Die Wilhelmschule ist wieder in der Diskussion. Foto: factum//Simon Granville

Statt 18,6 Millionen Euro soll die Modernisierung der Konrad-Kocher-Schule nun 32,9 Millionen Euro kosten. Ein Schock für die Stadträte – und Anlass, die längt beendete Debatte um die Wilhelmschule wieder aufflammen zu lassen.

Ditzingen - Lang und kontrovers war die Diskussion geführt worden, damals, im Jahr 2015. Sollte die Wilhelmschule, also die älteste Schule im Ort, wirklich dicht gemacht werden? Letztlich beschloss der Gemeinderat, die Grundschule in der Ortsmitte aufzugeben. Statt dessen sollte die zentrale Grundschule der Kernstadt am Standort der Konrad-Kocher-Schule am Ostrand des Ortsteils entstehen. Nun könnte doch wieder alles anders kommen. Zumindest dann, wenn die CDU kommende Woche erneut einen Vorstoß macht – und damit erfolgreich sein sollte.

Die Christdemokraten hatten diese Woche im Ausschuss für Finanzen, Kultur und Soziales beantragt, die Entscheidung zu revidieren. „Die bisherigen Beschlüsse fußen auf der Annahme, dass sich die Konrad-Kocher-Schule (KKS) wirtschaftlich zur zentralen Grundschule umbauen und sanieren lässt. Nunmehr sind wir alles in allem bei knapp 35 Millionen Euro“, sagte der Chef der CDU-Gemeinderatsfraktion, Sven Sautter. Damit sei die KKS-Maßnahme vergleichbar der Wilhelmschule – „nur dass, nach wie vor, die Wilhelmschule zentral liegt und die Schüler fußläufig die Schule erreichen können“.

Kostensteigerung begründet neuen Vorstoß

Anlass für den neuerlichen Vorstoß der Christdemokraten war die von der Verwaltung vorgelegte Kostenfortschreibung. Demnach muss der Gemeinderat damit rechnen, dass die Sanierung des Grundschulgebäudes und ein gleichzeitiger Neubau des einstigen Hauptschulgebäudes 32,9 Millionen Euro kostet. Das sind 14,3 Millionen Euro mehr, als bisher veranschlagt. Entscheidungsgrundlage damals war die Annahme gewesen, am wirtschaftlichsten sei die Sanierung beider Gebäude für zusammen 18,6 Millionen Euro.

„Wir müssen politisch den Mut haben, noch einmal innezuhalten, auch wenn es allen schwer fällt“, warb Sautter. Zumal nach dem Abriss der Turnhalle der Wilhelmschule mehr Außenfläche für das Projekt zur Verfügung stünde. Die Turnhalle war 2012 durch ein bei Bauarbeiten verursachtes Feuer derart zerstört worden, dass sie wenig später abgerissen wurde. Der Ersatz für die Schul- und Trainingshalle entsteht derzeit im Schul- und Sportzentrum Gröninger Straße.

Von den Vertretern aus den Reihen der Freien Wähler, SPD und Grüne erhielten die Christdemokraten in dieser Sitzung kaum Unterstützung. Sie habe fast damit gerechnet, kommentierte die SPD-Fraktionschefin Sabine Roth den Vorstoß der CDU. Die Christdemokraten hatten im Rahmen der Schulentwicklungsdebatte seit jeher für den Standort der denkmalgeschützten Wilhelmschule plädiert. Sie begründeten dies mit dem Schlagwort „Kurze Beine – kurze Wege“. Daran hält die Fraktion auch weiterhin fest.

Keine Mehrheit im Ausschuss

Roth hielt nichts davon, die Grundsatzdiskussion erneut zu führen – zumal man damit auch ein großes städtebauliches Grundstück im Zentrum aufgeben würde. Zudem sei nicht dieses, sondern ausschließlich das Areal der Konrad-Kocher-Schule erweiterungsfähig. Auf die begrenzte Entwicklungsfähigkeit des innerstädtischen Geländes verwies unter anderem auch der Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos). Die Entscheidung für den Standort Wilhelmschule „bringt keine Ersparnis, sondern nur die Frage, was machen wir mit dem Standort Konrad-Kocher-Schule“.

Die Kostensteigerung der Schulmodernisierung um 14,3 auf 32,9 Millionen Euro erklärten die Fachplaner unter anderem mit der angepassten Planung – die Schule wird sechs- statt fünfeinhalbzügig – und den gestiegenen Baukosten.

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