Viele bekannte Gesichter treten zur Kommunalwahl in Sindelfingen an. Eine neue Wahlliste möchte in den Rat einziehen. Aus Reihen des Gemeinderats wird Kritik an die Verwaltung formuliert – auch weil in der nächsten Wahlperiode ambitionierte Projekte anstehen.
Die Sanierung der Tiefgarage am Marktplatz, die Neugestaltung des Gewerbegebiets in Sindelfingen-Ost oder die Kontroverse um das Badezentrum, das für 100 Millionen Euro erneuert werden soll – die Liste an Projekten, über die die Stadträte seit 2019 diskutiert haben, ist lang. Auch in der nächsten Wahlperiode werden die Vorhaben nicht ausgehen. Denn die meisten der in der zu Ende gehenden Legislaturperiode sind bei Weitem noch nicht abgeschlossen.
An der Umsetzung der Projekte mitarbeiten wollen in der nächsten Wahlperiode alle Parteien und Gruppierungen, die bereits jetzt im Gremium vertreten sind: CDU, Grüne, Freie Wähler (FWS), SPD, FDP, Linke und AfD. Doch mit dem Bündnis der Vielfalt Sindelfingen steht auch eine neue Wahlliste auf dem Zettel. Auffallend beim Blick über die 40 Kandidaten: Der überwiegende Teil der Namen ist türkischen Ursprungs.
Für die zeitgleich stattfindende Wahl für die Ortschaftsräte in Maichingen und Darmsheim haben hingegen nur CDU, Grüne, FWS, SPD und FDP Listen aufgestellt.
Erfahrung, aber auch junge Perspektiven
Insgesamt sind die Wahlvorschläge von Kontinuität geprägt. Die Fraktionen schicken auf den vorderen Plätzen ihrer Listen bekannte Gesichter ins Rennen: Maike Stahl (CDU), Sabine Kober (Grüne), Dorothee Kadauke (Freie Wähler), Axel Finkelnburg (SPD), Max Reinhardt (FDP) und Richard Pitterle (Linke). Bei der AfD steht Winfried Meffert ganz oben. Doch die Parteien warten auch mit neuen – und mit jungen Kandidaten auf – etwa mit Felix Koch (Jahrgang 2003, CDU), Rafiah Winterhalter (2007, Grüne), Jaran Jaskolka (2007, FWS) oder Ricarda Miersch (2006, SPD). Mit gleich mehreren Kandidaten unter 21 Jahren wirbt das neue Bündnis der Vielfalt für sich.
Auch atmosphärisch verspricht die nächste Legislaturperiode spannend zu werden. Denn die Fraktionen wollen mehr Tempo. Zu wenig sei umgesetzt worden, heißt es fast unisono . „Ideen dürfen nicht mehr in Verwaltungsschubladen enden. Projekte wie das Gasthaus Hirsch haben gezeigt, dass wir noch intensiver darauf achten müssen, dass die Prozesse schneller abgeschlossen werden. Viele Bürger haben das Gefühl die Verwaltung übernimmt sich mit manchem Projekt“, sagt SPD-Stadtrat Axel Finkelnburg. Das Traditionsgasthaus Hirsch stand seit 2018 leer. Erst nach langer Hängepartie gelang es nun, einen neuen Pächter zu finden.
Max Reinhardt (FDP) bemängelt: „Viele Projekte sind angekündigt oder begonnen, doch nahezu keines hat die Verwaltung in den letzten fünf Jahren ins Ziel gebracht.“ Reinhardt nennt offene Fragen zum geplanten Kultur- und Bürgerzentrum und dem frei werdenden Krankenhausareal.
Bildungsbereich soll gestärkt werden
Eine klimafreundliche Stadt, zuverlässige Kinderbetreuung oder moderne Radwege – parteiübergreifend herrscht Einigkeit darüber, dass große Aufgaben anstehen. „Wir stehen für eine zukunftsweisende Verkehrs-, Energie- und Baupolitik. Wir machen uns auch für eine familienfreundliche Stadt sowie vielfältige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung stark“, sagt Maike Stahl (CDU). In Sachen Bildung sagt Axel Finkelnburg: „Wir müssen dringend mehr Tempo bei Sanierungen von Schulgebäuden und Kindergärten machen. An den Schulen müssen wir die Stellenanteile für Schulsozialarbeit erhöhen und Stellen entfristen. Kita-Personal wollen wir durch attraktivere Arbeitsbedingungen anwerben und halten.“
Die Grünen legen besonderen Wert auf die klimafreundliche Umgestaltung der Stadt: „Für uns steht der Klimaschutz an erster Stelle. Hierzu gehören der Ausbau der Erneuerbaren Energien und mehr Tempo bei der Sanierung des städtischen Immobilienbestands. Der Zustand der Radwege ist einfach nur schlecht“, sagt Sabine Kober und fügt hinzu: „Natürlich gibt es Bevölkerungsschichten, welchen bezahlbarer Wohnraum wichtiger ist als Klimaschutz. Wir werden deshalb weiterhin auf die 30 Prozent geförderte Wohnraumquote bestehen.“
Für die FDP soll es in puncto Wirtschaftsstandort schwerpunktmäßig um niedrige Gewerbe- und Grundsteuern gehen. Außerdem visieren die Liberalen die Ansiedlung einer Hochschule an sowie „kräftige Investitionen in Schulen und Kitas“, wie Max Reinhardt unterstreicht. Ein Verkehrsleitsystem soll den Verkehrsfluss verbessern, zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung Ärzte in der Innenstadt angesiedelt und mehr Wohnraum geschaffen werden.
Auch die Stadtverwaltung hat große Ambitionen
Oberbürgermeister Bernd Vöhringer (CDU) zieht dennoch ein positives Fazit: „Diese Wahlperiode wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Wir mussten mit noch nie da gewesenen Herausforderungen umgehen – erst die Pandemie und dann der Krieg gegen die Ukraine. Unsere Stadtgesellschaft hat dabei gezeigt, dass man Krisensituationen meistern kann. Parallel haben wir viele richtungsweisende Projekte fortgeführt und neue gestartet.“ Der OB verweist unter anderem auf das Kita-Strategieprojekt „Next Generation Kita“, das Innenstadtkonzept „Sindelfingen macht Mitte“.
Mit Blick auf die kommende Wahlperiode kündigt Vöhringer auch für Maichingen und Darmsheim ambitionierte Projekte an: „Wir werden daran arbeiten, die Familienfreundlichkeit zu verbessern. Ich denke an Projekte wie den Schul- und Sportcampus Darmsheim, weitere Kitas und Spielplätze oder den Baustart des Skateareals am Glaspalast. Auch die Entwicklung unserer beiden Ortsteile ein Schwerpunkt sein.“