Um Unfälle und Schäden zu vermeiden, bessert Markus Schroth Schlaglöcher aus. Foto: Eileen Breuer

Damit der Verkehr fließt, bessert der Streckenwart Markus Schroth auf der Bundesstraße Schlaglöcher aus oder sammelt tote Tiere ein. Nur wenige Meter von ihm entfernt rauschen Autos mit hoher Geschwindigkeit vorbei. Unterwegs auf der B 27.

Filder - Mit der Hand am Steuer lässt Markus Schroth seinen Blick wie ein Adler über die Bundesstraße gleiten. Rund um die B 27 lenkt er den Sprinter mit orangefarbenem Verdeck durch sein Revier. Als er auf dem Standstreifen eine Radkappe erspäht, setzt er den Blinker, bremst ab und schaltet seine Warnleuchten an.

Schroth ist als Streckenwart im Fildergebiet unterwegs. Er arbeitet bei der Straßenmeisterei Deizisau im Straßenbauamt des Landratsamts Esslingen. Weil dieses eine Unterhaltungsvereinbarung mit der Stadt Stuttgart hat, kümmern deren Mitarbeiter sich auch um die B 27 im Abschnitt zwischen Walddorfhäslach und Stuttgart-Sonnenberg, obwohl der teils auf der Gemarkung der Landeshauptstadt liegt. Die Mitarbeiter pflegen unter anderem die an Straßen angrenzenden Grünflächen, reinigen die Fahrbahn, räumen den Schnee, halten Verkehrszeichen in Schuss oder beseitigen Unfallschäden.

Auch Banner mit Heiratsanträgen, die Verliebte an Brücken befestigen, muss Schroth abhängen, erzählt der Streckenwart. Diese könnten sich im schlimmsten Fall von der Befestigung lösen und den Autofahrern die Sicht nehmen – schwere Unfälle können die Folge sein. Als Streckenwart kontrolliert Schroth etwa 100 Kilometer. Er scannt die Straßen auf kaputte Schilder, Schlaglöcher oder Gegenstände, die zum Verkehrshindernis werden könnten – wie beispielsweise die Banner. Ist es ihm möglich, behebt er die Gefahren und Schäden sofort, andernfalls meldet er sie später oder ruft seine Kolonne hinzu.

Im Falle der Radkappe handelt er unverzüglich. „Die Radkappe ist leicht. Der nächste Laster, der kommt, wirbelt sie auf, und sie landet vielleicht auf der Fahrbahn“, sagt Schroth. Sie könnte dann für Autofahrer zum tödlichen Geschoss werden. Schroth muss etwa hundert Meter auf dem Standstreifen rückwärtsfahren, bis er den Wagen kurz vor der Radkappe zum Stehen bringt. Mehrmals blickt er über seine Schulter, Zentimeter entfernt rauschen tonnenschwere Lastwagen an ihm vorbei. Dann reißt er die Tür auf.

Arbeitskleidung in grellem Orange

Um in solchen Situationen nicht von einem Lastwagen übersehen zu werden, trägt Schroth Arbeitskleidung in einem grellen Orange. „Wir sehen aus wie Glühwürmle, trotzdem weichen die Fahrer uns oft erst spät aus“, sagt Schroth. Er wisse von ehemaligen Kollegen, die während ihrer Arbeit lebensgefährlich verletzt wurden. Deshalb schätzt er die Gefahr immer ab, bevor er sich an die Arbeit macht: „Die Angst muss man unterdrücken. Man sollte den Kopf anschalten, bevor man aussteigt, denn auf die anderen Verkehrsteilnehmer kann man sich nicht verlassen.“

Der Streckenwart fährt auf der B 27 an einem toten Tier vorbei, das auf dem Mittelstreifen liegt. Dieses wegzuräumen, gehört ebenfalls zur Aufgabe der Straßenmeisterei, sagt Daniela Bayer vom Straßenbauamt im Kreis Esslingen, denn: „Die Autofahrer treten auf die Bremse oder machen einen Schlenker. Dadurch werden sie selbst zum Verkehrshindernis.“ Doch mitten auf der Bundesstraße anzuhalten, wäre für den Streckenwart zu gefährlich. Deshalb entscheidet Schroth, nicht abzubremsen. Stattdessen wird er das Tier später melden, damit eine Kolonne der Straßenmeisterei sich des Kadavers annimmt. Die Mitarbeiter stellen dann eine Vorwarntafel, eine Absperrtafel sowie einen Lastwagen auf, erst dahinter folgt das Arbeitsfahrzeug mit dem Streckenwart. „Wir versuchen dadurch, eine Knautschzone zu schaffen, sodass im Falle eines Unfalls nur das Material Schaden nimmt und nicht unsere Mitarbeiter“, sagt Bayer.

Straßenmeisterei ist nicht Tag und Nacht besetzt

Wer ein totes Tier sichtet, solle nicht bei der Straßenmeisterei anrufen, sondern im besten Falle die Polizei verständigen, sagt Bayer. Denn die Straßenmeisterei ist nicht Tag und Nacht besetzt. Handelt es sich um Wild, fällt es in den Zuständigkeitsbereich von Förstern, erklärt Bayer. Wer Wildschweine oder Rehe, statt sie zu melden, einfach in den Kofferraum lade, mache sich nicht nur der Wilderei strafbar, sondern gehe auch ein gesundheitliches Risiko ein. Die Mitarbeiter der Straßenmeisterei sammeln vor allem kleinere Tiere wie Marder oder überfahrene Katzen ein.

Streckenwart Schroth packt die Tiere in einen Plastiksack: „Das geht einem nah, aber man darf das nicht an sich heranlassen“, sagt er. Die Tierkadaver landen dann in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt.​ Nur selten erfahren die Halter vom Verbleib ihrer Vierbeiner. In Zukunft soll die Straßenmeisterei Deizisau deshalb ​mit Chiplesegeräten ausgestattet werden. So können die Mikrochips der Haustiere gelesen und die Informationen an eine Datenbank übermittelt werden.

Bisher gehört ein solches Lesegerät jedoch noch nicht zur Ausstattung von Schroths Sprinter. Dieser gleicht einer fahrenden Werkzeugkiste: Bohrer, Spachtel, Rohrabschneider und Besen finden sich in dem Fahrzeug. Mit dem Kaltasphalt aus dem Kofferraum füllt Schroth regelmäßig Schlaglöcher, wie eines bei der B-27-Auffahrt in Möhringen. Am Ende seiner Schicht füllt der Streckenwart einen Bericht aus, in welchem er Straße, Uhrzeit und Vorfall vermerkt. Am nächsten Tag geht die Arbeit dann von vorne los.

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