Kulturelles Erlebnis hinter geschlossenen Scheiben: Stefan Hart und sein Team des Kommunalen Kinos eröffnen auf dem Parkdeck eines Einkaufszentrums ein Autokino. Foto: Ines Rudel

Auf dem Parkdeck des Neckar Centers in Esslingen eröffnet ein Autokino für rund 500 Besucher. Damit wollen sich die Betreiber des Kommunalen Kinos in der Corona-Krise über Wasser halten.

Esslingen - Platz für rund 240 Autos, also rund 500 Besucher, gibt es in dem neuen Kino auf dem Parkdeck des Einkaufszentrums Neckar Center in Esslingen-Weil. Zwei „Säle“ und ein aktuelles Programm erwarten die Besucher. Die Frage ist, ob sich das Kommunale Kino Esslingen (Koki) mit dem blitzschnell aus dem Boden gestampften Autokino über die kommenden Monate retten kann.

Zweifel daran schieben die Geschäftsführer des Kommunalen Kinos, Sibylle Tejkl und Stefan Hart, beiseite. Sie und ihr Team gehen mit Optimismus und Tatendrang in die nächsten Monate und haben die Chance beim Schopf gepackt, der Krise mit ungewöhnlichen Aktionen und Ideen beizukommen. Auf der Homepage gibt es etwa Filmtipps, ein Kinderprogramm, eine Übersicht über Streamingdienste und Kino on demand. „Wir wollen so gut wie möglich mit unseren Besuchern in Kontakt bleiben und eine Art gemeinsames, kulturelles Erlebnis bieten“, sagt Tejkl. Dem großen finanziellen Loch, das sich aufgrund der Kinoschließung und der abgesagten Veranstaltung Kino auf der Burg mit normalerweise rund 25 000 Besuchern auftut, begegnen sie mit der Eröffnung eines Autokinos.

Der Ton zum Film kommt übers Autoradio

„Wir hatten schon früh befürchtet, dass aufgrund der Corona-Krise unser Kino auf der Burg im Sommer nicht stattfinden kann“, berichtet Hart. Als dann letzte Woche die Bundesregierung beschloss, Großveranstaltungen bis zum 31. August nicht zu gestatten, hatte das Koki bereits seine Alternative auf den Weg gebracht. „Die Leitung des Neckar Centers war sofort begeistert von dem Vorschlag des Autokinos“, sagt Hart. Da aufgrund der Corona-Krise die Frequenzbringer Decathlon oder Media Markt geschlossen seien und nur die Lebensmittelmärkte und Apotheke geöffnet hätten, sei der Bedarf an Parkplätzen ohnehin nicht so groß. „Außerdem starten wir den Kinobetrieb erst bei Einbruch der Dunkelheit, gegen 21 Uhr, da wäre das Parkdeck normalerweise geschlossen“, sagt Stefan Hart.

Ein Teil der Ausstattung, wie etwa die Leinwand, das Gerüst und die Projektionstechnik sei ähnlich wie beim Kino auf der Burg und teilweise auch vorhanden. Die Leinwand von 19 auf acht Meter für den „großen Saal“ musste für das Autokino neu besorgt werden. Neuland betreten die Koki-Betreiber vor allem in Sachen Ton und Kontrolle. Hart: „Der Sound kommt im Autokino über das Radio, dafür braucht man eine Ukw-Frequenz. Normalerweise dauert das vier bis fünf Wochen, bis man eine bekommt. Wir hatten große Unterstützung von den Behörden und haben die Frequenz innerhalb von einer Woche bekommen.“

Vorschriften müssen beachtet und kontrolliert werden

Die Architektin Stephanie Schnäbele, beim Koki für das Kinderprogramm verantwortlich, hat die Pläne für das neue Autokino auf die Beine gestellt. Die Autos müssen einen Abstand von mindestens 1,50 Metern einhalten. Stellplätze werden den Besuchern zugewiesen und große Autos wie SUVs müssen hinten stehen.

Bei der Umsetzung sei es nun wichtig, dass sich die Besucher an die Vorschriften hielten, betont Sibylle Tejkl. So sind etwa pro Auto nur zwei Personen erlaubt, ausgenommen seien Familien. Inhaltlich orientiert sich das Programm an Filme, die kürzlich angelaufen sind. Der Betrieb startet am Mittwoch, 22. April, um 21.15 Uhr mit „Die Känguru-Chroniken“. Am Donnerstag läuft die Doku „Besser Welt als nie“. Trotz des Autokinos ruhen Tejkls Hoffnungen darauf, dass die kleinere Veranstaltung Kino auf dem Campus im August wie gewohnt stattfinden kann.

Tickets gibt’s nur online

Es gibt keine Abendkasse. Besucher können sich über die Homepage des Kommunalen Kinos unter www.autokino-esslingen.de ein Ticket besorgen und die Kaufbestätigung auf dem Handy oder ausgedruckt durch die geschlossene Fensterscheibe vorzeigen. Der Eintritt kostet 20 Euro pro Auto. Außerhalb des Wagens darf man sich nicht aufhalten.

Infrastruktur:
Im Autokino gibt es keine Versorgung mit Lebensmitteln. Essenslieferungen sind nicht erlaubt. Toiletten für die Besucher sind im Neckar-Center vorhanden.

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