Auf der Suche nach Straftätern: Großkontrolle von Fernbusreisenden am Flughafen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Wo stecken die reisenden Einbrecher, wenn sie sich auf den Weg zum Tatort machen? Die Polizei versucht sie in Autos, in der Bahn oder in Fernbussen ausfindig zu machen. Derzeit häufen sich Wohnungseinbrüche in der Region.

Stuttgart - Das Empfangskomitee steht bereit. Etwa 50 Beamte haben am Westeingang der Landesmesse eine kleine Zeltstadt errichtet, um die Passagiere von Fernbussen, die am Freitagabend am neuen Busbahnhof am Stuttgarter Flughafen ankommen oder abfahren wollen, unter die Lupe zu nehmen. „Wir suchen vorrangig Einbruchswerkzeug und mögliche Beutestücke“, sagt Einsatzleiter Hans-Peter Seidenfuß. Denn die Polizei weiß: Reisende Einbrecher aus Osteuropa reisen auch gerne mit Fernbussen zu den Tatorten an – und wieder ab.

In Stuttgart und den umliegenden Landkreisen sind Wohnungseinbrecher gerade wieder höchst aktiv. Allein in Stuttgart hat es in den ersten 40 Tagen des Jahres mehr als 100 Einbrüche und Einbruchsversuche gegeben. Am Freitag wurden vier neue Fälle aus Untertürkheim, Obertürkheim und in Vaihingen gemeldet. Die Beute: Schmuck für mehrere Tausend Euro. Jedoch scheint die Landeshauptstadt derzeit nicht mehr der Schwerpunkt für die Täter zu sein – sondern die umliegenden Landkreise.

Der Kreis Esslingen zum Beispiel, für den Polizeirat Seidenfuß als Leiter des Verkehrskommissariats Esslingen zuständig ist. Die Spur zieht sich vom Flughafen über die Filder nach Süden: Seit Mittwoch sind in Nürtingen und Wolfschlugen drei Wohnungseinbrüche begangen worden. Zuletzt wurde in Nürtingen aus einem Einfamilienhaus Schmuck und Geld gestohlen.

Der typische Fall eines Täters aus Bosnien

Woher die Täter stammen können, zeigt eine vor wenigen Tagen geklärte Serie im Bereich Kirchheim/Teck. Die Polizei machte am 22. Februar einen 35-jährigen Bosnier als Tatverdächtigen dingfest. Wie der in Sarajevo gebürtige Mann nach Deutschland gekommen war, steht noch nicht fest – er hätte freilich gar nicht im Land sein dürfen. Schließlich war er 2015 wegen einschlägiger Diebstahlsdelikte in Rheinland-Pfalz verurteilt worden. Dennoch hatte er bei einer 41-jährigen Frau in Owen/Teck Unterschlupf gefunden, die ebenfalls wegen Einbruchsdiebstahls polizeilich bekannt ist. Beide sitzen in U-Haft.

Mit der Großkontrolle bei Landesmesse und Flughafen geht die Polizei in den Kreisen Esslingen, Reutlingen und Tübingen einen anderen Weg als das Polizeipräsidium Stuttgart. In der Landeshauptstadt gibt es mehr verdeckte Einsätze der Verkehrspolizei: Beamte in Zivil „schwimmen“ als Autofahrer im Verkehr mit und halten Ausschau nach passenden Autos mit verdächtigen Insassen. Auf diese Weise, die sogenannten Verkehrswegefahndung, wurde schon mancher Einbrecher überrascht – unter anderem ein 19-Jähriger aus Zuffenhausen, der mit zwei Komplizen für eine Serie in Stuttgart und Ludwigsburg verantwortlich sein soll. Er war mit drei Mitstreitern mittags in Bad Cannstatt in einem Mercedes unterwegs, als er von den Fahndern angehalten und kontrolliert wurde. Eine Großkontrolle hätte er vielleicht vorher bemerken und ausweichen können.

2016 deutlich weniger Wohnungseinbrüche

Bei der Aktion am Freitag auf dem Parkplatz bei der Messehalle 9 geht als erstes ein 31-jähriger Serbe ins Netz, der von der Staatsanwaltschaft Frankfurt zur Aufenthaltsermittlung wegen eines Betrugsdelikts gesucht wird. In diesem Bus von Essen nach Novi Pazar in Serbien sitzen außerdem drei Fahrgäste mit Verdacht auf illegalen Aufenthalt.

Beim letzten Mal Ende November 2016 hatten die Beamten eine geladene Schreckschusspistole gefunden. Und drei hochwertige Mountainbikes, erst Tage zuvor gestohlen. „Die Besitzer haben sich über unsere Kontrollaktion gefreut“, sagt Seidenfuß. Ein Charge von Fußballtrikots des FC Barcelona interessierte den Zoll – die Leibchen waren nämlich Plagiate.

Einbruchsalarm im Kreis Ludwigsburg

Offenbar ist auch der Kontrolldruck wichtig. 2016 schien das abzuschrecken: Im vergangenen Jahr waren die Wohnungseinbrüche landesweit deutlich rückläufig. Vor allem in Stuttgart, aber auch in den Kreisen Esslingen, Böblingen und Ludwigsburg. Dass man sich auf solchen Lorbeeren aber nicht ausruhen kann, zeigen die letzten Tage. Nach einer großen Welle in Stuttgart im Januar und Februar herrscht derzeit im Kreis Ludwigsburg Alarm. Besonders beliebt bei den Einbrechern sind neben Ludwigsburg mit 20 Fällen auch Asperg mit sieben und Tamm mit sechs Fällen. Dabei muss es sich freilich nicht immer um reisende Täter handeln: In Ludwigsburg wurde ein 38-Jähriger dingfest gemacht, der von einer Anwohnerin überrascht wurde. Ein ortsansässiger Täter – nunmehr ansässig in Untersuchungshaft.

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