Der inklusive Gesprächsabend wurde von der Volkshochschule und der Landeszentrale für politische Bildung organisiert. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Das Thema Inklusion fällt oft unter den Tisch. Bei einer Veranstaltung in der Volkshochschule berichten Menschen mit Behinderung den Kandidaten zur Kommunalwahl von den Hürden, die sie im Alltag meistern müssen.

Einen Wahlkampftermin der etwas anderen Art erwartet die Kandidatinnen und Kandidaten zur Kommunalwahl am Mittwoch in der Stuttgarter Volkshochschule. An diesem Abend stellt kein Moderator die Fragen, sondern die Bürger sollen selbst mit den Kommunalpolitikern ins Gespräch kommen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Der Zugang zum Saal ist barrierefrei, es stehen Dolmetscher für Gebärdensprache zur Verfügung und die Kandidaten sollen eine einfache Sprache verwenden. Auch inhaltlich steht das Thema Inklusion an erster Stelle.

 

Es haben Kandidaten von allen Listen zugesagt, 18 insgesamt. Einige Persönlichkeiten wie der Fraktionsvorsitzender der SPD Stefan Conzelmann oder die Beauftragte der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Simone Fischer (Grüne) dürften vielen Bürgern bekannt seien. Andere Kandidaten treten das erste Mal an, darunter etwa Moritz Riedacher von der Tierschutzpartei. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde lernen sich Besucher und Kandidaten bei einem sogenannten „Speed-Dating“ persönlich kennen.

Schon nach kurzer Zeit wird an einigen Tischen lebhaft diskutiert. Die Besucherinnen und Besucher nutzen die Gelegenheit, den Kandidaten ihre Anliegen mitzugeben. Kain Zimger, der eine starke Sehbehinderung hat, ärgert sich über die vielen E-Scooter, die überall auf den Gehwegen stehen und ihm im Alltag Schwierigkeiten bereiten. Seine Tischnachbarin Maria Seidler wünscht sich mehr Personal in den Ämtern, die mit den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen vertraut sind. Friedrich Müller, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, erwartet von der Kommunalpolitik, dass sie sich verstärkt für einen barrierefreien Nahverkehr einsetzt.

Inklusion bei den Themen Wohnen und Mobilität mitdenken

Auch mit Kritik wird nicht gespart. So kommt es schon einmal vor, dass ein Kandidat ermahnt wird, weniger „Politiksprech“ zu verwenden und verständlicher zu formulieren. Wenn die Bürgerinnen und Bürger mit den Antworten der Kandidaten nicht zufrieden sind, haken sie hartnäckig nach. Dabei werden vor allem bei den Themen Wohnen und Mobilität durchaus starke Unterschiede zwischen den Kandidaten deutlich. So will Beate Bulle-Schmid (CDU) das Auto nicht aus der Stadt verbannen, da Menschen mit Behinderung oft darauf angewiesen seien, wohingegen der Ex-Klimakleber Riedacher das Auto in der Stadt vor allem als Gefahr für Mensch und Tier wahrnimmt. Während Margarete Schumm, Kandidatin der Klimaliste, auf die Sanierung bestehender Gebäude setzt, spricht sich Axel Brodbeck von den Freien Wählern für Nachverdichtung aus.

Das Veranstaltungskonzept kommt bei vielen Bürgern gut an. „Mir ist es bei der Kommunalwahl besonders wichtig, die Kandidaten persönlich kennenzulernen und zu löchern“, sagt Christine Beck. Nicht alle Kandidaten haben sie überzeugt. „Ein Kommunalpolitiker muss breit aufgestellt sein. Das ist gerade bei den kleinen Parteien nicht immer der Fall“, stellt sie fest. Katrin Wahner von der Volkshochschule zeigt sich zufrieden, dass das Angebot auf breite Resonanz stößt. Sie organisiert die Veranstaltung nun schon zum zehnten Mal in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung. „Unser Wunsch ist, dass alle Menschen am Diskurs teilhaben können und dass das Thema Inklusion bei wichtigen Politikfeldern mitgedacht wird“, sagt sie.