Auf dem Podium saßen (v.l.):Philipp Hill (CDU), Matthias Oechsner (FDP), Andreas Winter (Die Grünen), Thorsten Puttenat (Die Stadtisten) und Michel Jantzer (SPD). Moderiert hat Nina Ayerle (r.), Redakteurin unserer Zeitung. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Im Haus der Katholischen Kirche haben Kommunalpolitiker über die Zukunft der Stuttgarter Quartiere gesprochen. Ein Ziel: die Bewohner sollten die wichtigsten Zeile zu Fuß erreichen können.

Stuttgart - Kultur, Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleiser in unmittelbarer Nähe; Schulen und Kindergärten, die zu Fuß erreichbar sind: So sieht die Vision der SPD von der idealen „5-Minuten-Stadt“, aus. Die CDU spricht von einer „Stadt der kurzen Wege“, meint aber im Grunde das Gleiche. Dass es zwischen den Partien mehr Übereinstimmungen als Dissens gibt, wo es um Visionen vom urbanen Miteinander geht, zeigte auch die Podiumsdiskussion im Haus der Katholischen Kirche zum Thema „Gut Leben im Quartier“, die am Dienstag die Veranstaltungsreihe „Perspektiven“ eröffnete.

Wie ist der richtige Weg zu mehr Wohnraum?

Austauschbar sind die Positionen nicht. Stadtratskandidat Thorsten Puttenat (Stadtisten) setzt mit dem Schwerpunkt Nachbarschaft einen eigenen Akzent. Zusammenleben und Demokratie hingen unmittelbar zusammen, so der Musiker. Wenn die Menschen sich wirklich begegnen würden, könne sich mehr verändern und gestalten lassen. Philipp Hill (CDU) hebt stärker auf die Bedeutung einer funktionierenden Infrastruktur ab. Die 23 Bezirke bräuchten jeweils starke Zentren und eine ausgeprägte Familien- und Gemeinwesenstruktur. Nur dann könnten sie sich nachhaltig entwickeln. Matthias Oechsner (FDP) verweist auf die negativen Effekte, die eine Abwanderung von Gewerbe aus einem Stadtteil nach sich ziehe: „Das Ende vom Lied ist, dass es immer trister wird“, gibt der Stadtrat zu bedenken. „Dem müssen wir entgegenwirken.“

Natürlich wird auch der Weg zu mehr Wohnraum von den Kommunalwahl-Kandidaten diskutiert. Während Andreas Winter (Grüne) vehement für mehr Nachverdichtung eintritt und vor dem „Flächenfraß“ durch Quartiersplanung auf der grünen Wiese warnt, stellt sich Michael Jantzer (SPD) die Frage, ob eine solche Einstellung für die Weiterentwicklung einer Stadt nicht grundlegend hinderlich sei. Oechsner kritisiert, die Nachverdichtung werde nur halbherzig umgesetzt. Eine andere Wendung nimmt der von unserer Redakteurin Nina Ayerle moderierte Austausch, als Christine Göttler-Kienzle, Gemeindereferentin der katholischen Gesamtkirchengemeinde Mitte und Peter Burkhardt, Schulleiter der Pragschule im Stuttgarter Norden auf die Unerlässlichkeit sozialer Durchmischung für ein funktionierendes Quartier zu sprechen kommen. Im ehemaligen Coop-Viertel, so Göttler-Kienzle drohe unter Umständen ein Brennpunkt zu entstehen, wenn durch das Bettenhaus des ehemaligen Bürgerhospitals weitere Sozialwohnungen hinzukämen. Auch mangle es an Angeboten für die Jugend.

Grüne: Mehr Gedanken über Jugendliche machen

„Wir müssen uns mehr Gedanken über Jugendliche machen“, räumt Andreas Winter ein. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es nach der Grundschule weitergeht und mehr für die Jugendarbeit tun.“ Hinsichtlich der Sozialwohnungen verweist er darauf, dass dort auch Menschen mit weniger Einkommen, etwa Krankenschwestern oder Polizisten einziehen würden. Die Gefahr einer Brennpunktbildung sieht er nicht. Thorsten Puttenat plädiert an dieser Stelle dafür, künftig neue Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser stärker zu berücksichtigen. Zum Wohlfühlen im Quartier gehöre der Kontakt untereinander.

Das sieht auch Michael Jantzer so, der bemerkt: „Wenn man sich in der Hausgemeinschaft versteht, wenn es ein intaktes Vereinsleben für Sport und Musik gibt, dann ist das ein gutes Leben für mich.“

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