Tausende Zuschauer bestaunen jedes Jahr das Feuerwerk beim Klassik-Open-Air der Schlossfestspiele. Steht die Veranstaltung jetzt auf der Kippe? Foto: factum/Archiv

Kein Geböller mehr an Silvester, kein Feuerwerk mehr im Blüba – die Ludwigsburger Grünen werden für ihren Vorstoß hart kritisiert, bekommen aber auch Unterstützung. Die Kontroverse kreist auch um die Frage: Wie sollen Menschen künftig leben?

Ludwigsburg - Die Grünen haben mit ihrem Vorstoß, Feuerwerke und Böller in Ludwigsburg weitgehend zu verbieten, heftige Reaktionen hervor gerufen. Vor allem das konservative Lager im Gemeinderat übt scharfe Kritik an Teilen des am Dienstag veröffentlichten Antrags. Auch Volker Kugel, der Chef des Blühenden Barocks, will sich gegen ein generelles Feuerwerk-Verbot wehren. Gleichwohl zeigen sich auch andere Parteien in Ludwigsburg offen dafür, zumindest die private Böllerei einzuschränken oder zu verbieten. „Wir sollten das offen diskutieren“, sagt die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins, die das „Silvestergeböller einfach nur schrecklich findet“.

Konkret fordern die Grünen, dass die Verwaltung für die Innenstadt ein Böller-Verbot und für das restliche Stadtgebiet die Einrichtung von Schutzzonen prüft, in denen ebenfalls nicht gezündelt werden darf. Darüber hinaus soll das Rathaus sich dafür einsetzen, dass das Blüba und die Schlossfestspiele zugunsten von umweltfreundlichen Licht- und Lasershows auf Feuerwerk verzichten.

Den Grünen geht es um den Umweltschutz und das Wohl der Tiere

Den Grünen geht es nicht nur darum, die Luftverschmutzung, sondern auch Verletzungsgefahren für Menschen und die Vermüllung zu reduzieren. Außerdem soll ein Böller-Verbot dem Tierschutz dienen, weil Tiere enorm unter Lärm leiden. „Die Zeiten mit zügellosem Geböller sind so langsam vorbei“, sagt der Stadtrat Frank Handel, gleichzeitig Vorsitzender des Ludwigsburger Naturschutzbundes.

Die Vorschläge sind demnach weitreichender als jene der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die im vergangenen Jahr angesichts der schlechten Luftqualität in 31 deutschen Städten, darunter auch Ludwigsburg, ein Feuerwerk-Verbot beantragt hat. Die DUH beschränkte sich dabei auf private Silvesterböllerei und klammerte professionelle Feuerwerke aus.

Zwei Feuerwerke mit insgesamt bis zu 25 000 Besuchern schießt das Blüba jedes Jahr in die Luft, hinzu kommt als dritte regelmäßige Veranstaltung das Feuerwerk der Schlossfestspiele. „Ich kann den Antrag nicht nachvollziehen“, sagt Kugel. Die Umweltauswirkungen von professionellen Feuerwerken seien gering und vertretbar, es handle sich um eine barocke Tradition und einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor. „Es gibt tausend andere Gelegenheiten, etwas für Klima- oder Tierschutz zu tun, stattdessen diskutieren wir nun über diesen substanzlosen Vorschlag.“

„Wenn wir so anfangen, dürfen wir irgendwann gar nichts mehr machen“

Für Kugel berührt das Thema die Kernfrage, wie Menschen ihr Leben gestalten sollen. „Wenn wir so anfangen, dürfen wir irgendwann gar nichts mehr machen, sondern müssen den ganzen Tag zu Hause rumsitzen – dann stören wir keine Pflanzen und Tiere.“ Die Idee, auf Lasershows zu setzen, hält er ebenfalls für abwegig. „Das ist extrem teuer und verbraucht irre viel Strom.“ Skeptisch ist diesbezüglich auch der Oberbürgermeister Matthias Knecht: „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass eine Laser- und Lichtshow das Feuerwerk adäquat ersetzen kann“, sagt er.

Jochen Sandig, der Intendant der Schlossfestspiele, hält es zwar für einen „sinnvollen Schritt, der Umweltbelastung durch Silvesterfeuerwerk Einhalt zu gebieten“. Betont aber, dass professionelle Feuerwerke die Luftqualität weit weniger beeinträchtigen. Freiwillig würden auch die Schlossfestspiele nicht darauf verzichten.

Für ein Verbot braucht die Stadt eine rechtliche Grundlage

Am realistischsten ist demnach die Option, mit Schutzzonen gegen ungezügelte Silvesterböllerei vorzugehen. Andere Städte wie Stuttgart, Tübingen oder Karlsruhe haben es vorgemacht, aber es gibt Hürden dafür. „Die Ausweisung von Verbotszonen ist nur möglich, wenn es gesetzliche Grundlagen dafür gibt“, betont das Ludwigsburger Rathaus. Das heißt: Die Feinstaubwerte müssen besonders hoch oder es müssen begründete Sicherheitsbedenken vorhanden sein. Der Wille, in diesem Punkt etwas zu ändern, ist auch bei den konservativen Fraktionen vorhanden. „In manchen Bereichen, etwa rund um den Marktplatz, kann eine Schutzzone sicher sinnvoll sein“, sagt Florian Lutz, der Vizechef der Freien Wähler. Ein grundsätzliches Verbot lehne seine Fraktion jedoch klar ab. Das gilt gleichermaßen für die CDU: „Das ist ein typischer Antrag der Ludwigsburger Grünen“, sagt der Fraktionsleiter Klaus Herrmann. „Verbote, Verbote, Verbote. Sie wollen den Menschen jede Freude verbieten.“

Die Grünen selbst ficht derlei harte Kritik nicht an. Sie verstehen sich nicht als Verbotspartei, sondern sehen ihren Antrag in Bezug auf die professionellen Feuerwerke als Anregung. „Das Blüba und die Schlossfestspiele könnten Vorreiter in Sachen Umweltschutz werden“, sagt der Fraktionschef Michael Vierling. Er sei überzeugt ist, dass ein Verzicht auf die Silvesterböllerei besser zu vermitteln wäre, wenn Blüba und Schlossfestspielen mit „gutem Beispiel vorangehen“.

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