In Plochingen und in Wernau wird derzeit nach Hundesteuerprellern gefahndet – Kontrolleure machen Hausbesuche und suchen nach Indizien.
In Plochingen waren Stand Anfang Mai exakt 479 Hunde gemeldet, was ein einträgliches Sümmchen in die Stadtkasse spülte: So beliefen sich die Hundesteuereinnahmen 2025 auf rund 70000 Euro. Dabei gilt laut Plochinger Hundesteuersatzung: Angemeldet werden muss ein Hund, der älter als 12 Wochen ist, bei der Stadt unverzüglich, spätestens aber innerhalb eines Monats. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, dem drohen Konsequenzen in Form von Steuernachzahlungen und Bußgeldern.
Nun hat die Stadtkämmerei jüngst festgestellt, dass sich die Zahl der Plochinger Hunde über einen längeren Zeitraum hinweg nicht groß verändert hat - und vor allem im Vergleich mit anderen Kommunen mit ähnlich vielen Einwohnern auffällig niedrig ist. Die Vermutung: Da ist was faul im Staate Dänemark.
„Deshalb haben nach einigen Jahren wieder eine Bestandsaufnahme angestoßen“, bestätigt Diana Gaus. Sie ist stellvertretende Amtsleiterin der Plochinger Stadtkämmerei. Bereits 2018 hatte die Stadt eine solche, von einem externen Unternehmen durchgeführte, Untersuchung durchführen lassen: Damals wurden 73 „Schwarzhunde“ erwischt, deren Besitzer ihre Tiere nicht ordnungsgemäß angemeldet hatten.
Hunde in Plochingen – wie hoch ist die Steuer?
Aktuell zahlen Hundehalter in Plochingen jährlich 132 Euro pro Schnauze, jeder weitere Vierbeiner kostet 264 Euro - für beißwütig eingestufte Rassen wie etwa Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier oder Dogo Argentino, Mastiff und Tosa Inu werden 1000 Euro fällig. Immerhin: Die Stadt gab säumigen Hundehaltern bis zum 7. Mai eine Gnadenfrist, innerhalb derer sie ihre Fellnase ohne Bußgeld nachmelden konnten. Mit Erfolg: „Das Angebot wurde angenommen“, bilanzierte Gaus – insgesamt acht Hunde wurden nachgemeldet.
Den Ablauf der Hundebestandsaufnahme hatten die Plochinger im Vorfeld via Homepage, Pressemitteilung und Briefwurfsendung an alle Haushalte bekannt gemacht. Seit dem 8. Mai läuft nun der mit „Klärung vor Ort“ betitelte zweite Teil der Untersuchung. Dabei suchen über einige Wochen hinweg Mitarbeiter des Unternehmens Springer Kommunale Dienste GmbH (Aachen) stichprobenweise Plochinger Haushalte auf.
Besucht werden nur die Haushalte, „die aufgrund sachgerechter Kriterien durch die Stadt mit Hilfe des Dienstleisters ausgewählt wurden. Wohnungen werden dabei nicht betreten und es wird auch nicht nachgeforscht. Die Auskunft erfolgt auf freiwilliger Basis“, wie es in der offiziellen Mitteilung der Stadt heißt. Werden säumige Herrchen oder Frauchen erwischt, wird ein der Situation angepasstes Bußgeld fällig.
Firma sucht nach nicht gemeldeten Hunden
Die Firma Springer führt solche Hundebestandsaufnahmen bereits seit fast drei Jahrzehnten bundesweit durch. Besucht werden dabei laut Firmen-Homepage jährlich mehr als 1 Million Haushalte. Das Unternehmen wirbt damit, dass, „wenn eine Kommune nichts tut, nur 60 bis 75 Prozent der Hundehalter ihren Hund auch wirklich beim Steueramt der Kommune anmelden“. Welche Kriterien einen Hausbesuch der Kontrolleure nach sich ziehen bleibt allerdings ein Geheimnis – auf die entsprechende Anfrage bei der Firma gab es keine Antwort.
