auch heute schon ein Zug.“ Vermutlich hätten damals alle zugestimmt, weil es sich so einfach angehört habe. Und man habe damals noch Hoffnung gehabt, dass man in der Innenstadt weniger Verkehr bekomme, wenn die Stadtbahn das Blüba und das Krankenhaus anfahre, wenn auch nicht von Beginn an.

Als dann aber der Zweckverband verkündet habe, dass durch die Weststadt bis zur Autobahn zweigleisig gefahren werden solle, die Trasse sieben Meter breit werden und komplett neu gebaut werden müsse, sei klar geworden, dass in diesem Bereich im Naturpark West kein Baum mehr stehen bleiben könne. „Weil mit der neuen Streckenführung eine Linie durch die Innenstadt praktisch unmöglich wird, lohnt sich auch hier für niemanden mehr so ein großes Opfer“, so Knoß. Hinzu kommen weitere Probleme, die sich inzwischen aufgetan haben und die die Grünen-Stadträtin angesprochen hat. Etwa die Frage der Barrierefreiheit, ohne die Fördergelder ausgeschlossen sind. Für eine aktuelle Stellungnahme war Christine Knoß nicht kurzfristig zu erreichen.

Die Grüne Jugend kritisiert auch, ohne einen Namen zu nennen, noch eine weitere Stadträtin der Fraktion, die sich öffentlich gegen das Projekt ausgesprochen habe. Dabei dürfte es sich um Arezoo Shoaleh handeln, die die aktuellen Planungen ebenfalls kritisch sieht.

Die Pressemitteilung der Jugendorganisation der Grünen zeigt auf alle Fälle, dass die Stimmung vor der Abstimmung im Gemeinderat äußerst angespannt ist und zumindest die Grünen-Fraktion versucht, die Reihen pro Stadtbahn zu schließen.