Jakob, Max und Emelie werden im Mai in Leonberg konfirmiert. Foto: /Simon Granville

Trotz steigender Kirchenaustritte bleibt die Konfirmation für viele Jugendliche ein wichtiger Schritt. Drei junge Leonberger berichten, warum sie sich trotz anfänglicher Zweifel dafür entschieden haben.

Kirchenaustritte steigen von Jahr zu Jahr, immer weniger Menschen in Deutschland fühlen sich der Kirche zugehörig – weder evangelisch noch katholisch. Und doch bleibt die Konfirmation für viele Jugendliche ein fester Bestandteil ihres Lebens. Zwar ist die Gesamtzahl der Konfirmationen rückläufig, laut Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) sank sie von rund 227 000 im Jahr 2012 auf etwa 138 000 im Jahr 2022. Doch der Anteil der evangelischen Jugendlichen, die sich konfirmieren lassen, liegt mit rund 80 Prozent weiterhin stabil. Der Theologe und Jugendforscher Wolfgang Ilg sieht den Rückgang vor allem als Folge des demografischen Wandels, nicht als Ausdruck nachlassenden Interesses. Für Ilg ist das ein wichtiges Signal. In einem Gespräch mit dem SWR nennt er die Konfirmation ein „Erfolgsmodell der evangelischen Kirche“. Trotz gesellschaftlicher Veränderungen, so Ilg, entscheiden sich viele Jugendliche weiterhin bewusst für diesen Schritt.

 

Drei Jugendliche, drei Geschichten

Was aber motiviert junge Menschen heute dazu, diesen Schritt zu gehen? Drei, die sich dieses Jahr in Leonberg für die Konfirmation entschieden haben, sind Emelie, Max und Jakob. Alle drei hatten vorher keinen wirklichen Bezug zu Glaube oder Religion. Die Eltern haben unterschiedliche Konfessionen, in der Kirche war man höchstens mal zu Weihnachten oder Ostern. Und trotzdem melden sich alle drei zur Konfizeit an. „Erwartungen hatte ich nicht wirklich an die Konfizeit“, erinnert sich Max. „Am Anfang war ich sogar eher abgeschreckt. Jeden Mittwoch dachte ich, das ist ziemlich viel Zeit.“ Schließlich entscheidet er sich doch dafür.

Pfarrerin Rosemarie Ilg (Zweite von links) und die drei Konfirmanden. Die Boxen gestalten sie selbst und füllen sie mit wichtigen Erinnerungen während der Konfizeit. Foto: Simon Granville

Den Begriff „Konfiunterricht“ verwendet Rosemarie Ilg, Pfarrerin in Leonberg, nur ungern. „Das klingt so verschult und staubtrocken und wird unserer Arbeit gar nicht gerecht“, sagt sie. Lieber spricht sie von Konfizeit oder Konfiarbeit – denn was die Jugendlichen dort erwartet, hat viel mehr mit Jugendarbeit zu tun als mit klassischem Frontalunterricht. Sie sollen nicht nur über den Glauben lernen, sondern vor allem erleben, was er mit ihrem eigenen Leben zu tun haben kann. „Uns geht es nicht darum, reines Wissen zu vermitteln“, sagt Pfarrerin Ilg. „Wir wollen Räume schaffen, in denen Erfahrungen möglich sind.“ Besonders lebendig werde es immer dann, wenn die Themen direkt an das Leben der Jugendlichen anknüpfen. „Ich merke, dass ich den Nerv der Konfis treffe, wenn sie sich selbst in den Inhalten wiederfinden, wenn sie ihre Meinung einbringen können und spüren: Das betrifft mich ganz persönlich.“

Raum für Zweifel und Fragen

Im Alltag von Jugendlichen gibt es nur selten Räume, in denen offen über persönliche Themen wie Trauer, Tod oder Glaube gesprochen wird. Doch das erleben Emelie, Max und Jakob in ihrer Konfizeit – und genau das schätzen sie besonders. Für Max bedeutet diese Zeit vor allem Halt. Gleich zu Beginn verliert er ein Familienmitglied und wird zum ersten Mal mit dem Thema Tod konfrontiert. Bei der Konfizeit lernt er, darüber zu sprechen und damit umzugehen. Emelie beschreibt, wie schwierig die Lebensphase als Teenager sein kann: „Man fühlt sich in unserem Alter oft unsicher. Durch Social Media, durch den Druck, immer perfekt zu sein oder dazuzugehören“, sagt sie. „Da kann der Glaube etwas sein, das einem Halt gibt und zeigt, dass man gut ist, so wie man ist.“

Auch die Kirche selbst beschäftigt sich mit den Motivationsgründen der Jugendlichen. Ergebnisse der neuesten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU 6) von Ende 2024 bieten Einblicke. Ein wesentlicher Faktor ist das Elternhaus, mit einer prägende Vorbildfunktion. So gaben 89 Prozent der protestantischen Befragten an, sich konfirmieren lassen zu haben, „weil das in meiner Familie schon immer so war“. Das damit verbundene „Familienfest“ spielte für 70 Prozent eine Rolle, während „Geld und Geschenke“ für 57 Prozent der Jugendlichen ein zusätzlicher Anreiz waren.


Für Max, Emelie und Jakob ist die Konfizeit vor allem eines: eine Chance, ihren eigenen Glauben zu entdecken – und herauszufinden, welche Rolle er in ihrem Leben spielen kann „Ich brauche die Kirche nicht unbedingt, um zu glauben“, sagt Emelie. „Aber die Kirche ist ein Ort der Gemeinschaft und kann eine große Stütze sein. Es ist schön, wenn man den Glauben mit anderen teilen kann“, ergänzt Jakob. Emelie nickt. Natürlich ist die Konfizeit nicht für alle 35 Konfirmandinnen und Konfirmanden so prägend wie für die Drei. Es gibt auch Jugendliche, die keinen richtigen Zugang zum Glauben finden oder skeptisch bleiben. Und das ist in Ordnung, betont Pfarrerin Ilg: „Jeder soll für sich entscheiden, ob ihm das etwas geben kann oder nicht.“ Viele nutzen diese Zeit, um sich intensiver mit sich selbst und ihrem Leben auseinanderzusetzen. „Und allein das“, sagt Ilg, „ist schon etwas sehr Wertvolles.“