In Murrhardt geht es bei der Wahl um 18 Plätze im Gemeinderat. Foto: Gottfried Stoppel

65 Kandidaten auf vier Listen kämpfen bei der Gemeinderatswahl am 9. Juni in der Kleinstadt um den Einzug ins Stadtparlament. Dort sind 18 Sitze zu vergeben. Was sind die Besonderheiten in Murrhardt?

Murrhardt sei eine tolle Stadt mit Leuten, mit denen man viel bewegen könne, sagt der Bürgermeister Armin Mößner. Auch mit dem Gemeinderat lasse sich sehr gut zusammenarbeiten. „Wir haben ein konstruktives Arbeitsklima, auch wenn nicht immer alle einer Meinung sind, aber das macht ja Demokratie lebendig“, sagt der 40-Jährige. Heftige Schlagabtausche oder gar persönliche Verwerfungen gebe es im Gremium nicht, so seine Sicht.

 

Wie ist die Ausgangslage?

Zur Wahl haben sich nur zwei der aktuell 18 Mitglieder im Gemeinderat nicht mehr aufstellen lassen. Personelle Neuerungen wird es also auf jeden Fall geben. 65 Kandidaten auf vier Listen werben bei der anstehenden Kommunalwahl um Wählerstimmen. Einzig die SPD tritt mit einer verkürzten Liste an, sodass es anstelle der theoretisch möglichen 72 Kandidaten nur 65 sein werden. Mößner: „Wir haben hier auf jeden Fall eine gute Kandidatenbasis“, sagt der Schultes.

Wie hoch sind die Erwartungen?

Hoch sind sie auf jeden Fall bei der Fraktionsgemeinschaft CDU/FW: Sie stellt seit Jahren sechs Stadträte. „Wir sind mit dem Ziel angetreten, wiederum stärkste Fraktion zu werden“, sagt der Fraktionsvorsitzende Andreas Winkle. „In Anbetracht der politischen Großwetterlage und unter Verweis auf unsere bisherige konstruktive Arbeit würde uns ein Sitz mehr sehr freuen. Alles andere wäre enttäuschend.“ Die Unabhängige Liste (UL) ist keiner Partei zugehörig. „Für die kommende Wahlperiode tritt unsere Liste mit 18 sehr starken Kandidaten an, wir hoffen, einen zusätzlichen Sitz im Gremium besetzen zu können oder zumindest weiterhin fünf Sitze zu behalten“, teilt Wolfgang Hess mit. MDAL/Die Grünen halten derzeit vier von 18 Gemeinderatssitzen. „Wir hoffen, dass die Murrhardter Bürgerinnen und Bürger wieder in diesem Maß uns ihr Vertrauen und Stimme geben“, sagt deren Fraktionsvorsitzender Gerd Linke. Gedämpfter sind die Erwartungen bei Edgar Schäf (SPD): „Wir würden uns freuen, unsere drei Sitze im Gemeinderat zu behalten, und wären mit einem Wahlergebnis zufrieden, wenn die SPD noch ein oder zwei Sitze mehr bekommen würde.“

Welches sind die großen Themen?

Was angegangen werden muss, darüber herrscht im Wesentlichen Einigkeit: Die Themen Energiekonzept und Belebung der Innenstadt haben alle Fraktionen auf ihrer Agenda, ebenso bezahlbares Wohnen, ein besseres ÖPNV-Angebot sowie den Ausbau von Schulen und Kitas und den Hochwasserschutz. Andreas Winkle will die „Neuansiedlung von Geschäften, Restaurants und Dienstleistungsbetrieben fördern. Die Aufenthaltsqualität steigern für klein und groß durch Veranstaltungen und kleinere Events.“ Wolfgang Hess (UL) nennt zuvorderst das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum, eine familien- und jugendfreundliche Innenstadt, ein Mobilitätskonzept sowie die Verbesserung der Parksituation. Auf Gerd Linkes (MDAL/Grüne) Liste steht unter anderem in Stichworten: „Schulen- und Kindergarteneinrichtungen zukunftsfest ausstatten (Digitalisierung), Betreuungspersonal für Kigas, Kitas und verlässliche Grundschulen einstellen. Energiewende bei städtischen Gebäuden vorantreiben.“ Und Edgar Schäf (SPD) nennt als Aufgaben den Umbau des denkmalgeschützten Rathauses, des Bahnhofs zum Naturparkzentrum, den Mietwohnungsbau sowie die Investition in erneuerbare Energiegewinnung.

Zufrieden mit der Verwaltungsspitze?

Unisono loben die Gemeinderäte Armin Mößner für seine Arbeit als Schultes. Kritik, wenn überhaupt, gibt es bei der Kommunikation: „Wir wünschen uns oft mehr Kommunikation“, sagt Gerd Linke und fügt an, dass der richtige Zeitpunkt nicht immer leicht zu finden sei. Er sei zufrieden mit dem Bürgermeister und seinen Bereichsleitern.

Größte Herausforderung für den neuen Rat?

Murrhardt muss sparen. Und so wird der Gemeinderat nicht aus dem Vollen schöpfen können. „Murrhardt ist finanziell nicht auf Rosen gebettet, wir müssen immer ein Auge auf unsere Finanzen haben und mit dem Geld sensibel umgehen“, sagt Bürgermeister Mößner. „Das wird sich auch für den kommenden Gemeinderat nicht ändern, ganz unabhängig davon, wie er sich zusammensetzt.“ Die Schulden hätten im Jahr 2016 bei 8,3 Millionen Euro gelegen, Ende 2023 bei nur noch 4,8 Millionen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass wichtige Projekte trotz schwieriger Finanzlage umgesetzt werden konnten. „Wichtig ist, dass man die Kräfte bündelt und Prioritäten setzt“, sagt Mößner.

Zahlen zu Murrhardt

Einwohner
 14 180 Bürgermeister
 Armin Mößner (CDU, seit 2011)

Zurzeit im Gemeinderat
 Christlich Demokratische Union-Freie Wählervereinigung (6 Sitze), Unabhängige Liste (5), Murrhardter Demokraten/Alternative Liste-Bündnis 90/Die Grünen (4 Sitze), Sozialdemokratische Partei (3 Sitze).