Im Konflikt um Bergkarabach trägt der Kremlchef auch einen großen Teil der Verantwortung, meint Ulrich Krökel.
Stuttgart - Mehr als 20 Jahre galt der Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien um Bergkarabach als eingefroren. Es gab sogar einen aussichtsreichen Plan für eine UN-überwachte Autonomie. 2016 brachen wie aus dem Nichts wieder Gefechte aus. Vier Jahre später tobte sogar ein heißer Krieg. Seit Dienstag schweigen die Waffen auf Druck Moskaus, hoffentlich dauerhaft. Mehr als 1000 Menschen aber starben bereits.
Der Verlierer des Krieges heißt Armenien
Offensichtlich hat die Türkei ihren muslimischen Nachbarn Aserbaidschan ermuntert, über das christliche Armenien herzufallen und Bergkarabach zurückzuerobern. Der Verlierer des Krieges heißt Armenien, das zwar nicht auf ganz Karabach verzichten muss, aber auf wichtige Teile. Faktisch hat Aserbaidschan einen Fuß zur Reannexion in der Tür. Das freut auch Türkei-Präsident Erdogan, einen Armenienhasser, für den Militäreinsätze zum Geschäft gehören. Einen großen Teil der Verantwortung trägt auch Russland. Es war Kremlchef Putin, der mit der Annexion der ukrainischen Krim 2014 vorgeführt hat, dass Krieg im postsowjetischen Raum wieder zu den vermeintlich legitimen Mitteln der Geopolitik zählt – und sich auch noch lohnen kann. Das hat sich Aserbaidschan zum Vorbild genommen.