Zwei Mitarbeiter sollen Infos weitergegeben haben, unter anderem um Strafverfolgungen zu verhindern. Die Auftraggeber sitzen in U-Haft – auch wegen eines versuchten Mordes in Tamm.
Im Korruptionsskandal innerhalb der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wurde nun Anklage gegen zwei Angestellte und zwei Auftraggeber erhoben. Laut der ermittelnden Staatsanwaltschaft Heilbronn sollen die beiden Angestellten – ein Wachtmeister und eine „Bedienstete im Unterstützungsbereich“ – Informationen aus dem internen Landesportal „Websta“ weitergegeben haben.
Die Auftraggeber hätten ihnen in einzelnen Fällen Schmuck und Bargeld als Gegenleistung gegeben. Nach Informationen der Staatsanwaltschaft soll dem Wachtmeister beispielsweise ein Umschlag mit 1000 Euro überreicht worden sein. Die beiden Auftraggeber und der Wachtmeister befinden sich in Untersuchungshaft.
Wie lautet die Anklage?
Den beiden Angestellten wird Verletzung von Dienstgeheimnissen und Bestechlichkeit vorgeworfen. Den Auftraggebern wird insbesondere Anstiftung zur Verletzung von Dienstgeheimnissen sowie Bestechung vorgeworfen.
Was hat das mit den Schüssen in Tamm zu tun?
Es war die Sonderkommission „Frost“, die die Ermittlungen rund um die Korruption in der Staatsanwaltschaft Stuttgart angestoßen hat. Die gleiche Soko ermittelt zu Angriffen auf Mitarbeiter eines Security-Unternehmens aus Ludwigsburg.
Mittlerweile sind fünf Angriffe auf das Unternehmen und dessen Mitarbeiter bekannt, vermutlich gab es jedoch mehr. Der folgenschwerste Angriff ereignete sich Mitte Mai 2025, als ein Mann in Tamm auf offener Straße angeschossen wurde und in der Folge ein Bein verlor.
Laut Staatsanwaltschaft Heilbronn könnten die beiden mutmaßlichen Auftraggeber gleichzeitig die Männer sein, die den versuchten Mord in Tamm angestiftet haben. Die Ermittlungen laufen.
Welche Infos sind geflossen?
Der beschuldigte Wachtmeister soll den Auftraggebern unter anderem mitgeteilt haben, dass zum Angriff in Tamm ein Verfahren wegen versuchten Mordes eingeleitet wurde. Weitergehende Informationen zu den Mitarbeitern des Ludwigsburger Security-Unternehmens seien nach aktuellem Stand der Ermittlungen jedoch nicht weitergegeben worden, so die Staatsanwaltschaft Heilbronn.
Der Wachtmeister soll allerdings noch andere Informationen weitergegeben haben. Beispielsweise soll er Daten zu Verfahren und eingegangenen Strafanzeigen an Personen aus seinem persönlichen Umfeld weitergeleitet haben. In zwei Fällen soll er Verfahrensakten noch vor der Erfassung bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart mit nach Hause genommen haben – vermutlich mit dem Ziel, eine Strafverfolgung zu verhindern. Deshalb werden ihm auch Verwahrungsbruch und versuchte Strafvereitelung im Amt vorgeworfen.
Was ist die Vorgeschichte?
Der Fall „Frost“ begann mit Schüssen am 26. April in der Ludwigsburger Oststadt. Es folgten ein Brandanschlag auf ein Auto in Bietigheim-Bissingen sowie der mutmaßlich versuchte Mord in Tamm. Im Januar gab es außerdem einen Brandanschlag und Schüsse auf ein Bürogebäude in Ludwigsburg. In all diesen Fällen waren ein Security-Unternehmen und dessen Mitarbeiter das Ziel.
Seit dem Sommer ermittelt in diesem Zusammenhang die eigens eingerichtete Sonderkommission „Frost“. Im Herbst schlugen die Ermittler mehrfach zu und verhafteten mehrere Männer in der Region Stuttgart sowie in den Niederlanden. Im November wurde aus der Gewalt dann ein Korruptionsskandal, als bekannt wurde, dass Staatsanwaltschaftsmitarbeiter Informationen weitergegeben hatten.