Der Bezirksvorsteher Martin Körner will die SPD im Rat anführen Foto: Leif Piechowski

Die Stuttgarter Sozialdemokraten stehen nach erneuten Stimmenverlusten bei der Kommunalwahl mit ihrer Gemeinderatsfraktion vor einem Neuanfang. Spitzenkandidat Martin Körner (43) soll den gebeutelten Genossen Profil verleihen .

Stuttgart - Die Stuttgarter Sozialdemokraten stehen nach erneuten Stimmenverlusten bei der Kommunalwahl mit ihrer Gemeinderatsfraktion vor einem Neuanfang. Spitzenkandidat Martin Körner (43) soll den gebeutelten Genossen Profil verleihen und die Stadtratsfraktion für die nächste Wahl fit machen. 2019 will die SPD den seit 1984 ungebrochen grassierenden Bedeutungsverlust stoppen.

Am Tag nach der Schmach beriet sich Körner mit der scheidenden Fraktionsvorsitzenden Roswitha Blind. Am heutigen Dienstag wird das endgültige Wahlergebnis bekanntgegeben. Dann könnte es sein, dass die SPD-Fraktion von zehn auf neun Köpfe schrumpft. Von einer Volkspartei kann nicht mehr die Rede sein. „Es kommen fünf Jahre harte Arbeit auf uns zu, an deren Ende wir besser dastehen wollen als heute“, sagt Körner. Er will die Schmach tilgen. Eine Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede wolle er aber nicht halten. Die Fraktion müsse sich erst mal finden.

Bis zu zwei Drittel der SPD-Bürgervertreten könnten neu im Stadtparlament sein. Blind rechnet mit 50 Prozent. Erfahrene Stadträte, die weiter hinten auf der Liste stünden, würden in der Regel nach vorne gewählt, sagt sie. Andreas Reißig und Maria Hackl sieht sie daher erneut ins Stadtparlament einziehen. Aber auch wenn nur jeder zweite Kopf ein neuer wäre, bedeutet dies für die Genossen einen gewaltigen Umbruch. Den will Körner planen. „Ich will organisatorisch gut mit der neuen Fraktion starten“, sagt er. Dafür will er sein Mandat als Bezirksvorsteher im Osten aufgeben und außerdem im Brotberuf bei der SPD-Landtagsfraktion nach der im Herbst auslaufenden Elternzeit mit nicht mehr als 20 Prozent zurückkehren. Das würde ihn Geld kosten. Die Stadtratstätigkeit wird mit 1200, die eines Fraktionschefs mit 2400 Euro vergütet. Das Geld muss versteuert werden.

Wer Körner als Vize-Fraktionschefs zur Seite steht, ist noch nicht ausgemacht. Konkurrenz um die Führung muss Körner nicht fürchten. Hans H. Pfeifer, früher OB in Freudenstadt und bis 2012 City-Manager in der Landeshauptstadt, zeigt kein Interesse. „Ich werde Martin Körner als Fraktionsvorsitzenden vorschlagen und bin froh, wenn er das macht“, weist Pfeifer eigene Ambitionen von sich. Den Vizeposten könnte sich Pfeifer wieder vorstellen. Die SPD vergibt laut Satzung zwei. Ob diese Regularien geändert werden, ist unklar. Wenn nicht, würde eine Frau für den zweiten Vizeposten gesucht. „Wir wollen jetzt keine Personaldebatte, schon gar nicht öffentlich“, sagt Daniel Campolieti, der wie Körner aus dem Osten kommt und auf Listenplatz sieben stand.

Statt über Personen wollen die Genossen über Projekte und Programme sprechen – und sich so aus dem Schatten von CDU und Grünen lösen. „Martin Körner muss herausarbeiten, dass die SPD im Rathaus wichtig ist, dass ohne uns keine Entscheidungen getroffen werden können“, sagt Blind. „Wir sind das Zünglein an der Waage.“ Blind spielt auf die bisherige knappe öko-linke Mehrheit an. Ob die SPD darin eine tragende Rolle behält oder zum Statisten wird, das wird am heutigen Dienstag um 16 Uhr klar werden. Dann steht das endgültige Wahlergebnis fest.

Die Genossen suchen nach einem scharfen Profil, das sie in den letzten Jahren nicht geboten haben. Hans H. Pfeifer sieht keine Alleinschuld: „Die von den Medien übernommene Zuspitzung der Lager macht uns das Leben schwer“, sagt er. Manfred Kanzleiter, einer der dienstältesten Stadträte und lange SPD-Fraktionschef, zeigt sich selbstkritischer. Die SPD habe eine junge Liste aufgestellt. Die Frage sei, ob die Personen in der Stadt bekannt genug gewesen seien.

Die neue Fraktion wird viel zu besprechen haben. Brot und Salz will Blind ihrem Nachfolger Körner zum Einzug ins Rathaus nicht reichen. „Das ist zu spartanisch“, sagt sie. Sie werde eine Flasche Wein einpacken.

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