Statt dem Churros-Café soll nun ein weiterer Kebab-Imbiss die Eberhardstraße in Stuttgart-Mitte bereichern. Foto: /Sebastian Xanke

Die Freude war von kurzer Dauer: Der Duft von Churros aus der neuen Filiale von „Loqma Churros“ in der Stuttgarter Eberhardstraße ist schon wieder verflogen. Stattdessen könnte dort bald ein anderer Imbiss eröffnen.

Es war ein langer Kampf für den ehemaligen Betreiber der Stuttgarter Filiale von „Loqma Churros“, Fatih Yildizeli. Endlich konnte er den „Wir sind bald für Sie da!“-Schriftzug entfernen und die Türen für Stuttgarter mit Vorliebe für die süße Teigspeise öffnen – doch das Churros-Vergnügen war nur von kurzer Dauer.

 

Nach nicht einmal einer Woche bleibt die Fritteuse wieder kalt. Nach einem Besuch vom Baurechtsamt stellten die Mitarbeitenden seiner Aussage nach fest: Unter den aktuellen Bedingungen könne der Betrieb nicht fortgeführt werden. Wie eine fehlerhafte Bauskizze der Vermieterin Fatih Yildizeli zum Verhängnis wurde.

Schwerer Start für das süße Gebäck

Mängel wie eine Decke, die nicht den Brandschutzvorschriften entspreche, und eine falsch eingebaute Brandschutztür waren schließlich die ausschlaggebenden Punkte, die zu einer vorläufigen Schließung des Cafés in der Eberhardstraße führten. Das war im September 2023. Mittlerweile ist von dem einstigen Churros-Laden nichts mehr zu sehen.

Von Anfang an war der Weg für den Stuttgarter, wie er selbst sagt, voller Hindernisse. Im Januar 2022 unterschrieb der 40-jährige den Mietvertrag für die Räume in der Eberhardstraße – ein Vertrag über 15 Jahre, der auch die Genehmigung für den Umbau zu einer Schank- und Speisewirtschaft enthielt. Wie der Besitzer erzählt, traten bereits beim Antrag für den Einbau der notwendigen Lüftungsanlage Probleme auf, denn es stellte sich heraus: Die von der Eigentümerin eingereichten Gebäudeskizzen seien, wie der Betreiber berichtet, fehlerhaft. Daraufhin verhängten die Behörden einen Baustopp.

Kosten: knapp 50.000 Euro

„Die Lüftungsanlage führt hinten zum Fenster hinaus und dann etwa 20 bis 25 Meter nach oben. Auf den eingereichten Skizzen waren die Dachgeschosswohnung sowie deren Fenster und die Balkone nicht eingezeichnet“, erklärt Yildizeli. Die Folge: Die Lüftungsanlage war unzulässig. Er erhielt keine Genehmigung für seinen Betrieb. Die einzige Möglichkeit für ihn bestand darin, eine neue Lüftungsanlage mit Aktivkohlefilter einzubauen, die zur Seite des Hauses und nicht Richtung Dach führt. Kostenpunkt laut dem Besitzer: knapp 50.000 Euro.

Die Mitarbeitenden des Baurechtsamtes allerdings betonen, dass beim Bauantrag aus Sicht des Baurechtsamts alle erforderlichen Baugenehmigungen vorlagen.

Fast eineinhalb Jahre wartete Yildizeli auf die Genehmigung. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Bearbeitung der neuen Unterlagen dauerte weitere drei Monate. Die hierfür gesetzte Frist, die im November 2022 endete, ließen die Beamten verstreichen. „Das Baurechtsamt ist unterbesetzt, sie konnten die Anträge nicht bearbeiten. Das Problem hatten viele, nicht nur ich“, meint Yildizeli.

Nun hofft er auf eine Nutzungsentschädigung und Schadensersatz durch die Eigentümerin, welche die Gebäudeskizzen fehlerhaft angefertigt habe. Seit zweieinhalb Jahren ist der Stuttgarter nun Mieter der Geschäftsfläche. Das Problem: „Ich habe Miete für einen Laden gezahlt, der nicht geöffnet war – mehrere Tausend Euro im Monat“, erzählt er. Durch die Mietkosten, den entgangenen Gewinn, die Anpassungen an die Brandschutzvorschriften und weiteren Investitionen fordern Yildizeli und sein Anwalt nun eine Entschädigung von knapp 650.000 Euro.

Sein Angebot hat er mittlerweile erweitert. Er möchte sich nun nicht mehr auf Churros spezialisieren, sondern seinen Fokus auf das Angebot von Döner und Pizza legen. Yildizeli hat die Hoffnung, dass hier die Nachfrage hoch sein wird. Eine Nutzungsänderung seines Geschäftes gibt es nicht. Churros-Fans können also aufatmen: Die Süßspeise plant Yildizeli auch künftig in seinem Dönerladen anzubieten.

Wann der neue Döner-Imbiss namens „Eagles Kebab“ nun eröffnen kann, ist noch unklar. Von Seiten der Stadt hat er bereits grünes Licht erhalten. Aktuell bestehe noch Klärungsbedarf bezüglich der Nutzung der Gasanlage, die er für seinen Imbissladen benötigt. Hier stelle sich dich Hausbesitzerin nun erneut quer, sagt der 40-jährige. Im Zweifel müsse er klagen. „Ich habe jetzt sehr viel investiert und noch keinen Cent eingenommen“, sagt er.

„Ein bisschen exotisch soll es schon werden“

Yildizeli hält daran fest sein Geschäft bald eröffnen zu können. Er hat bereits in die Inneneinrichtung investiert, ein großer Pizzaofen steht bereit, moderne Geräte wie eine Fleischschneidemaschine sollen das künftige Personal unterstützen. „Ein bisschen exotisch soll es schon werden“, verrät er. Neben Döner und Pizza soll auch Köfte in selbst gebackenem Brot auf der Speisekarte stehen. Yildizelis Vorstellungen sind konkret: „So ein ähnliches Fleisch wie bei Alaturka“, wünscht er sich.

Wann der erste Döner über die Ladentheke geht, hängt von den kommenden Wochen ab. Aktuell führt Yildizeli Gespräche mit seinem Anwalt. „Mal sehen, was dann passiert.“ Spätestens in zwei Monaten erhofft er sich jedoch eine konkrete Lösung.