Der Neckar spielt in Nürtingen für die geplante Bewerbung um eine Landesgartenschau eine wichtige Rolle. Foto: Ines Rudel

Vor anderthalb Wochen haben die Bürgerinnen und Bürger Johannes Fridrich zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Das war ein klares Zeichen für eine Wechselstimmung in der Stadt. Setzt sich dieser Trend bei der Kommunalwahl fort?

Nürtingen - Der mit 55 Prozent der Stimmen klar ausgefallene Sieg von Johannes Fridrich bei der Oberbürgermeisterwahl am 5. Mai hat gezeigt, dass die Menschen in Nürtingen einen Neuanfang wollten. Weg vom etablierten Personal, hin zu frischen Gesichtern – werden die Wählerinnen und Wähler dieser Devise auch bei der Kommunalwahl folgen? Sollte sich dieser Trend am Sonntag, 26. Mai, fortsetzen, könnte dies zu einer Kräfteverschiebung im Gemeinderat der Hölderlinstadt führen.

NT 14 hat auf Anhieb vier Sitze im Gemeinderat erobert

Bisher ist es so, dass Liberale-Aktive Bürger-FWV, CDU und Freie Wähler zusammen 19 Sitze im Kommunalparlament haben. Zwar stimmen diese drei Fraktionen nicht immer einheitlich ab, doch ist bei kontrovers diskutierten Themen in der Vergangenheit tendenziell eine Blockbildung zu beobachten gewesen. Häufig hat es bei Entscheidungen dann zu einer Mehrheit gegenüber Nürtinger Liste/Grüne, NT 14 und SPD gereicht, die es zusammen auf 13 Mandate bringen.

NT 14 war bei der Kommunalwahl 2014 das erste Mal angetreten und konnte gleich auf Anhieb mit vier Sitzen ins Stadtparlament einziehen. „Mit Absicht anders!“ lautet der Slogan der Fraktion, die unter anderem für mehr Offenheit und Transparenz und für einen stärkeren Dialog mit den Bürgern eintritt. Bei den „Andersmachern“, so NT 14 über sich selbst, kandidiert neben anderen auch Fritz Eisele, der im Kampf der Bürgerinitiative „Nürtingen am Neckar“ gegen das geplante Hotel am Neckarufer an vorderster Front zu finden war. Die Initiative hatte 4701 Unterschriften in der rund 40 000 Einwohner zählenden Stadt gesammelt.

Der neue Oberbürgermeister will einen neuen Stil pflegen

Personelle Veränderungen könnten potenziell dazu beitragen, das Klima im Gemeinderat zu verbessern und Fronten aufzuweichen. Johannes Fridrich, der am 1. August sein Amt als Oberbürgermeister antreten wird, hat unter anderem dies als eines seiner Ziele ausgegeben. Der 41-jährige Richter hat im Wahlkampf parteiübergreifend Unterstützung erfahren. Ihm wird zugetraut, dass er in Nürtingen vorhandene Gräben zuschütten kann.

Über Parteigrenzen hinweg haben sich am vergangenen Sonntag mit Blick auf die Wahl „junge Kandidaten“ zu einem Austauschtreffen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Zentralbar getroffen. Eingeladen zu dem Treffen hatten die Stadträte Achim Maier (Freie Wähler), Michael Gscheidle (Aktive Bürger), Matthias Hiller (CDU), Bastian Vorbrugg (Nürtinger Liste/Grüne) und Michael Medla (SPD). Ein im sozialen Netzwerk Facebook gepostetes Gruppenfoto der jungen Kandidaten mag als Hinweis dienen, dass die jungen Kräfte einen anderen Politikstil im Rathaus anstreben.

Eine Landesgartenschau soll der Stadt Auftrieb geben

Die Herausforderungen in den nächsten Jahren sind groß: das Schulsanierungsprogramm bis 2022 mit einem Volumen von rund 30 Millionen Euro ist eine Herkulesaufgabe. Das geplante Bildungszentrum mit dem zu modernisierenden Hölderlinhaus ist ein weiteres Großprojekt. Auf der politischen Agenda steht auch die Bewerbung um eine Landesgartenschau, von der sich Nürtingen ebenso wichtige Impulse für die Stadtentwicklung verspricht wie von der Realisierung des Sanierungsgebiets Bahnstadt.

Um diese wichtigen Vorhaben zu stemmen, bedarf es in Nürtingen gemeinsamer Kraftanstrengungen. Entsprechend groß ist die Hoffnung in der Bürgerschaft, dass der Gemeinderat und die Verwaltung bei wichtigen Themen stärker an einem Strang ziehen als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen ist.

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