Die Regierung hat am Dienstag die offizielle Corona-Warn-App veröffentlicht. Wer von der App gewarnt wird, hat laut Gesundheitsministerium auch Anspruch auf einen Covid-19-Test. Foto: dpa/Michael Kappeler

Die Bundesregierung hat am Dienstag die Corona-Warn-App veröffentlicht, um Infektionsketten mit Covid-19-Infizierten möglichst schnell zu unterbrechen. Wir haben die App ausprobiert und erklären, worauf Sie achten müssen.

Stuttgart - Rund drei Monate nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie in Deutschland hat die Bundesregierung am Dienstag die „Corona-Warn-App“ vorgestellt. Die Anwendung soll Infektionsketten unterbrechen, indem die Nutzer freiwillig Daten untereinander austauschen.

Das Ziel: Wer sich länger als 15 Minuten in der Nähe eines positiv auf Covid-19 getesteten App-Nutzers aufgehalten hat, der soll möglichst früh informiert werden, um sich in Isolation zu begeben und testen zu lassen. Damit sollen Ansteckungen verhindert werden, bevor der Infizierte die ersten Symptome spürt.

Wir haben die App ausprobiert und erklären, wie sie funktioniert.

Kann ich die App auf meinem Smartphone installieren?

Mit Suchbegriffen ist die „Corona-Warn-App“ in den App-Stores noch schwer zu finden. Die App ist aber sowohl für Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android als auch für iPhones von Apple verfügbar. Das Smartphone muss Bluetooth Low Energy beherrschen, um mit Geräten in der Nähe kommunizieren zu können. Die Funktechnik für den Nahbereich ist mittlerweile aber Standard bei fast allen Smartphones. Eine Altersbeschränkung gibt es nur bei Apple, Nutzer müssen dort mindestens 16 Jahre alt sein für den Download.

Allerdings läuft die Warn-Anwendung nicht auf allen Geräten. Bei Android muss mindestens die Version 6.0 installiert sein, die vor etwa fünf Jahren veröffentlicht worden ist. Auf iPhones muss hingegen die wenige Wochen alte iOS-Version 13.5 installiert sein. Dieses Update steht für alle Nutzer bereit, die ein iPhone 6s oder ein neueres Modell haben. Huawei-Nutzer mit neueren Modellen ohne den Google Play Store müssen sich noch gedulden. Das Unternehmen hat angekündigt, die Anwendung auch für die App Gallery zu veröffentlichen.

Wie bediene ich die App?

Das Menü ist übersichtlich aufgebaut und leicht zu bedienen. Auch bei der Datenschutzerklärung haben sich die Entwickler bemüht, möglichst einfache Formulierung zu verwenden. Der Nutzer stimmt dabei zu, verschlüsselte Zufallscodes senden und empfangen zu dürfen. Dafür muss der virtuelle Schalter zur „Risiko-Ermittlung“ umgelegt werden. Von diesem Moment an prüft die App per Bluetooth, ob ein weiteres Smartphone mit der Corona-Warn-App in der Nähe ist. Auf Android-Geräten müssen zudem Ortungsdienste zugelassen werden, auch wenn der Aufenthaltsort nicht gespeichert wird. Google benötigt die GPS-Daten nach eigenen Angaben, um Bluetooth-Geräte in der Nähe zu orten.

Neben dem Bluetooth-Chip benötigt die App auch Zugriff auf die Kamera. Das ist aber nur dann nötig, wenn man von einem Testlabor einen QR-Code mit dem Ergebnis eines Covid-19-Tests zugeschickt bekommt. Erst wenn dieser einmal gültige Code eingescannt wird, werden Kontaktpersonen gewarnt. Mit den QR-Codes soll ein Missbrauch der App verhindert werden.

Muss ich die Anwendung installieren?

Nein. Die Regierung weist immer wieder darauf hin, dass die Installation der App freiwillig ist. Allerdings befürchten Kritiker, dass Arbeitnehmer in Betrieben unter Druck gesetzt werden könnten. Mehrere Unternehmen wie die Telekom haben am Dienstag angekündigt, dass sie ihre Mitarbeiter zum Download ermutigen wollen. Doch einen Zwang soll nicht geben und auch von Belohnungen für App-Nutzer rät die Bundesregierung ab.

Welche Daten muss ich preisgeben?

Die App sendet über das Handy alle zwei bis fünf Minuten ein Signal ins direkte Umfeld, das vier Sekunden lang dauert. Bei diesen Daten handelt es sich um zufällig generierte Zahlencodes, die sich alle zehn bis 20 Minuten ändern. Über das Smartphone oder den Nutzer werden keine Infos übermittelt.

Alle zwei Wochen werden diese gesammelten Codes gelöscht. Wer Daten vom Server abruft, um mögliche Kontakte mit einem Infizierten zu überprüfen, übermittelt seine IP-Adresse. Diese Adresse soll jedoch laut den Entwicklern maskiert sein und keine Rückverfolgung zulassen.

Wie hoch ist das Sicherheitsrisiko?

Die Infektionseinschätzung wird mit einer Formel des Robert-Koch-Instituts anhand mehrerer Daten wie Kontaktdauer, Abstand, Inkubationszeit und Ansteckungsgefahr direkt auf dem Telefon berechnet. Da die Daten nicht zentral auf einem Server gespeichert werden und pseudonym verschickt werden, ist die Chance gering, dass Daten von Behörden oder kriminellen Hackern ausgelesen und zurückverfolgt werden können. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Quellcode öffentlich ist. Damit haben Hacker die Möglichkeit, die Software auf Lücken zu überprüfen und die Entwickler darauf hinzuweisen.

Die Bluetooth-Technologie kann auf älteren Geräten jedoch zu einem Risiko werden, wenn der Funkchip dauerhaft aktiviert ist. Sicherheitsexperten hatten erst vor einigen Wochen entdeckt, dass auf älteren Geräten mit Android 8 und 9 über Bluetooth auch Schadsoftware eingeschleust werden kann. Das Risiko lässt sich in der Regel nur vermeiden, indem Bluetooth ausgeschaltet wird. Aber dann funktioniert die App eben auch nicht mehr.

Warum sollte ich die App herunterladen?

Die App soll zwei Funktionen erfüllen: Einerseits sollen Infizierte die Chance bekommen, Mitmenschen zu warnen, in deren Nähe sie sich länger als 15 Minuten aufgehalten haben. Andererseits sollen Nutzer mit einer möglichen Infektion schnell informiert werden, um sich rasch zu isolieren und testen zu lassen. Wer per App gewarnt wird, erhält auch Anspruch auf einen Covid-19-Test, teilte Gesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag mit.

Da keine Ortsdaten gesammelt werden und das Infektionsrisiko direkt auf den Smartphones berechnet wird, verzichtet die Regierung auf eine Übersicht der Infektionen. Davon profitieren die Nutzer, da ihre Daten wesentlich sicherer sind. Auch wenn die App recht spät erschienen ist, spricht kaum etwas dagegen, die App nicht zu installieren. Denn je mehr Menschen mitmachen, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Warnungen ankommen und Gesundheitsämter entlastet werden.

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