Datenschutzrechtlich sei aber laut Homepage alles abgesichert: Die Daten, die ihre Mitarbeiter erfassen, werden sofort verschlüsselt übertragen und können dann nur vom jeweiligen Auftraggeber abgerufen werden. Und was kostet die Gemeinden der Spaß? Nicht viel: Denn in den meisten Fällen bietet Springer diese Dienstleistung mit einer Verrechnung auf Erfolgsbasis an – die Kommunen zahlen dem Privatunternehmen etwa eine Erfolgsprämie von 100 Euro pro entdecktem „Schwarzhund“, was wiederum via Bußgelder und Steuermehreinnahmen gedeckt wird. Auftraggeber kommen aus dem gesamten Bundesgebiet – die Referenzen reichen von Bremerhaven und Kiel über Düsseldorf und Iserlohn bis Stuttgart, Ostfildern und Freudenstadt.
Hunde-Kontrollen auch in Wernau
Und auch in der direkten Plochinger Nachbarschaft, genauer in Wernau, sind aktuell Springer-Mitarbeiter unterwegs: Bereits 2017 hatte die Stadt Wernau ein Hundebestandsaufnahme durchgeführt – das Ergebnis: 49 nicht gemeldete Hunde wurden identifiziert, was laut dem Amt für Steuern, Liegenschaften und Friedhofswesen Steuermehreinnahmen in Höhe von 11,6 Prozent beziehungsweise von 11220 Euro in die Stadtkasse gespült hat. „Die Stadt Wernau rechnet in 2026 mit einem ähnlichen Ergebnis wie 2017“, teilt Amtsleiter Roman Maier mit. Wie hoch das Bußgeld pro erwischtem „Schwarzhund“ sei fallabhängig.
Die diesjährige Hundebestandsaufnahme wurde im Rahmen der Haushaltskonsolidierung 2025 zusammen mit dem Wernauer Gemeinderat beschlossen. Eine Nachmeldefrist wurde säumigen Hundehaltern bis zum 19. April eingeräumt - dabei sind laut Maier „sehr viele“ Nachmeldungen eingegangen. Mit der Firma Springer haben sich die Wernauer auf eine Erfolgsprämie pro Hund geeinigt. „Es entstehen der Stadt Wernau somit keine Kosten“, betont der Amtsleiter. Gemeldet sind in Wernau rund 500 Hunde, die Hundesteuer 2025 belief sich auf 71370 Euro. Die Wernauer Hundebestandsaufnahme wird voraussichtlich bis Ende Mai laufen.
Warum Hundehalter in Deutschland zahlen müssen
Hintergrund Die Hundesteuer in Deutschland ist eine kommunale Aufwandsteuer, die primär dazu dient, die Anzahl der Hunde zu begrenzen und ebenso als Einnahmequelle für den Gemeindehaushalt fungiert. Sie wird historisch als „Luxussteuer“ für den privaten Aufwand der Hundehaltung angesehen und ist nicht zweckgebunden – auch wenn sie oft mit Kosten für Reinigung und Infrastruktur begründet wird. Für Katzen, Pferde und Kleintiere werden aktuell noch keine gesonderten Steuern erhoben.
Pferdesteuer Im Rahmen des Doppelhaushalts 2026/2027 hat die Stadt Reutlingen indes jüngst die Einführung einer Pferdesteuer ab 2027 beschlossen. Konkrete Höhe und Ausgestaltung stehen zwar noch nicht fest, dennoch geht die Reiterszene bereits auf die Barrikaden. Reutlingen wäre übrigens die erste Stadt in Baden-Württemberg mit einer solchen Steuer – angesichts der Kritik sowie der noch ausstehenden Verwaltungsprüfung bleibt allerdings abzuwarten, ob diese Steuer tatsächlich eingeführt wird.