Beim Kompass 4-Test sollen die Schüler zeigen, was sie in den ersten drei Schuljahren gelernt haben. Foto: Frank Leonhardt

Nach dem Fehlstart im Vorjahr soll Kompass 4 in Baden-Württemberg mit überarbeiteten Aufgaben und flexiblen Abläufen bessere Ergebnisse für Viertklässler liefern.

In wenigen Tagen beginnt an den Grundschulen für die Viertklässler der zweite Durchgang mit dem neu eingeführten Testverfahren zum Übergang an die weiterführenden Schulen. Dabei wird vieles anders ablaufen als im Vorjahr, denn dieses Mal soll „Kompass 4“ – so heißt die Leistungsmessung, die für alle Viertklässler im Land Pflicht ist – reibungsfrei über die Bühne gehen. Das haben sich die Verantwortlichen im Kultusministerium fest vorgenommen.

 

Der erste Durchlauf im Vorjahr ist wegen einem zu schweren Mathe-Test schief gegangen. Kultusministerin Theresa Schopper musste damals die Flucht nach vorn antreten und hat eine Überarbeitung des Testkonzepts angekündigt, weil in Mathematik 87 Prozent der Viertklässler lediglich auf Hauptschulniveau gelandet waren; nur sechs Prozent ernteten für ihre Rechenleistung eine Empfehlung fürs Gymnasium. In Deutsch lagen 27 Prozent auf gymnasialem Niveau.

Testaufgaben wurden auf Herz und Nieren geprüft

So schlechte Werte konnten laut Einschätzung Schoppers nicht auf einer korrekten Leistungsmessung beruhen. Zum Vergleich: Laut den Empfehlungen der Lehrkräfte waren 51 Prozent der damaligen Viertklässler fit genug fürs Gymnasium, 24 Prozent erhielten den Rat, eine Real- oder Gemeinschaftsschule zu besuchen, 25 Prozent wurde das Lernen auf grundlegenden Niveau (Hauptschule) empfohlen.

Damit es nicht wieder eine Panne gibt, haben Schoppers Beamte und das Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW), das den Test erstellt hat, lange an der Neukonzeption der Aufgaben für den diesjährigen Kompass 4-Test gearbeitet. „Wir hatten in diesem Jahr mehr Zeit für die Vorbereitung von Kompass 4 und die Information der Schulen“, erklärt Ulrike Rangel, die Leiterin des IBBW. Jetzt seien die Tests „so konzipiert, dass in der Regel mit jeder Aufgabe eine spezifische Kompetenz abgeprüft wird“, erzählt sie. „Es gibt keine Teilaufgaben, die aufeinander aufbauen, stattdessen kann jede einzelne separat gelöst werden.“ Außerdem haben die Aufgaben-Macher darauf geachtet, einfache, kurze Sätze zu verwenden und möglichst keine sprachlichen Hürden einzubauen.

Rahmenbedingungen für Schulen sind verbessert worden

Die Hälfte der Aufgaben im aktuellen Kompass-Test entsprechen laut IBBW einem grundlegenden und einfachen Schwierigkeitsgrad; jeweils ein Viertel liege auf mittlerem und erweitertem Niveau. Abgeprüft werde der Stoff der ersten drei Schuljahre. Anders als im Vorjahr hat das IBBW eine ausführliche Pilotphase genutzt, um den Aufgabenpool mit 2700 Schülern zu testen. Damit ist der neue Test nach Auffassung von IBBW-Chefin Rangel empirisch auf Herz und Nieren geprüft: „Die Zahl der Aufgaben, die zur Verfügung stehende Zeit und die Bewertungsschlüssel wurden auf Basis der Pilotierung genau aufeinander abgestimmt.“

Kultusministerin Theresa Schopper Foto: Markus Lenhardt/dpa

Für die Schulen sind die Rahmenbedingungen in diesem Jahr etwas einfacher gestaltet. Zum einen sollen sie mehr Vorlauf für das Ausdrucken der Tests bekommen. Zum anderen sind sie freier, in einem Zeitfenster zwischen 8.30 und 9.30 Uhr mit den Kompass 4-Aufgaben zu beginnen. Im Vorjahr war der Start landesweit einheitlich auf neun Uhr festgelegt – ähnlich wie beim Abitur. Der flexiblere Start soll es den Schulen erleichtern, in ihren jeweiligen Stundenplan-Rhythmen zu bleiben und zusätzliche Unruhe unter den Schülern vermeiden.

Ministerium sieht Test als zweite Chance

Kompass 4 ist ein Element des neuen, von Grün-Schwarz vor einem Jahr eingeführten Übergangsverfahrens an die weiterführenden Schulen. Beim Gymnasium gibt seither nicht mehr der Elternwille den Ausschlag für die Schulwahl. Stattdessen müssen die Schüler entweder eine Empfehlung der Lehrkräfte für das Gymnasium erhalten (die sich auf die Noten und die pädagogischen Gesamtwürdigung stützt) oder das E-Niveau beim Kompass 4-Test erreichen. Dritte Möglichkeit ist ein nachgelagerter Potenzialtest.

Nach dem Willen des Kultusministeriums soll Kompass 4 zusätzliche und „vom jeweiligen Schulumfeld unabhängige“ Rückmeldungen über den Leistungsstand der Viertklässler liefern. Damit lasse sich die Beratung der Schulen für die Wahl der weiterführenden Schule verbessern, auch Eltern erhielten eine bessere Entscheidungsgrundlage, heißt es im Hause Schopper. „Leitend für den Übergang ins Gymnasium ist die Empfehlung der Lehrkräfte und das bleibt sie auch weiterhin“, betont Vittorio Lazaridis, Abteilungsleiter mit Zuständigkeit für allgemeinbildende Schulen. „Der Kompass 4-Test ist eine zusätzliche Chance ins Gymnasium zu kommen. Schüler können durch diesen Test nicht verlieren, sondern nur gewinnen.“