Der Fotograf Konrad Gaag sammelt seit Jahren Impressionen vom Karneval in Venedig – wegen Corona muss seine Ausstellung warten. Foto: Konrad Gaag

Wenn der Esslinger Fotograf Konrad Gaag mit seiner Kamera auf die Pirsch geht, bringt er reizvolle Impressionen mit nach Hause. Set mehr als 20 Jahren gehört Venedig zu seinen liebsten Reisezielen. Vor allem der Karneval in der Lagunenstadt hat es ihm angetan. Gerne würde er Bilder der kunstvollen Masken und Kostüme in einer Ausstellung zeigen, doch in Zeiten von Corona muss er sich gedulden.

Esslingen - Jeder hat irgendwo auf der Welt seine Sehnsuchtsorte, an die es ihn immer wieder zurückzieht – am liebsten leibhaftig, zumindest aber in Gedanken. Der Esslinger Fotokünstler Konrad Gaag hat auf seinen Reisen schon so manchen Sehnsuchtsort auserkoren. Einer liegt ihm besonders am Herzen: Venedig. Gaag erinnert sich noch gut daran, wie er die Lagunenstadt vor mehr als zwei Jahrzehnten für sich entdeckt hat: „Als ich zum ersten Mal den Canale Grande gesehen habe, war ich überwältigt. Diesen Eindruck werde ich nie vergessen.“ Seither zieht es Konrad Gaag und seine Frau Renate immer wieder dorthin – am liebsten zum venezianischen Karneval. Dort lässt sich der versierte Fotograf von der Farbenpracht und der Kreativität der kunstvollen Masken und Kostüme immer wieder aufs Neue verzaubern. Und er hat schon unzählige Porträts der unterschiedlichsten Maskenträger mit seiner Kamera festgehalten.

 

Weil Reisen in Coronazeiten keine Option sind, wollte Konrad Gaag im Frühjahr in der Spinnerei des Esslinger Vereins Kultur am Rande pünktlich zur Faschingszeit eine Ausstellung seiner schönsten, eindrucksvollsten, originellsten und kreativsten Maskenfotos zeigen. Doch auch da hat ihm Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht – die Präsentation musste abgesagt werden, noch ehe sie begonnen hatte. Dass eine solche Ausstellung in die Zeit passen würde, ist für Gaag keine Frage: „Masken sind derzeit in unserem Leben allgegenwärtig. Medizinische Masken sind Mittel zum Zweck und müssen sein, um uns vor dem Virus zu schützen. Wir sollten darüber aber nicht vergessen, dass Masken auch ein Stück Kulturgeschichte sind – und dass sie sich beim Karneval in Venedig von einer ihrer schönsten und kunstvollsten Seiten zeigen.“

Einlassen auf Menschen und Motive

Wie viele andere Touristen auch, hat Konrad Gaag bei seinem ersten Besuch in Venedig in Kiosken und Souvenirshops in den unzähligen Kalendern und Bildbänden geblättert, in denen Bilder vom Karneval festgehalten sind. Was er dort sah, hat ihn inspiriert – und seinen Ehrgeiz herausgefordert: „Jeder Venedig-Besucher, der zur Zeit des Karnevals zu Besuch ist, knipst die Maskenträger. Manchmal tun sie mir fast ein bisschen leid, wenn sie an jeder Ecke Dutzende Male von irgendwelchen Leuten für deren Familienalben abgelichtet werden.“ Da kann es schon mal passieren, dass sich der versierte Esslinger Fotograf die Kamera der unbedarften Hobby-Knipser geben lässt, um ihre Motive in ein professionelleres Licht zu rücken: „Jeder soll schließlich eine schöne Erinnerung mit nach Hause nehmen.“

Einfach nur mit der Kamera draufhalten – das ist Gaags Sache nicht. „Man muss sich auf Menschen und Motive einlassen und versuchen, mehr als nur den vordergründigen Eindruck zu erfassen. Wenn man jemanden ablichtet und ihn spüren lässt, dass man ihn nicht nur als Objekt sieht, schlägt sich das in den Fotografien nieder. Der Betrachter erkennt sofort, ob ein Bild eine Seele hat oder nur ein eiliger Schnappschuss ist.“ Es ist eine der besonderen Gaben des Fotografen Konrad Gaag, dass er rasch mit Menschen ins Gespräch kommt und eine Stimmung entstehen lässt, die Vertrauen schafft. Das Gegenüber fühlt sich locker und bewegt sich unbefangen vor der Kameralinse.

Wenn die Bilder im Kasten sind, geht der Fotokünstler nicht einfach weiter. Er lässt sich von den Maskenträgern ein Visitenkärtchen geben, damit er ihnen hinterher als Zeichen der Wertschätzung und als ein kleines Dankeschön fürs Posieren professionelle Papierabzüge ihrer Bilder zukommen lassen kann. Und er hört ihre Geschichten und erfährt viel über ihre Motivation. Denn so kunstvoll maskiert zum Karneval in Venedig zu kommen und oft ein, zwei Wochen lang zu bleiben, ist bei vielen Ausdruck einer Lebenseinstellung. „Die richtig schönen Outfits sind sehr aufwendig gemacht und teuer“, weiß Gaag. „Oft werden Masken und Kostüme im Laufe des Tages mehrfach gewechselt – jedes Outfit ist eine stattliche Investition in Zeit und Geld. Und wer nicht nur für eine kurze Stippvisite zum Karneval kommt, sondern für längere Zeit hier bleibt, lässt sich das einiges kosten.“

Bleibende Verbindungen

Konrad Gaag und seine Frau Renate haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten viele interessante Maskenträger aus den unterschiedlichsten Ländern kennengelernt. Vielen begegnet er immer wieder – nicht nur in Venedig, sondern zum Beispiel auch bei der venezianischen Messe in Ludwigsburg. Und es sollte nicht überraschen, wenn der Esslinger vorsorglich einen Stapel voller Bilder dabei hat, die er in Venedig aufgenommen hatte. „Wenn man dieselben Leute dann in Ludwigsburg trifft und ihnen ihre Aufnahmen in die Hand drückt, sind sie erst mal total verblüfft, weil sie damit am allerwenigsten gerechnet hatten. Hinterher ist ihre Freude dann der schönste Lohn. Solche Erlebnisse wirken verbindend.“

Wenn Konrad Gaag in seinem reich bestückten Fundus fotografischer Impressionen vom Karneval in Venedig blättert, werden immer wieder Erinnerungen wach. „Jedes Bild hat seine eigene Geschichte“, erzählt er. „Und gerade jetzt, wenn Reisen nicht möglich sind, ist es umso schöner, wenn man zumindest gedanklich an einen Sehnsuchtsort zurückkehren kann.“ Liebend gern würde der Esslinger Fotograf seine Erinnerungen an unbeschwerte Zeiten beim Karneval in Venedig mit anderen teilen, doch eine geplante Ausstellung in der Spinnerei des Vereins Kultur am Rande musste wegen Corona abgesagt werden. „Wir hoffen trotzdem weiter, dass sich die Coronalage bis zum Herbst so weit entspannt hat, dass die geplante Ausstellung dann endlich nachgeholt werden kann. Gerade jetzt sehnen sich viele Menschen doch nach etwas Schönem. Und nach einer Zeit, in der Masken nicht nur medizinischen Zwecken dienten.“