Von wegen amtsmüde: Sabine Dack-Ommeln und Jürgen Haas freuen sich auf weitere fünf Jahre im Wernauer Gemeinderat. Foto: Roberto Bulgrin

Sabine Dack Ommeln von der Bürgerliste und Jürgen Haas von der Freien Wählervereinigung sitzen seit jeweils 30 Jahren im Wernauer Gemeinderat. Die ehrenamtliche Arbeit habe sich verändert, sagen sie.

Sie sind sich einig: Mitte der 90er Jahre war das mit der Gemeinderatsarbeit schon noch etwas anderes. Sabine Dack-Ommeln und Jürgen Haas wissen, wovon sie reden. Die Fraktionsvorsitzende der Wernauer Bürgerliste und der Fraktionsvorsitzende der Freien Wählervereinigung im Ratsgremium der 12 500-Einwohner-Stadt sind seit 30 Jahren in Amt und Würden – und wurden zuletzt als Stimmenkönigin beziehungsweise als Stimmenkönig für fünf weitere Jahre wiedergewählt.

 

„Ganz grundsätzlich ist es mehr Arbeit geworden“, sagt Dack-Ommeln. Man müsse viel mehr Vorgaben und Richtlinien beachten, deshalb auch umfangreichere Vorlagen studieren, die oft das Wissen von Experten benötigten. „Die Bürokratie, die uns aufoktroyiert wird, ist schon gewaltig. Das zeigt sich nicht zuletzt auch daran, dass Dinge, die früher in der Verwaltung bearbeitet werden konnten, heute externe Gutachten erforderlich machen“, ergänzt sie. Jürgen Haas sieht das genauso und erinnert sich gerne an seinen „Ziehvater“ Eugen Baur, der ihn damals motiviert habe, für den Gemeinderat zu kandidieren. „Wenn früher etwas nicht auf Anhieb geklappt hat, dann hat er den Leuten oft gesagt, dass wir das schon noch irgendwie hinkriegen würden. Das geht heute schlicht nicht mehr“, bedauert Haas.

Es braucht immer mehr Fachwissen

Dass die Ratsarbeit inzwischen weniger durch die Parteipolitik geprägt sei, empfinden die beiden Routiniers indes als Vorteil, wenngleich diese in Wernau schon in der Vergangenheit meist keine so große Rolle gespielt habe. „Heute muss man allerdings mehr aufpassen, nicht zu sehr den Vorgaben der großen Politik zu erliegen, sondern die kommunalen Interessen zu vertreten“, betont Haas. „Da muss man kritisch sein und sich schon auch mal wehren“, ergänzt Dack-Ommeln. Einfach sei das nicht immer, weil es von den ehrenamtlich tätigen Räten immer mehr Fachwissen verlange.

Manche Dinge hätten sich allerdings nicht geändert, erklären sie ebenfalls unisono, und das motiviere immer noch, vor Ort gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen: „Ich finde es nach wie vor interessant und spannend, wie viele kleine Schritte notwendig sind, um am Ende eine große Entscheidung hinzubekommen“, sagt Jürgen Haas. Und Sabine Dack-Ommeln fährt fort: „Ich habe in all diesen Jahren sehr viel gelernt und lerne ständig dazu, wofür ich ausgesprochen dankbar bin.“ Ihr Gegenüber nickt und erinnert sich mit einem Schmunzeln zurück: „In meiner Anfangszeit ging’s manchmal schon zur Sache und es gab hitzige Wortgefechte zwischen den Altvorderen, sodass ich mir manchmal dachte, in einem Kasperletheater zu sein.“

Unterschiedliche Politikstile kennengelernt

Auch heute werde häufig heftig diskutiert, ergänzt der 75-jährige Arzt, der seine Praxis erst jüngst übergeben hat, „aber jeder von uns kann jedem anderen in die Augen schauen“. Dack-Ommeln teilt diese Einschätzung: „Hart in der Sache, aber mit Respekt und Fairness, dann funktioniert das Miteinander“, nennt die 59-Jährige das Rezept für eine vernünftige Arbeit. Schön sei in diesem Zusammenhang, dass die „Nachsitzungen“ von der neuen Bürgermeisterin reaktiviert worden seien. „In geselliger Runde findet man zueinander“, sagt sie.

