Das angebrochene Jahr 2025 dürfte eine Reihe lokalpolitischer Weichenstellungen in Böblingen und Sindelfingen bringen. Unser Autor analysiert die wichtigsten.
Diese Kolumne trägt zu Recht den Namen „Rückspiegel“, weil sie in aller Regel zurückschaut, welche Ereignisse aus der zurückliegenden Woche besonders herausragen. Doch es sei ausnahmsweise erlaubt, an dieser Stelle mal vorausschauend im Futur zu schreiben, statt im Perfekt. Passend zu den vielen Neujahrsempfängen, die dieser Tage vielerorts steigen. Am Sonntag übrigens in den drei Großen Kreisstädten Böblingen, Sindelfingen und Herrenberg teilweise gleichzeitig. Hier wie dort werden große Projekte entscheidungsreif, stehen Wahlen an und darf die Lokalpolitik zeigen, was sie bewirken kann. Und das ist viel.
Es ist nämlich ein weit verbreiterter Irrtum, dass der politische Betrieb sich vor allem in Berlin abspielt. Die Bundesgesetze streifen uns zwar durchaus in zentralen Fragen, doch die Politik, die die Menschen am stärksten zu spüren bekommen, wird vor Ort gemacht: In Gemeinde- und Ortschaftsräten, im Kreistag. Zum Beispiel so: Die Einwohner der größten Stadt des Landkreises wählen am 11. Mai ihr neues Oberhaupt. Nach 24 Jahren Bernd Vöhringer deutet sich ein markanter Generationswechsel an.
Bisher haben mit Lukas Rosengrün (SPD) und Max Reinhardt (FDP) zwei waschechte Sindelfinger ihren Hut in den Ring geworfen. An der konservativen Bewerberfront hingegen herrscht geschäftige Ruhe: Die Christdemokraten scheinen noch keinen geeigneten Bewerber in ihren Reihen gefunden zu haben, die Freien Wähler ebenso wenig. Gilt noch das alte Sprichwort, nachdem der Prophet im eigenen Land nichts gilt? In Böblingen und Sindelfingen jedenfalls sind Stefan Belz und Bernd Vöhringer die lebenden Gegenbeweise. Sollten Rosengrün oder Reinhardt das Rennen machen, wären sie es ebenfalls.
Vier Jahre für Untersuchungen
In Böblingen dürften, nein: sollten die Weichen bei markanten Großprojekten gestellt werden, die über Jahre teils hitzig diskutiert wurden. Die erste Amtszeit von Stefan Belz neigt sich dem Ende (2026 ist OB-Wahl!). Nach monatelangen, aufwendigen Grabungen auf dem Böblinger Schlossberg sowie unzähliger weiterer Untersuchungen steht nun endlich fest, wie der Untergrund der südlichen Stadtkrone beschaffen ist. Die Grundlage für eine Entscheidung – eine neue Musik- und Kunstschule in der Kubatur des Schlosses bauen oder nicht bauen – ist damit geschaffen.
Nachdem der Gemeinderat bereits im Oktober 2021 den Beschluss fasste, dieses Projekt grundsätzlich wieder aufzugreifen, sollten vier Jahre der vertieften Untersuchung reichen, um eine reiflich überlegte Entscheidung zu treffen. Auch im Sinne der Basisdemokratie. Denn wenn sich die Willensbildung über den Gemeinderat allzu lang hinzieht, kann sie das Interesse in der Bevölkerung daran verdrießen. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein.
Spannung beim Windpark
Spannend wird es auch beim interkommunalen Windpark zwischen Böblingen, Holzgerlingen und Ehningen. Während Letztere mittlerweile schon in Verhandlungen mit den potenziellen Pächtern der Stadtwerke Böblingen und Stuttgart stehen, trat der Böblinger Gemeinderat in einer hitzigen Sitzung im November 2024 noch einmal auf die Bremse. Die Mehrheit der Stadträte wollte vorab Fragen klären, die sich auch im Laufe der Verhandlungen hätten klären lassen. Doch sei es drum: 2025 sollte der Böblinger Gemeinderat hier ausreichend Zeit für Abwägung gehabt haben.
Bei all der lokalpolitischen Schwere besteht 2025 trotzdem viel Grund zum Feiern: Dachtel und Schönaich feiern 750 Jahre, Deckenpfronn, Dagersheim, Weil der Stadt und Maichingen 950 Jahre und der Herrenberger Ortsteil Haslach sogar sein 1250-jähriges Bestehen. Herzlichen Glückwunsch!