Eine Niederflur-Stadtbahn in Straßburg. Ähnliche Bahnen sollen künftig durch Ludwigsburg fahren – wenn sich die Anhänger des Systems durchsetzen. Foto: Tim Höhn

Die Ludwigsburger Oberbürgermeister hält ungeachtet der massiven Kritik aus dem Kreistag und dem Gemeinderat an seiner Linie fest – und macht weiter Werbung für ein Schnellbussystem. Jetzt läuft alles auf eine Kampfabstimmung hinaus.

Ludwigsburg - Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec hat in der Stadtbahn-Debatte auf die Kritik aus dem Kreistag reagiert und deutlich gemacht, dass er nicht von seiner Linie abrücken wird. „Ich kann die Kontroverse nicht nachvollziehen“, sagte Spec am Dienstag gegenüber dieser Zeitung. „Wir stehen zu der im vergangenen Jahr beschlossenen Doppelstrategie.“ Diese sieht vor, dass der Kreis die Planung der Stadtbahn und die Stadt die Planung eines Schnellbussystems sowie die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke nach Markgröningen vorantreibt.

Darüber hinaus kündigte der OB an, dass seine Verwaltung bis zur Sommerpause belastbare Zahlen zu den Kosten des Schnellbussystems, des Bus Rapid Transit (BRT), vorlegen werde. „Wir sind überzeugt, dass wir sehr interessante Fakten präsentieren und sich die Nebel dann lichten werden.“ Um welche Fakten es sich handelt, deutete Spec lediglich an. Es zeichne sich ab, dass der BRT die Stadtbahn „um Längen schlägt – in Bezug auf den Faktor Zeit, den Kostenfaktor und die Stadtverträglichkeit“. Er setzt demnach unverdrossen darauf, die Kritiker zu überzeugen, obwohl der Graben tiefer denn je ist.

Der Graben zwischen Stadtbahn-Anhängern und Kritikern ist tiefer denn je

Auf der einen Seite stehen der Landrat, die Mehrheit des Kreistags und zirka die Hälfte des Ludwigsburger Gemeinderats – sie fordern eine Stadtbahn von Remseck über Ludwigsburg nach Markgröningen. Auf der anderen Seite steht Spec mit der anderen Hälfte des Gemeinderats – er will das Verkehrschaos nicht mit einer Bahn, sondern dem BRT lösen. Der Kreistag zeigte sich am Montag überaus verärgert, weil Spec angedeutet hatte, die Busse könnten die Stadtbahn überflüssig machen. Auch im Gemeinderat kam das nicht überall gut an. „Wir wollen ganz klar die Stadtbahn“, sagt die SPD-Chefin Margit Liepins. „Busse können maximal eine Ergänzung sein.“

Das Hauptargument von Spec ist, dass erste Bustrassen bereits in drei Jahren realisiert sein könnten, während der Bau der Bahn bis zu 15 Jahre dauere. Der Zeitfaktor aber könnte zum Bumerang werden. Während für die Busse noch nicht einmal konkrete Trassen festgelegt wurden, existiert für die Stadtbahn ein konkretes Konzept. Die Anhänger der Bahn fordern daher, dass der Gemeinderat noch in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung fällt, ob die Stadt sich an der weiteren Planung beteiligt – insgesamt geht es dabei um Planungskosten in Höhe von geschätzt 35 Millionen Euro.

Bald soll eine Grundsatzentscheidung fallen

Eine Prognose, wie diese Abstimmung ausgehen würde, ist unmöglich. CDU und Freie Wähler wollen keine Bahn und kommen zusammen auf 18 Sitze, Grüne und SPD wollen die Bahn und haben 16 Sitze, hinzu kommen sechs Fraktionslose, es wird also denkbar knapp. Sollte das Gremium Ja sagen, wäre das ein klarer Fingerzeig, dass die Bahn gebaut wird. Spec führt indes ein weiteres gewichtiges Argument ins Feld. Das Megaprojekt wird wohl mindestens 250 Millionen Euro verschlingen. Hingegen soll es die Busse für rund 60 Millionen und die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Markgröningen für rund 50 Millionen Euro geben – wobei es sich dabei noch um äußerst grobe Schätzungen handelt.

Doch auch dieser Faktor kann für Spec zum Nachteil werden. Wenn der Bund die Bahn genehmigt, wird er mit dem Land 70 Prozent, vielleicht sogar 80 Prozent der Investitionskosten übernehmen. Das heißt: Ein Stadtrat, der gegen die Bahn stimmt, muss gleichzeitig ablehnen, dass rund 200 Millionen Euro von Berlin und Stuttgart nach Ludwigsburg fließen. „Ich möchte sehen, wer sich das traut“, sagt ein Insider.

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