Die neuen Landessprecher Theresa Fidušek (von links) und Jaron Immer wollen eigene Schwerpunkte im Landtagswahlkampf setzen – wird es ungemütlich für Cem Özdemir? Foto: Lichtgut/dpa

Konfrontation und Widerworte waren im vergangenen Jahr nicht von der Grünen Jugend in Baden-Württemberg zu hören. Das könnte sich mit den beiden neuen Landessprechern ändern.

Während es um die Grüne Jugend auf Bundesebene im vergangenen Jahr reichlich Aufruhr gab, blieb es in Baden-Württemberg vergleichsweise ruhig. Brav distanzierten sich die hiesigen Landessprecher von der umstrittenen Bundessprecherin Jette Nietzard. Laute Initiativen oder Konfrontation mit der Parteispitze? Fehlanzeige. Doch vor einigen Wochen wählte der baden-württembergische Jugendverband neue Landessprecher, wie die Vorsitzenden bei der Grünen Jugend in alter Tradition heißen. Ändert sich jetzt etwas?

 

Gegenposition zu auf Özdemirs Linksruck-Warnung

Theresa Fidušek (23) und Jaron Immer (20) arbeiten erst kurzem zusammen, aber sie wirken wie ein eingespieltes Team. Vor allem wissen sie, was sie wollen: „Wir werden zur Landtagswahl voraussichtlich andere Schwerpunkte setzen als die Partei“, sagt Immer, der schon bei der Bundestagswahl in Reutlingen kandidierte. „Wir setzen unsere grün-linken Positionen“, kündigt er an und fügt hinzu: „Wir erwarten im Wahlkampf auch vom Spitzenpersonal, dass diese Positionen hörbar sind.“

Das klingt eher ungemütlich für den grünen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 8. März, Cem Özdemir. Der hatte seine Partei noch im Sommer vor einem Linksruck gewarnt und fährt einen eher konservativen Kurs. Özdemir kopiert unübersehbar die Methode Kretschmann, der bei den vergangenen Landtagswahlen auch viele CDU-Wähler angesprochen hat.

Grüne Jugend will mehr Klimaschutz

Theresa Fidušek sieht hingegen nicht nur die Grüne Jugend in der Gegenposition. „Ich glaube, da gibt es in der Partei ganz viele, die diese linken Themen gern aufgreifen würden“, sagt sie. Die Heidelbergerin sorgt sich um das Kernwählerklientel. „Wenn der Eindruck entsteht, die Grünen sprechen wenig über Klimaschutz, dann ist das halt wirklich der worst case“, sagt sie.

Bisher versucht die Grüne Jugend die Partei weitgehend geräuschlos von ihrer Sicht zu überzeugen – etwa Bei der Formulierung des Wahlprogramms, das beim Landesparteitag Mitte Dezember in Ludwigsburg beschlossen werden soll. „Wir haben in den Programmentwurf schon einige Sachen reinbekommen wie die Landeswohnungsgesellschaft oder das Weiterentwickeln der Sektorziele im Klimaschutz bis 2040“, betont Immer. Trotzdem wollen die Jungen sich vor und beim Parteitag noch mit zahlreichen Änderungsanträgen zu Wort melden.

Gemeinsamkeiten mit Özdemir bei Mieten und Ausbildung?

„Es geht eben nicht nur um einzelne Personen und einzelne Positionen, sondern es geht darum, dass wir als Gesamtpartei progressive Inhalte haben, die wirklich einen Unterschied machen. Dass wir als Grüne ein ökologisches, gerechtes Bild von Baden-Württemberg haben“, sagt Immer. „Wir erwarten von unserem Spitzenkandidaten, dass er diese Themen auch setzt und ich glaube, dass wir, wenn es um Ausbildungsgerechtigkeit geht, um Mietenpolitik und Klimaschutz, an vielen Punkten gemeinsam zusammenfinden.“

Klimaschutz mit dem Ausstieg aus fossilen Energien, bezahlbare Mieten und Bildungsgerechtigkeit sind die Schwerpunkte, die die Grüne Jugend im Wahlkampf setzen will. „Wir fordern einen Ausbildungssolidarfonds, der Ausbildungsplätze mitfinanziert“, erklärt Fidušek eine der Ideen. Dabei will die Grüne Jugend im Wahlkampf auch allein unterwegs sein. „Wir machen nicht nur bei der Kampagne der Grünen mit, setzen auf unsere Themen mit unseren Leuten, mit unserer Kampagne“, sagt sie.v Sie fügt hinzu: „Unser oberstes Ziel muss es sein, Rechtsextreme klein zu halten.“

Klarer Gegner: Manuel Hagel

Ob das gelingt mit einem Social-Media-Auftritt, der etwa bei TikTok erst noch aufgebaut werden muss? Die Erstwähler, die bei dieser Landtagswahl noch einmal jünger sind als sonst, sollen über eigene Veranstaltungsformate angesprochen werden.

Vor allem aber sollen sich die Grünen absetzen von der CDU. In der vergangenen Legislaturperiode habe man den Christdemokraten viele Dinge durchgehen lassen, findet Immer. Das müsse anders werden, sagen die beiden auch mit Blick auf den CDU-Spitzenkandidaten. „Manuel Hagel steht einfach für einen massiven Backlash in der Klimapolitik“, so Immer. „Deswegen ziehen wir auch in den Wahlkampf, weil wir diesen Manuel Hagel als Ministerpräsidenten verhindern wollen.“ Angesichts der aktuellen Umfragen ein ambitionierter Plan, der – das dürfte auch der Grünen Jugend klar sein – allenfalls mit geschlossenen Reihen Erfolgsaussichten haben kann.