Windrad versus Modellflieger: Wegen der Unfallgefahr dürfen keine Modellflugzeuge in der Nähe des Grünen Heiner unterwegs sein. Foto: Max Kovalenko

Ginge es nach der Stuttgarter Stadtverwaltung, würde der Modellflugbetrieb am Grünen Heiner bei Weilimdorf auch künftig verboten werden. Doch da wollen die Gemeinderatsfraktionen nicht mitmachen. Zumindest noch nicht.

Stuttgart - Die Modellflieger können weiter Hoffnung haben, dass sie ihr Hobby auch künftig auf dem Grünen Heiner bei Weilimdorf ausüben können. Im Stuttgarter Rathaus haben die Fraktionen vorerst einen Vorstoß der Stadtverwaltung pariert, die den Stadträten eine dauerhafte Unterbindung der Modellfliegerei ans Herz gelegt hatte – oder dass sie ersatzweise die Ein­stufung des früheren Auffüllberges als Grünfläche für Erholungszwecke kassieren.

Im Frühjahr 2016 war schon ein vorläufiges Verbot ausgesprochen worden, weil am 18. März ein Modellflugzeug wenige Meter neben einer Schülergruppe abgestürzt war und sich kein Verursacher dazu bekannte. In dem Fall würde, wäre etwas passiert, die Stadtverwaltung für die Folgen haften. Die erfuhr damals erst, dass 2012 bereits einer der Modellflieger von einem Modellflugzeug getroffen worden und seinen Verletzungen erlegen war. Damals allerdings hat sich vermeintlicher Verursacher gefunden, der nach einer Gerichtsverhandlung freigesprochen wurde. Das Rechtsamt im Stuttgarter Rathaus dringt aber seit Frühjahr 2016 darauf, die Haftungsrisiken für die Stadt und ihre zuständigen Verwaltungsmitarbeiter auszuräumen. Eine doppelte Nutzung des Bergs durch Erholungssuchende und Modellflieger sei ohne Gefahren nicht möglich, urteilt die Verwaltung. Zeitliche Regelungen, damit Modellflieger und Spaziergänger nicht zugleich auf dem Berg sind, kann sich die Verwaltung auch nicht vorstellen.

„Es geht nur ein Entweder-Oder“, sagte Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) zuletzt im Umwelt- und Technik-Ausschuss. Die Stadträte sollen entweder das dauerhafte Verbot mittragen oder dem Grünen Heiner die Einstufung als öffentliche Grünfläche für die Erholung entziehen und das Gelände mit Zäunen abschirmen, wenn Modellflug weiter möglich sein soll. In erster Linie sei die Modellfliegerei aber kein Bedürfnis von Stuttgartern, sondern ein Hobby von Menschen aus den angrenzenden Landkreisen, machte Schairer auch klar.

CDU hält den Betrieb von Flugzeugen für zulässig

Die Fraktionen halten aber nicht viel von dieser Vorgehensweise. Thomas Fuhrmann (CDU), Rechtsanwalt von Beruf, verwies aufs Luftfahrtgesetz. Der Betrieb von Flugzeugen sei im Luftraum zunächst einmal zulässig. Außerdem: „Man kann im Leben nicht alle Risiken ausschließen. Wir stellen ja auch eine Downhillstrecke für Radsportler zur Verfügung“, sagte er. Hans H. Pfeifer (SPD) nannte es „egal“, woher die Menschen auf dem Berg kommen. Zumindest die Zuschauer beim Modellfliegen kämen auch aus Stuttgart, sagte Rose von Stein (Freie Wähler). Wenn man das Hobby hier unterbinde, müssten Modellflieger und Zuschauer auf die Teck bei Kirchheim fahren.

„Dieser Sport muss auch ermöglicht werden“, forderte Michael Conz (FDP), der allerdings hartnäckig von Segelfliegen sprach. Nicht nur die CDU, auch die Grünen, sagte Andreas Winter, hätten sich eine Regelung für alle Besucher gewünscht. Ein Kompromiss sei nötig, meinte auch Bernd Klingler (AfD). In die Richtung, forderten die Fraktionen, solle die Verwaltung in den nächsten Wochen noch einmal arbeiten, dabei auch ein Betreibermodell für eine kontrollierte Ausübung der Modellfliegerei ausloten. Bisher stellt sich das Rechtsamt allerdings auf den Standpunkt, dass eine Organisation der Modellflieger als Verein oder Interessengemeinschaft die Sachlage auch nicht entscheidend beeinflusse. Und Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD), der mit dem Garten- und Friedhofsamt im Ernstfall im Visier der Ermittler wäre, pocht auf Entlastung von Risiken: „Soll doch haften, wer will, aber nicht das Technische Referat oder das Gartenamt.“ Man brauche eine wasserdichte Regelung – notfalls unter Einschaltung des Regierungspräsidiums, wie im Fall des Modellfluggebiets auf der Teck.

SÖS will Einzäunung des Grünen Heiners verhindern

Wenn die Verwaltung demnächst berichtet, wollen die Fraktionen noch einmal intern beraten, dann erst entscheiden. Das könnte sich noch gut über einen Monat hinziehen. Er schließe nicht aus, dass man jetzt ein Gutachten einholen müsse, sagte Ordnungsbürgermeister Schairer.

Wenn es am Ende keine verträgliche Lösung für beide Nutzungen gäbe, müsse man sich im Zweifel für die Modellfliegerei entscheiden, meinte der Stadtist Ralph Schertlen schon. Nur für Luigi Pantisano (SÖS) war sonnenklar: Ein Einzäunen des Grünen Heiners dürfe es nicht geben. Die Erholungsfunktion müsse Bestand haben. Die Modellflieger hätten das Nachsehen.

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