Diese Besetzung ist eine absolute Ausnahme: Regisseurin Christine Gnann (rechts) spielt den Häberle an der Seite von Monika Hirschle als Pfleiderer. Foto: Klaus Schnaidt

Vaterfreuden gehen vor! Damit Jörg Pauly, der Häberle in der Komödie im Marquardt, bei der Geburt seines Mädchens sein konnte, übernahm die Regisseurin spontan seine Rolle – mit dem Textbuch in der Hand.

Früh übt sich. Lotta Elina, das Töchterchen der Schauspielerpaares Farina Giesmann und Jörg Pauly, hat schon ein wenig von einem echten Star – sie lässt auf sich warten! Der Papa spielt gerade in der Komödie im Marquardt mit großem Erfolg den Oscar Heiler in „Häberle & Pfleiderer“, der fast immer ausverkauften Hommage an die beiden Urväter der schwäbischen Komik. Ihre Sketche sind noch heute überraschend aktuell. Seine Partnerin auf der Bühne ist die einzigartige Monika Hirschle, die in der Männerrolle als Pfleiderer alias Willy Reichert über sich selbst hinauswächst. Das Publikum bedankt sich Abend für Abend mit Standing Ovations.

 

Seit Wochen wusste Pauly, dass der Geburtstermin ins Ende der Spielzeit fällt. Von Freunden hörte er, bei der Geburt, die er auf keinen Fall verpassen wollte, müsste halt die Zweitbesetzung einspringen.

Zweitbesetzung? Die gibt es für dieses Theaterstück aber gar nicht. Die Vorstellung hätte ausfallen müssen. Doch seine Kolleginnen und Kollegen haben „ganz wunderbar“ reagiert, worüber sich der Neu-Papa riesig freut. Sein Dank gilt auch dem Intendanten Axel Preuß. Als Jörg Pauly im Krankenhaus mit seiner Farina auf Lotta Elina wartete – es sollten fast zwei Tage werden – erlebte das Publikum in der Komödie im Marquardt an zwei Abenden eine fürwahr historische Aufführung.

So sieht es aus, wenn Jörg Pauly als Häberle im Schalter des Postamts sitzt. Foto: Komödie im Marquardt

Die Regisseurin Christine Gnann, selbst Mutter von vier Kindern, fasste sich ein Herz und beschloss, als Häberle einzuspringen. Oft hatte sie ja den Text mit den Schauspielerin einstudiert. Um auf Nummer sicher zu gehen, trat sie mit dem Textbuch auf – mit dem aufgeklebten Schnauzer sowieso. Zum Glück hat das Ensemble das Stück schon mehr als 30-mal aufgeführt und konnte den ungewohnten Häberle gut auffangen.

Jörg Pauly im Glück: Seit Sonntag ist er Papa. Foto: privat

Fast 48 Stunden lang saß derweil Jörg Pauly im Krankenhaus an der Seite seiner Frau. „Was für ein emotionaler Ritt“, berichtet der 46-Jährige. Niemand hätte gedacht, dass es zwei Tage dauern sollte, in denen er „nach und nach gefühlt einen Hebammen-Crash-Kurs“ gemacht habe. Nach zwei Nächten des Wartens waren alle erschöpft, als das Baby schließlich in den früheren Morgenstunden auf die Welt kam – „das ist überhaupt nicht die Zeit für Schauspieler“. Am Abend jedenfalls ist Pauly „müde, aber überglücklich“ auf die vertrauten Bretter der Komödie zurückgekehrt. Gespielt wird noch bis Sonntag. Dann freut er sich auf die Zeit als Papa.