Und nicht nur das, wie ihr Kollege Haas betont: „Wir erleben als Gemeinderäte mit Christiane Krieger, nach Roger Kehle und Armin Elbl, gerade die dritte verantwortliche Person an der Rathausspitze, was hoch interessant ist.“ Die jeweiligen Stile, Politik zu machen, seien sehr unterschiedlich, hat er festgestellt. „Da habe ich viel Gutes gelernt und auch manches, was nicht so gut ist. Und oft ist eben nicht das eine oder das andere richtig, sondern der Mittelweg.“

Selbstkritik und Kritik sind notwendig

Dass sie in die Kommunalpolitik gegangen und dort geblieben sind, finden Haas und Dack-Ommeln für sich persönlich gleichermaßen richtig: „Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, mich direkt vor Ort und lebensnah zu engagieren“, erklärt die Wirtschaftskorrespondentin. Dabei habe sie im Laufe der Jahre festgestellt, dass es lohnend sei, sich einzusetzen, weil man etwas bewegen könne. Dass dabei mal etwas daneben gehe, räumt wiederum Haas unumwunden ein: „Nicht alle unsere Entscheidungen haben sich als richtig erwiesen.“ Demzufolge sei es auch selbstverständlich und gehöre für Stadträtinnen und Stadträte dazu, sich der Kritik aus der Bevölkerung zu stellen.

„Kritiker gab’s immer und das ist auch gut so, weil wir als Treuhänder das Geld der Steuerzahler verwalten“, sagt Dack-Ommeln. Ihr sei zudem der kritische Bürger lieber, als einer, der sich nicht mehr zu Wort melde, den man also schon verloren habe. Hass sieht das nicht anders: „Wir brauchen Rückmeldungen aus der Bevölkerung, verschiedene Meinungen und sind dankbar für jede Information“, stellt er klar. Und einmal mehr sind sich die beiden Langzeit-Räte mit einem Appell einig: „Meldet euch zu Wort: je früher, je besser. Wir sind – und daran hat sich bis heute nichts geändert – eure Vertreterinnen und Vertreter.“

Vier neue Ratsmitglieder und fünf Ehrungen für langjähriges Engagement

Konstanz
 Auch wenn die Gemeinderatsarbeit nicht immer ein Vergnügen ist, irgendetwas muss sie den Mitgliedern geben. Anders ist die Konstanz nicht zu erklären, die zumindest im Ratsgremium von Wernau herrscht, das jüngst amtsverpflichtet wurde. Nur die CDU-Rätin Birgit Gottwald-Kolb hatte darauf verzichtet, zur Wahl im Juni erneut anzutreten. Von den übrigen 21 Ratsmitgliedern wurden 18 in ihren Ämtern bestätigt.

Neulinge
Vier neue Gesichter gibt es demzufolge im Wernauer Rat. Carmen Hermann holte sich das freigewordene CDU-Mandat. Yannik-Luca Gebhardt, Jonas Tim Prasch und Matthias Steimer zogen für die erstmals angetretenen Jungen Bürger ins Kommunalparlament ein. Nicht zuletzt dieser Umstand könnte indes Andreas Späth (Bürgerliste), Bernd Altenburg (Freie Wähler) und Klaus Locke (Grüne) eine mögliche Wiederwahl gekostet haben.

Ehrungen
 Den vier Verabschiedungen standen derweil fünf Ehrungen für ein langjähriges und ehrenamtliches kommunalpolitisches Engagement gegenüber: Sabine Dack-Ommeln (Bürgerliste) und Jürgen Haas (Freie Wähler) für 30 Jahre, Jens Müller (CDU) und Stefan Redle (Bürgerliste) für 20 Jahre,  Gereon Trabold (Bürgerliste) für zehn Jahre.

Vertreter
Sabine Dack-Ommeln und Jens Müller wurden in der Sitzung als ehrenamtliche Stellvertreterin beziehungsweise als ehrenamtlicher Stellvertreter von Bürgermeisterin Christian Krieger gewählt.