Mitgliederversammlung der Stuttgarter Kickers Präsident Rainer Lorz bleibt – aber nur noch die kommende Amtszeit

Von Jürgen Frey 

Seit 2010 Präsident der Stuttgarter Kickers: Rainer Lorz. Foto: Baumann
Seit 2010 Präsident der Stuttgarter Kickers: Rainer Lorz. Foto: Baumann

Jetzt ist es amtlich: Rainer Lorz bleibt Präsident der Stuttgarter Kickers. Die Mitglieder hatten dem Aufsichtsrat, der den Präsidenten bestellt, das Vertrauen geschenkt. Lorz musste ein Jahresdefizit von 394 000 Euro verkünden, konnte aber auch einen Ex-Spieler als Neuzugang fürs Präsidium präsentieren.

Stuttgart - Um 22.40 Uhr stand im SSB-Waldaupark fest: Bei den Stuttgarter Kickers herrscht auch nach dem Abstieg in die Fußball-Oberliga weiter Kontinuität in der Führungsetage. Bei der Mitgliederversammlung wurde der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Christian Dinkelacker mit 187 Ja-Stimmen von den 216 anwesenden Mitgliedern wiedergewählt. Daraufhin bestellte das höchste Kontrollgremium des Vereins wie bereits angekündigt Rainer Lorz (seit 2010 im Amt) erneut zum Präsidenten. „Ich möchte das Kickers-Schiff wieder auf Kurs bringen“, betonte Lorz, für den es aber die letzte Amtsperiode sein wird. Auch Aufsichtsratschef Dinkelacker stellte am späten Abend klar: „Ich werde definitiv in drei Jahren nicht mehr kandidieren.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzte der 54-Jährige: „Ich bin ja schon länger im Amt als Bundeskanzlerin Angela Merkel.“ Doch zunächst möchte der Vorsitzende des Kontrollgremiums, dem er seit 2005 angehört, den eingeschlagenen Weg des Präsidiums tatkräftig unterstützen.

Rainer Lorz konnte im Zuge seiner Wiederwahl gleich einen Neuzugang fürs Präsidium bekannt geben: Es handelt sich um Rainer Thiel (69), ehemaliger Daimler-Spitzenmanager und früherer Spieler, der für die Blauen 127 Partien in der Regionalliga Süd und der zweiten Liga absolvierte. Um die sportfachliche Kompetenz weiter zu stärken, gibt es laut Präsident Lorz Überlegungen, den Sportdirektor Martin Braun als assoziiertes Mitglied ins Präsidium mit aufzunehmen: „Eine engere Verzahnung ergibt durchaus Sinn.“

Hofmann und Kindler neu im Aufsichtsrat

Aus dem bisherigen Aufsichtsrat schied Christian Mauch aus, der dem Verein weiterhin als Sponsor und Partner im medizinischen Bereich erhalten bleibt. Bereits im vergangenen Jahr hatten Gerhard Sorg und Christoph Dietrich ihr Amt niedergelegt. Neu im Gremium sind Ralf Hofmann, Vorstandsvorsitzender vom Kickers-Hauptsponsor MHP und Jürgen Kindler, Geschäftsführer beim Bauunternehmen und Kickers-Club-Partner Kratzer & Rieber.

Jahresdefizit 394 000 Euro

Auf der Mitgliederversammlung vermeldeten die Kickers ein Jahresdefizit in Höhe von 394 000 Euro. Lorz sah aber dennoch positive Aspekte: „Wir konnten das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahr deutlich um mehr 1,2 Millionen Euro verbessern und haben operativ ein Minus in einer Größenordnung um 200 000 Euro zu verzeichnen“, sagte der 55-Jährige und blickte vorsichtig optimistisch in die Zukunft. „Zugleich haben wir aber unsere Bilanz durch die Auflösung der Stuttgarter Kickers Beteiligungs-KG bereinigt und in diesem Zuge eine Abschreibung in Höhe von zusammen rund 400 000 Euro vorgenommen. Zusammen mit gegenläufigen außerordentlichen Effekten kommen wir auf den Jahresfehlbetrag von 394 000 Euro.“ Das auf drei Millionen Euro angewachsene negative Eigenkapital sieht er als nicht existenzbedrohend an. Entscheidend sei eine positive Fortführungsprognose. Und die hält Lorz für gegeben: Er geht für die aktuelle Spielzeit davon aus, einen leichten Jahresüberschuss zu erzielen.

Mannschaft erstmals nicht im Anzug

Der dürfte aber nur erreicht werden, wenn die Mannschaft bis zum Schluss auch um den Aufstieg spielt. An diesem Samstag (14 Uhr) geht es im Schlagerspiel zum FC Nöttingen. „Wir werden uns optimal darauf vorbereiten“, sagte Trainer Tobias Flitsch. Am Montag besuchte er mit seinem Trainerteam und den Spielern im SSB-Waldaupark aber erst einmal die Mitgliederversammlung. Allesamt übrigens im Trainingsoutfit und nicht wie in den vergangenen Jahren im Anzug. Eine sympathische und weise Entscheidung: Schließlich spielen die Kickers in der fünften Liga und nicht in der Champions League.

Präsidium

Rainer Lorz (55, Rechtsanwalt) steht an der Spitze. Dazu kommen Niko Kleinmann (51, Wirtschaftsprüfer), Ingo Kochsmeier (49, Mitglied der Geschäftsführung mhplus), Holger Schäfer (61, Geschäftsführer CCP Condor Computer), Rainer Thiel (69, ehemaliger Spieler und Pensionär).

Aufsichtsrat

Christian Dinkelacker (54, Unternehmer) leitet das Kontrollgremium. Stellvertreter ist Alexander Lehmann (49, Geschäftsführer Minol GmbH). Die weiteren Mitglieder sind: Philip Pfeiffer (39, Selbständiger), Olaf Gerber (51, Rechtsanwalt und Notar), Lutz Meschke (51, Vorstand Finanzen und IT der Porsche AG), Ralf Hofmann (55, Vorstandsvorsitzender MHP – A Porsche Company), Jürgen Kindler (46, Geschäftsführer von Kratzer & Rieber Hoch- und Stahlbetonbau).

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