Ausbildungsstätten wie die staatliche Ballettschule in Berlin sehen ihre Arbeit durch Kürzungen im Kultur- und Bildungsbereich gefährdet. Foto: IMAGO/Berlinfoto

Die Ausbildungsstätten für Tanz in Deutschland schlagen Alarm: Sparmaßnahmen und Nationalisierung entziehen jungen Talenten die Chance auf eine tragfähige Zukunft in ihrer Kunst.

Die Ausbildungskonferenz Tanz (AKT) ist eine Art Arbeitsgemeinschaft, die 2006 von Vertreterinnen und Vertreter aller staatlichen Tanzausbildungsstätten in Deutschland als Interessenvertretung gegründet wurde. Aus Baden-Württemberg sind die Mannheimer Akademie des Tanzes und die Stuttgarter John-Cranko-Schule dabei. Erklärtes Ziel der AKT ist es, die professionelle Tanzausbildung zu stärken. Und so verwundert es nicht, dass die Schulen die aktuellen Kürzungen bei Kultur- und Bildung, wie viele Kommunen und Länder diese gerade planen und beschließen, mit Sorge sehen. Denn wo soll der gut ausgebildete Tanznachwuchs Arbeit finden, wenn an Stadt- und Staatstheatern Stellen eingespart werden und auch die freie Szene unter Druck steht?

 

Zum Abschluss der 10. Biennale Tanzausbildung – dem AKT-Treffen für Lehrkräfte und Studierende, das Anfang Februar in Berlin stattfand – packte die AKT deshalb ihre Sorgen in ein Statement. Das spricht nicht nur von der möglicherweise gefährdeten Qualität der Tanzausbildung durch schrumpfende Hochschuletats. „Ebenso rückschrittlich ist die von uns in fast allen regionalen Kontexten mit großer Sorge beobachtete Schwächung, Aushöhlung oder sogar Abschaffung wichtiger Netzwerke, Festivals, Infrastrukturen oder Fördermaßnahmen, die sich gravierend auf das zukünftige Arbeitsfeld unserer Absolventen auswirken“, heißt es in dem Papier.

Warum die Cranko-Schule beim Treffen fehlte

Gerade die Förderung von Nachwuchs, Diversität, Inklusion, Dokumentation und Vernetzung seien überdurchschnittlich von Kürzungen betroffen, so das Statement, das die Fachschulen aus Mannheim, München, Hamburg, Essen, Berlin, Dresden und Köln unterzeichnet haben. Die John-Cranko-Schule fehlte beim AKT-Treffen, da die neue Stuttgarter Direktorin Elisa Carrillo Cabrera und ihr Stellvertreter Mikhail Kaniskin ihre Posten erst zum Jahresbeginn übernommen hatten und an ihrem Heimatort präsent sein wollten.

Weil der Tanz keine Sprachbarrieren hat, ist er ein besonders internationales Arbeitsfeld, was sich in einer Vielzahl kreativer Handschriften widerspiegelt. Auch hier haben die für die Ausbildung Verantwortlichen die aktuelle Entwicklung kritisch im Blick. „Gegenwärtige Nationalisierungstendenzen in Deutschland, Europa und der Welt arbeiten einer weltoffenen, diversen Gesellschaft, die dafür den Nährboden bildet, ebenso entgegen wie die Abschaffung von Plattformen für internationalen Austausch.“

Tanz muss ein Beruf mit Zukunft bleiben, so der Appell

Das ernüchternde Fazit des Statements: Tanz als bewegliche, viele Möglichkeiten eröffnende Kunst ist aktuell besonders gefordert, will man Gemeinschaft und ihre Akzeptanz voranbringen. Doch gerade jetzt werde es jungen Menschen immer schwerer gemacht, sich ein Leben mit und im Tanz „als tragfähige Zukunftsvision vorzustellen“. All dem müssten die politisch Verantwortlichen, so der Appell der AKT, aktiv entgegenwirken.