Die Ankündigung von Marian Schreier, dass er als unabhängiger Kandidat bei der OB-Wahl im November antreten will, sorgt in der Stuttgarter SPD für Wirbel. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Stuttgarter SPD-Spitze hat sich in einer Sitzung am Montagabend auf Martin Körner als OB-Kandidaten festgelegt. Am Alleingang Marian Schreiers übt sie heftige Kritik.

Stuttgart - Während die anderen Parteien noch auf Kandidatensuche für die OB-Wahl im November sind, haben die Sozialdemokraten schon zwei mit SPD-Parteibuch: Marian Schreier und Martin Körner. Nachdem der 29 Jahre alte Bürgermeister aus Tengen Montagfrüh erklärte, dass er als unabhängiger Kandidat ins Rennen geht, hat am Montagabend der SPD-Kreisvorstand einstimmig Martin Körner als OB-Kandidaten empfohlen. Damit ist das Tischtuch zwischen dem Jungbürgermeister, der im erweiterten SPD-Landesvorstand sitzt, und der Kreispartei zerschnitten.

Der Stuttgarter Kreisvorsitzende Dejan Perc ist spürbar verärgert. „Wir sehen diesen Schritt sehr kritisch und können ihn nicht nachvollziehen“, sagte Perc. Im gleichen Atemzug erzählt er, dass der Kreisvorstand am Montagabend seinerseits eine Entscheidung getroffen habe und den Delegierten „einstimmig Martin Körner empfiehlt“ als SPD-Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl. Ob Marian Schreier seine Kandidatur nun weiter aufrecht erhalten wolle, „muss er wissen“, sagt Perc. Sein Unmut ist unüberhörbar. Dennoch werde der Kreisvorstand kein Parteiausschlussverfahren gegen Marian Schreier anstrengen, was nach der Satzung möglich wäre. Dies sei Sache des Landesverbandes, sagt Dejan Perc. Eines ist für ihn mit dem Alleingang Schreiers aber schon ausgemacht: „Profitieren wird davon niemand.“

SPD geht in die Offensive

Perc empfindet das Vorgehen des 29-jährigen Verwaltungswissenschaftlers als „sehr unsolidarisch“ der Partei gegenüber. Vor allem ist er aber verärgert über den Vorwurf, mit dem Schreier seinen Alleingang begründet: Die Parteispitze habe sich längst auf Martin Körner festgelegt und er nie eine Chance im Verfahren gehabt. „Das hat mit der Wahrheit nichts zutun“, sagt der SPD-Kreischef entschieden.

So sei etwa in der Sitzung am Montagabend, an der viele Parteimitglieder teilgenommen hätten, keine Kandidatenempfehlung durch den Vorstand geplant gewesen. Beide Kandidaten hätten sich vorstellen sollen. Weitere Vorstellungsrunden seien geplant gewesen. Zuvor habe Schreier aber Einladungen von SPD-Ortsvereinen entweder nicht beantwortet oder abgelehnt. Am 3. Februar sollen Delegierte bei einer Nominierungskonferenz den Kandidaten bestimmen.

Keine Kooperation mit der Partei

Umgekehrt wirft der SPD-Kreisvorsitzende dem Newcomer vor, von Anfang an seine eigene Agenda verfolgt zu haben. So sei er unabgestimmt an die Öffentlichkeit gegangen. Obwohl er beteuert habe, dass er gerne die Unterstützung der SPD hätte, habe er die Kreispartei auch danach „nicht eingebunden“, sich nicht kooperativ verhalten. Dabei habe es auf verschiedenen Parteiebenen Gespräche gegeben. Sein Eindruck ist, dass Schreier sich dem Parteivotum nicht stellen wollte. Perc: „Wenn man nur seine eigenen Vorstellungen durchdrücken will, funktioniert das nicht.“ Vielleicht, mutmaßt der Kreisvorsitzende, habe es Schreier sogar „auf diese Zuspitzung angelegt“.

Dessen möglicher Gegenkandidat, Martin Körner, reagiert verhalten auf Schreiers Alleingang. „Für mich ändert sich dadurch relativ wenig“, sagt der Chef der SPD-Ratsfraktion. Er sei jedenfalls „optimistisch, das Votum der SPD zu bekommen“. Und: „Jeder muss selber entscheiden, wie er das Ganze angeht.“

Landesverband will abwarten

Wie Marian Schreier das tut, wird beim SPD-Landesverband mit Erstaunen aufgenommen. „Ich bin überrascht“, sagte Generalsekretär Sascha Binder. Vorige Woche habe man an die Stuttgarter Parteimitglieder für die „mitgliederoffene“ Sitzung am Montag Briefe verschickt mit schriftlichen Vorstellungen beider Kandidaten, mit Zustimmung von Marian Schreier, sagt Binder. Natürlich habe der 29-Jährige sich ein Mitgliedervotum gewünscht, aber die Satzung der Kreispartei sehe für diesen Zweck eine Kreisdelegiertenkonferenz vor. Binder: „Das schränkt den Gestaltungsspielraum ein.“

Dennoch will der Landesverband derzeit kein Parteiausschlussverfahren gegen Marian Schreier anstrengen. Man warte ab, ob der „seine Bewerbung wirklich in den Rathausbriefkasten wirft“. Erst habe er erklärt, dass er für das OB-Amt nur kandidiere, wenn ihn die SPD unterstützt. Binder: „Schauen wir mal, ob er die jetzige Ankündigung einhält.“

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