Die Kompass-4-Prüfungen im Vorjahr haben viele frustriert. Foto: IMAGO/Addictive Stock

Nach den katastrophalen Ergebnissen beim Kompass-4-Test im Vorjahr, stehen die Prüfungen wieder an. Haben Eltern und Kinder im Vorfeld gezielt Nachhilfe gesucht?

Die ersten Kompass-4-Prüfungen vor einem Jahr haben für Unruhe gesorgt. Der Grundschulverband berichtete von weinenden Kindern, Eltern fühlten sich wie Versuchskaninchen und auch die Lehrkräfte waren verunsichert. Denn die Prüfungsergebnisse fielen katastrophal aus, insbesondere im Fach Mathematik. Nur sechs Prozent der Schülerinnen und Schüler hätten, wäre es nach dem Kompass-4-Test vom Vorjahr gegangen, eine Gymnasialempfehlung erhalten. 86 Prozent der Kinder erreichten eine Empfehlung für das grundlegende Niveau, also eine Note von 3,13 und darunter.

 

Mit dem Test stimme etwas nicht – das räumte auch Kultusministerin Theresa Schopper schließlich ein. Der Kompass-4-Test sei in Mathe gescheitert. Das Kultusministerium versprach eine Nachbesserung des Tests.

Wunsch nach Vorbereitung auf den Test

Nun steht der zweite Kompass-4-Test an. Haben die Vorjahresergebnisse Kinder und Eltern so aufgeschreckt, dass sie ihre Kinder dieses Jahr gezielt auf den Kompass-4-Test vorbereiten?

Ja, meint Kerstin Streicher, Leiterin des Nachhilfeinstituts Studienkreis in Stuttgart-Bad Cannstatt. Sie hat an ihrem Standort eine deutlich erhöhte Nachfrage feststellen können. „Eltern kamen mit Ausdrucken der Aufgaben vom Vorjahr und wollten, dass ihre Kinder gezielt auf die Aufgaben vorbereitet werden“, berichtet sie.

Koordinieren den Unterricht an den Standorten in Stuttgart: Andrea Lauerer (li.) vom Nachhilfeinstitut Abacus und Martina Lacatena (re.) vom Nachhilfeinstitut Schülerhilfe. Foto: privat (2)

Auch bei der Schülerhilfe in Stuttgart-Sillenbuch wird berichtet, dass Eltern gezielt nach einer Vorbereitung auf den Test gefragt hätten. Das berichtet die Leiterin des Nachhilfeinstituts, Martina Lacatena. Generell sei die Nachfrage für Viertklässler zu Beginn des neuen Schuljahrs immer hoch, mit Blick auf die anstehende Grundschulempfehlung. Noch weiter erhöht habe sie sich in diesem Jahr aber nicht.

Mangelnde Lesekompetenz wirkt sich auf Mathe aus

Auch Andrea Lauerer vom Abacus Nachhilfeinstitut hat keine erhöhte Nachfrage in diesem Schuljahr in Bezug auf Nachhilfe festgestellt. Dies führt sie vor allem darauf zurück, dass „der Test eine Katastrophe war und er nicht den tatsächlichen Leistungsstand der Schüler abbildete.“ Sollte der Test in diesem Jahr ebenfalls schlecht ausfallen, hält die 47-Jährige es durchaus für möglich, dass gezielte Fragen nach einer Kompass-4-Vorbereitung aufkommen könnten.

Grundsätzlich sind bei allen Nachhilfeinstituten die Fächer Deutsch und Mathe für Grundschüler die wichtigsten. „Mathe ist das meistgebuchte Fach“, so Andrea Lauerer. Allerdings wirke sich eine mangelnde Lesekompetenz oftmals auch negativ auf das Fach Mathematik aus, bemerkt sie. Wenn Kinder Textaufgaben oder Aufgabenstellungen in Mathe nur unzureichend verstünden, wirke sich das negativ aus, betont auch Martina Lacatena von der Sillenbucher Schülerhilfe.

Vorbereitungen haben Priorität

Diesen Punkt kann auch Kerstin Streicher vom Studienkreis in Bad Cannstatt bestätigen: Ist das Leseverständnis schwach ausgeprägt, können Matheaufgaben oftmals nicht gelöst werden. In ihrem Institut ist Deutsch das gefragteste Fach. Das liegt auch am Einzugsgebiet. Die Quote der Kinder mit Migrationshintergrund ist vergleichsweise hoch. Und obwohl die Kenntnisse der Kinder in Mathematik unter Umständen gut sein können, scheiterten sie letztlich daran, dass sie die Aufgabenstellungen nicht oder falsch verstehen.

Tatsächlich kommt es auch vor, dass Eltern scheinbar nichts vom anstehenden Kompass-4-Test mitbekommen haben. Die Leiterin der Schülerhilfe in Sillenbuch hat ihre Lehrer aktuell dazu angehalten, sich auf die Vorbereitungen auf die anstehenden Tests zu konzentrieren. Mehrfach kam es jedoch vor, dass Schüler darauf verweisen, ihre Eltern bestünden auf der Erledigung von Hausaufgaben. „Dann muss ich mit den Eltern erstmal sprechen und darauf hinweisen, was die Priorität in den kommenden Tagen sein sollte“, so Lacatena.

Kompass-4-Termine 2025

Dass sich der Druck mit dem Kompass-4-Test für Lehrkräfte, Schüler und Eltern erhöht habe, nimmt Kerstin Streicher vom Studienkreis deutlich wahr. Sie verstehe den Sinn und Zweck, warum der Test eingeführt wurde. Aber „es macht emotional was mit den Menschen“, stellt die 56-Jährige fest.

Die diesjährigen Kompass-4-Prüfungen finden an folgenden Tagen statt:

• Haupttermin Deutsch: Mittwoch, 19. November 2025

• Haupttermin Mathematik: Donnerstag, 20. November 2025

• Nachschreibetermin Deutsch: Mittwoch, 26. November 2025

• Nachschreibetermin Mathematik: Donnerstag, 27. November 2025

Das Ergebnis des Kompass-4-Tests ist Bestandteil der neuen Grundschulempfehlung. Diese setzt sich aus Elternwillen, Einschätzung der Lehrkräfte und den Testergebnissen zusammen – zwei Faktoren müssen erfüllt sein. Das bedeutet: Wird der Test verhauen, hat man dennoch eine Chance auf die Gymnasialempfehlung. Vor dem Hintergrund, dass ab dem Schuljahr 2025/2026 die gymnasiale Laufbahn wieder neun statt bisher acht Jahren dauert, wurde die Grundschulempfehlung wieder verbindlicher gemacht.